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Interview

«Mich ärgert die Haltung des Kantons»: Rorschacherbergs Gemeindepräsident kommt bei der Uferweg-Umsetzung nicht vorwärts

Umweltschutz sieht er pragmatisch, Fahrende heisst er willkommen und mit dem kantonalen Tiefbauamt liegt sich Beat Hirs (FDP) in den Haaren. Im Sommerinterview verschafft er sich Luft.
Interview: Jolanda Riedener
Rorschacherbergs Gemeindepräsident Beat Hirs hofft, dass der Kanton die Planung des Fuss- und Velowegs Churerstrasse endlich an die Hand nimmt. (Bild: Benjamin Manser)

Rorschacherbergs Gemeindepräsident Beat Hirs hofft, dass der Kanton die Planung des Fuss- und Velowegs Churerstrasse endlich an die Hand nimmt. (Bild: Benjamin Manser)

Die Fahrenden beim ehemaligen Schlachthof haben Sie spontan und unkompliziert gewähren lassen, das hat Ihnen einige Sympathien eingebracht. Könnte das Areal auch in Zukunft als Durchgangsplatz genutzt werden?

Beat Hirs: Das Gelände ist ideal, die Fahrenden stören dort niemanden. Für eine Zwischennutzung bis zur Neuentwicklung des Areals wäre es aus Sicht von Rorschacherberg absolut denkbar, das Land an Fahrende zu vermieten. Diese Entscheidung liegt aber bei der Stadt Rorschach als Grundeigentümerin. Bedingung aus unserer Sicht ist, dass die Vermietung organisiert ablaufen muss.

Inzwischen sind die Fahrenden weitergezogen. Wie hat sich der Versuch bewährt?

Gut. Wir haben keine Reklamationen aus der Bevölkerung erhalten. Alles verlief einwandfrei und die Stromrechnungen wurden bezahlt. Das waren anständige Leute.

Als geschickte Werbeaktion für die Gemeinde stellte sich auch die Bezahlung der Betreuungskosten während der Bürgerversammlung heraus. Aus Goldach gab es sogar Neider über diese medienwirksame Idee.

Das Medienecho war wie ein Lottosechser: völlig ungeplant und überraschend. Wir haben uns an einer Ratssitzung überlegt, was wir machen könnten, damit die jüngeren Leute an der Versammlung teilnehmen. Vor allem haben wir darauf aber positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhalten: Man schätzt es, dass der Gemeinderat die jungen Bürger einbeziehen will. Dabei geht es um die Geste und schlussendlich nicht ums Geld.

Zur Person

Seit 2009 ist Beat Hirs (50) Gemeindepräsident in Rorschacherberg. Davor war er unter anderem als Produktionsleiter bei Nestlé in Goldach und Rorschach tätig. Er ist Verwaltungsratspräsident des Pflegeheim Pelago, sowie Verwaltungsrat im Abwasserverband Altenrhein und bei der Hörnlibuck AG. Auch fungiert er als Präsident der Stiftung Landschaftspark Wartegg. Weiter ist er Mitglied im Kongress der Gemeinden und Regionen Europas. Der Vater von vier Töchtern verbringt seine Freizeit gerne beim Jagen.

Mit dem Seeuferweg ist eine Abstimmung über die Bühne, die eine lange Vorlaufzeit hatte. Eine grosse Erleichterung für Sie?

Das politische Hick-Hack ist schwierig und weniger mein Ding. Jetzt, wo es ans Umsetzen geht, fühle ich mich wohl. Diesbezüglich bin ich ein Macher. Mein Ehrgeiz, ein möglichst gutes Projekt auszuarbeiten, wird angespornt. Dabei sind aber die Gespräche mit den Anwohnern wichtig: Hier gilt es, in Bewegung zu bleiben und nicht in den Schützengräben verharren. Wir geben unser Bestes aber mich ärgert die Haltung des Kantons.

Was genau ärgert Sie?

Wir warten noch immer darauf, bis der Kanton die Planung des Fuss- und Velowegs Churerstrasse an die Hand nimmt. Das Projekt muss zwingend gleichzeitig mit dem Uferweg aufliegen. Einerseits war der Weg an der Churerstrasse politisch immer mit dem Uferweg als Päckli geschnürt und wurde den Bürgern so verkauft. Andererseits sind die Projekte juristisch gekoppelt, da sie die Anstösser von beiden Seiten her betreffen. Das muss man auch in den Verhandlungen berücksichtigen. Weiter war der Kantonsingenieur bereits während der Planungsphase Mitglied in der Begleitgruppe. Dass seinerseits nun kein Handlungsbedarf besteht, ist unverständlich. Vom Kanton fühle ich mich vor den Kopf gestossen. Das Ganze hat eine politische Dimension angenommen. Entsprechend gross sind die Erwartungen an ein bevorstehendes Gespräch mit Regierungsrat Marc Mächler.

Dass Sie gleichzeitig bemüht sind, mit den Anstössern Lösungen zu finden und Einsprachen abzuwenden, kommt bei Uferweg-Befürwortern weniger gut an.

