Steinacher Unternehmer erzählt von seinen Anfängen: «Mein Vater hatte keine Freude»

Christoph Richner übernahm als 20-Jähriger eine kleine Garage. Heute besitzt er drei Auto-Firmen. Sein Weg zum Erfolg sei simpel aber heute nicht mehr möglich, wie er sagt.

Maria Keller
Drucken
Teilen
Christoph Richner hat als junger Mann einiges riskiert. Das hat sich jetzt ausgezahlt. (Bild: Maria Keller)

Christoph Richner hat als junger Mann einiges riskiert. Das hat sich jetzt ausgezahlt. (Bild: Maria Keller)

Christoph Richner war jung, mutig und vielleicht ein wenig naiv. Mit 20 Jahren übernahm er den Garagenbetrieb an der Othmarstrasse in Steinach und startete seine berufliche Laufbahn als selbstständiger Karosseriespengler. Einige Jahre sind seither vergangen. Richner ist 43 Jahre alt und sitzt an der Theke im Ausstellungsraum seines heutigen Unternehmens an der Hauptstrasse 12. Hier stehen Edelkarossen zum Verkauf, im Raum nebenan sitzt ein Mitarbeiter hinter dem Empfangstresen und durch das Fenster hinter ihm kann man einen Blick auf die Werkstatt erhaschen. «Ich hatte schon immer den Wunsch, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen», sagt Richner. Er trägt Poloshirt und Jacke mit dem Signet seiner Firma: Automobilfirma Richner AG. Sie ist in den vergangenen 20 Jahren stark gewachsen.

«Es gab nur Autos, Autos, Autos»

«Als ich 15 Jahre alt war, sagte mir mein Berufsberater, ich solle Architekt werden», erinnert sich Richner. «Damals gab es für mich aber nur eines: Autos, Autos, Autos.» Es überrascht also nicht, dass er in Wittenbach die Lehre zum Spengler absolvierte. Sein Vater habe erst keine Freude gehabt, als er nach der Lehre von dem waghalsigen Vorhaben erzählte, in Steinach die Autogarage übernehmen zu wollen. «Ich wollte mir meine Freiheit bewahren und bin einfach in die Sache reingerutscht.» Viel überlegt habe er nicht. «Ich wohnte auch noch Zuhause bei meinen Eltern und übernahm ansonsten keine Verantwortung.» Einfach drauflos, und es habe sich gelohnt, sagt Richner heute. Stolz schwingt in seiner Aussage mit und ein Blick in die Garage lässt nur vermuten, welche Arbeit hinter dem heutigen Ausmass der Firma steckt. Der Pannen- und Unfalldienst Autohilfe Ostschweiz AG mit Sitz in St. Gallen und Arbon gehört ebenfalls zu Richner. «Zugegeben, früher war es auch einfacher, als 20-Jähriger ein eigenes Business zu starten», sagt er. «Heute hätte niemand mehr den Mut, die Reparatur seines Autos einem 20-jährigen Schnösel anzuvertrauen.»

«Ich will mich bewusst zurückhalten»

Richner wollte schon immer sein eigener Chef sein, damals wie auch heute. «Ich habe acht Geschwister, davon sieben Schwestern. Sie alle arbeiten fern von der Autoindustrie.» Mit einem Geschäftspartner gäbe es irgendwann stets Differenzen und das habe er immer verhindern wollen. Und doch: Hat Richner früher alles alleine gemacht, so will er sich heute bewusst zurückhalten. «Ich lasse sein, was mir keine Freude bereitet. Ich habe gelernt, loszulassen und gewisse Arbeiten abzugeben.» Er erinnert sich an Situationen, in denen treue Mitarbeiter nach jahrelanger Zusammenarbeit abgesprungen seien, und Richner sich selbst wieder um deren Arbeit hat kümmern müssen. «In solchen Situationen falle ich vielleicht in ein Tief. Da komme ich aber schnell wieder raus, wenn ich sehe, dass der Laden einfach läuft.» Der Mut des damals 20-Jährigen hat sich ausgezahlt.

Spontanität und Risikofreude

Prahlen hat Richner nicht nötig. Lieber hält sich der Unternehmer zurück und lässt seine Arbeit für sich sprechen; seine Arbeit, die auch Hobby ist. 15 teure Autos stünden bei ihm Zuhause in der Garage, zusätzlich zu einigen anderen Modellen. «Am Wochenende fahre ich sie auch einmal aus», sagt Richner. Im selbst gebauten Haus in Steinach wohnt er mit seiner Frau und dem 11-jährigen Sohn. Richners Frau kümmert sich um die Buchhaltung für alle drei Firmen. Über die Zukunft des Sohnes mache er sich natürlich ab und zu Gedanken. «Er scheint nach mir zu schlagen. Schon jetzt hat er nur Autos im Kopf», sagt Richner und lacht. «Natürlich würde es mich freuen, wenn er einmal mein Nachfolger wäre, aber das ist überhaupt nicht zwingend.»

Über Zukünftiges macht sich Richner keine grossen Gedanken. «Für die Firma habe ich keinen längerfristigen Plan.» Spontan wie immer, so sei er eben. Wenn sich die Möglichkeit für etwas ergebe, dann sei er gewillt, Dinge zu riskieren. «Klar ist, dass ich hier feststecke. Gut, dass ich trotzdem jeden Morgen immer noch gerne zur Arbeit gehe.» Auch, wenn es für ihn keine Alternative gibt.