Menschen mit Beeinträchtigungen sagen ihren Angehörigen: «Danke!»

Am Freitag war der nationale «Tag für pflegende und betreuende Angehörige». Die Pro Infirmis St. Gallen-Appenzell überrascht deshalb im Raum Rorschach Menschen mit Geschenken.

Theepan Ratneswaran
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Jacqueline Cristiano bedankt sich bei Jessica und bei Elisabeth Raduner von Pro Infirmis.

Jacqueline Cristiano bedankt sich bei Jessica und bei Elisabeth Raduner von Pro Infirmis.

Bild: Theepan Ratneswaran

Trotz coronabedingtem Abstand spielen sich rührende Szenen ab. Der Hund wedelt aufgeregt und seine Besitzerinnen strahlen mit der Sonne um die Wette. Hier und da schiessen Tränen in die Augen – Tränen der Freude. Ja, die Überraschung ist geglückt.

Freitag war der nationale «Tag für pflegende und betreuende Angehörige». Pro Infirmis St. Gallen-Appenzell und das Schweizerische Rote Kreuz des Kantons St. Gallen organisierten deshalb den sogenannten «Überraschungsdank». Die Aktion wird unterstützt von den Entlastungsdiensten, der Behindertenkonferenz und vom Kanton
St. Gallen. Die Aktion ermöglichte es Menschen mit Beeinträchtigung,
sich bei ihren Familien mit Geschenken zu bedanken, wie die 32-jährige Jessica Cristiano.

Jessica Cristiano aus Altenrhein leidet seit dem Säuglingsalter unter dem seltenen Rettsyndrom. Ihre Mutter Jacqueline ist ihre grosse Stütze im Alltag. Tag und Nacht umsorgt sie ihre schwerbehinderte Tochter, die nun mit dem Geschenk ihre tiefe Dankbarkeit ausdrücken wollte. «Das ist aber eine schöne Überraschung», bedankt sich strahlende Jacqueline Cristiano herzlich bei ihrer Tochter und bei Elisabeth Raduner.

Elisabeth Raduner von Pro Infirmis fungierte als Kurierin, die im Namen von Jessica die Dankesbotschaft laut vorlas und der Mutter anschliessend eine selbstgebastelte Collage mit Familienbildern und einen Korb mit italienischen Ess- und Trinkwaren überreichte. Die Geschenke seien so individuell wie die Personen selbst, sagt Raduner.

Tochter ist überwältigt

Nicht nur den betreuenden Eltern wurde gestern Freitag eine Freude bereitet. Auch Kinder, die sich um ihre kranken Eltern kümmern, sollen wertgeschätzt werden. Seit mehreren Jahren ist Lukas W. bettlägerig, wird von seiner Tochter betreut und gepflegt. Oft ist Lukas W. aufgrund seiner Schmerzen und Beeinträchtigungen angespannt und beansprucht die Nerven seiner Tochter. Als er von der Aktion «Überraschungsdank» hört, greift er dankbar zu.

Nachdem er seine Idee mit der Meldestelle von Pro Infirmis besprochen hatte, übertrug sie seine Dankesworte handschriftlich auf eine grosse Schriftrolle. Elisabeth Raduner überbrachte sie und einen Blumenstrauss gestern der Tochter.

Depeschen mit persönlichen Dankesbotschaften wurden jeweils an die Angehörigen übergeben.

Depeschen mit persönlichen Dankesbotschaften wurden jeweils an die Angehörigen übergeben.

Bild: PD

Dankbarkeit helfe, die Aufmerksamkeit weg von negativen Gefühlen zu lenken, erklärt Elisabeth Raduner den Sinn der Aktion. Und wie alle positiven Emotionen habe Dankbarkeit eine «Sickerwirkung». Denn noch Wochen nach der Aktion könnten sich alle Beteiligten an diese schöne Geste erinnern. Auch sie werde häufig von den Emotionen übermannt, auch bei ihr bleibe kein Auge trocken. «Es ist eine sehr schöne Aufgabe», sagt die Kurierin und fährt lächelnd los zum nächsten Überraschungsbesuch in Rorschach.