Einige halten es für unnötig, Rücksicht auf den Radweg an der Churerstrasse zu nehmen. Aus den genannten Gründen geht das nicht. Durch den knappen Abstimmungsentscheid halte ich es für meine Pflicht, die Planung mit dem nötigen Feingefühl voranzutreiben. Aktuell hole ich die Wünsche und Ideen der Anstösser ab. Sie müssen mit dem Uferweg leben, deshalb wollen sie eine gute Lösung für ihre Liegenschaft. Das mag wie ein Kuhhandel wirken, verringert aber das Risiko für Einsprachen und hilft, schneller einen für alle möglichst attraktiven Seeuferweg zu bauen.

Wie Sie sagen, das Projekt Uferweg ist umstritten. Ein klares Bekenntnis zum Projekt seitens des Gemeinderats blieb aus. Böse Zungen behaupteten, dies habe mit Ihrer Nähe zum «Nein»-Kampagnenleiter Sven Bradke zu tun.

Auch der Gemeinderat war gespalten. Es geht aber nicht um eine persönliche Bindung zu irgendwelchen Personen. Ich bin verwurzelt in der Gemeinde und täglich mit solchen Konflikten konfrontiert. Als Gemeindepräsident muss ich rollenbedingt oft auch «unangenehm» sein, wie aktuell bei meinem Parteikollegen Regierungsrat Mächler.

Rorschacherberg ist eine vermögende Gemeinde. Inwiefern erleichtert das ihre Arbeit?

Es ist sicher einfacher. Wir achten aber sehr darauf, die Ausgaben im Griff zu haben und keine risikoreichen Steuerreduktionen zu machen. Grundsätzlich ist die Arbeit im Gemeinderat effizient und konstruktiv.

Woran liegt das?

Die Zusammensetzung im Rat ist heterogen und deshalb ein gutes Abbild der Bevölkerung. So fliessen völlig unterschiedliche Perspektiven in Entscheide und Projekte mit ein. Das ist eine Stärke, macht die Arbeit aber auch anspruchsvoller.

Umweltschutz ist das Thema der Stunde. Welche Massnahmen trifft die Gemeinde diesbezüglich?

Auf dem Dach des Schulhauses Wildenstein erstellen wir eine weitere Fotovoltaikanlage. Bürger werden diese quadratmeterweise kaufen können, auf der Stromrechnung wird ihnen dieser Ertrag gutgeschrieben. Vor allem für Kunden, die in einer Wohnung leben, bietet sich dieses Konzept an. Eine weitere Fotovoltaikanlage ist im kommenden Jahr auf dem Werkhof geplant. Neu subventioniert die Gemeinde ausserdem Steckdosen für Elektroautos in Mehrfamilienhäusern.

Und ist Ihnen persönlich Umweltschutz ein Anliegen?

Biodiversität und Naturschutz liegen mir am Herzen. Ansonsten sehe ich das pragmatisch: Eine Öl- oder Gasheizung bei einem Neubau ist ein No-Go. Mit Erdwärme gibt es hervorragende, nachhaltige Alternativen. Mühe habe ich damit, wenn man nach Umweltschutz schreit und selbst nichts dafür tun will. Man kann nicht von der Gemeinde Fotovoltaikanlagen fordern und gleichzeitig billigeren Strom verlangen.

Im Gebiet Wiggen wehren sich Anwohner gegen eine geplante Erschliessung. Haben Sie dafür Verständnis?

Ja, ich verstehe ihr Anliegen bestens. Wenn ich neben einer grünen Wiese wohnen würde, hätte ich auch keine Freude, wenn gebaut wird. Dennoch ist es die Pflicht des Rats, dieses Bauland zu erschliessen. Wir müssen alle Varianten prüfen und gegenüberstellen. Demnächst fällen wir den Einsprachentscheid.

Wie stark beschäftigt Sie die Raumplanung?

Innere Verdichtung hat bei uns nicht oberste Priorität, wir müssen unser Augenmerk auf die Qualität legen. Wer gerne dicht besiedelt wohnt, ist in Rorschach an der richtigen Adresse – es müssen ja nicht alle Gemeinde das Gleiche anbieten. Unsere lokale Raumplanung weist Denkansätze der späten 70er-Jahre auf, entsprechend viel Arbeit steht bei der Revision bevor. Dabei gilt es, eine neue Richtung vorzugeben. Darauf freue ich mich, ich sehe es als «Dessert» meines Amtes.

Rorschacherberg ist vor allem eine Wohngemeinde.

Das Dorfleben ist uns deshalb wichtig. Wir stellen den Vereinen möglichst viel Infrastruktur kostenlos zu Verfügung und unterstützen ein aktives Gemeindeleben bestmöglich. Auch die Post übernimmt eine wichtige Funktion in der Gemeinde, sie ist Treffpunkt und liefert einen wichtigen Service. Aktuell wird ihr Standort nicht mehr in Frage gestellt. Auch, weil es im Dorf keinen geeigneten Ort für eine Agentur gibt.

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