Mehr Zeit an der frischen Luft, das Handy daheim lassen, den Kleiderschrank ausmisten: Was sich Redaktorinnen und Redaktoren für 2020 vorgenommen haben

Handy, Päckli und mehr Bewegung Für das neue Jahr haben sich sechs Mitglieder der «Tagblatt»-Stadtredaktion etwas vorgenommen.

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Mehr Zeit an der frischen Luft verbringen.

Dieser Vorsatz scheint einfach umsetzbar zu sein im neuen Jahr. Er ist es aber nicht. Der Vorsatz bedingt ein Umdenken: Wie wird das Verhältnis zwischen Arbeitszeit und Erholung in die Balance gebracht? Denn eins ist gewiss: Die Freizeit wird auch 2020 nicht mehr. Aber sie muss mehr Qualität bekommen. Sich an der frischen Luft aufzuhalten, ist gesund. Spaziergänge mit dem Hund werden 2020 regelmässiger durchgeführt und über längere Distanzen führen. Wandern im schönen Alpstein und Brustschwimmen im Bodensee – beides kommt ebenfalls in die Agenda. Pingpong ist auch gut. Sich im temporeichen Spiel im Garten mit dem Nachwuchs messen – das lässt den Puls steigen. Velofahren ebenso.

Daniel Wirth, Leiter Stadtredaktion.

Daniel Wirth, Leiter Stadtredaktion.

Bild: Ralph Ribi

Einfach öfters draussen sein! Das ist das Ziel. Das gilt auch fürs Essen. Die Feuerschale wird im Sommer 2020 öfters in Betrieb genommen als der Herd. Draussen grillieren, statt drinnen kochen, auf der Terrasse lesen, statt in der Stube fernsehen. Schwimmen, Velofahren, Tischtennis, Wandern, Spazieren. Geht alles ohne Training. Fürs Grillieren aber braucht es eine topseriöse Vorbereitung. Das Allerwichtigste am Vorsatz ist deshalb der Kurs «Grillieren für Profis». (dwi)

Naschen!

Weniger Kilos, weniger Zigaretten, weniger Alkohol: Am Ende des Jahres mit Ausblick auf den Neuanfang sind wir ein Volk der Selbstverbesserer. Nach Tagen des (Über-)Genusses verbieten wir uns diesen im neuen Jahr. Vorerst jedenfalls. 30 bis 40 Prozent der Menschen nehmen sich gemäss Soziologen vor, 2020 etwas zu ändern. Zwei Drittel halten ihre Vorsätze nicht einmal bis Ende Januar ein.

Diana Hagmann-Bula, Redaktorin.

Diana Hagmann-Bula, Redaktorin.

Bild: Ralph Ribi

Drum: Es darf doch auch einmal mehr statt weniger sein. Und damit ist nicht mehr Sport (also wieder weniger Hüft- oder Bauchumfang) gemeint. Das kann nun verwöhnt und undankbar klingen, ist es aber nicht. Die Rede ist ja nicht von einer Weltreise oder einem neuen Auto, sondern von Weihnachtsguetzli im Sommer. Ein Mailänderli passt ganz gut zu Glace oder Melonensalat. Stattdessen fiebern wir jedes Jahr dem Dezember entgegen – und backen und naschen dann los wie die Wilden. Bis der Bauch schmerzt, wir uns fast um die letzten Krümel balgen. Natürlich ist der Backofen auch in den restlichen Monaten oft in Betrieb. Für Kuchen und Muffins, nie für Guetzli. Damit das Vorhaben im Juli zwischen Baden und Grillieren nicht vergessen geht: Der Termin ist im Kalender eingetragen. 1. Juli, Mailänderli backen, steht da. Das wird ein Fest! (dbu)

Das Handy daheim lassen

Sie sind überall: die vom Handy abgelenkten Zeitgenossen. Da sind Autofahrer, die nicht merken, dass das Lichtsignal auf grün geschaltet hat. Da sind Fussgänger, die auf die Strasse torkeln, ohne links und rechts zu schauen, weil sie auf den Bildschirm starren. Fotografieren zur Selbstdarstellung, Schrittzähler, zwischendrin Schlagzeilen und Katzenvideos. Das Handy ist allgegenwärtig. Und der Umweltaspekt erst: Smartphones und die Digitalindustrie verbrauchen doppelt so viel CO2 wie all unsere Flugreisen. Verrückt. Doch das hier soll nicht ein Lamento über die Mobiltelefone werden, sondern ein Vorsatz ...

Sandro Büchler, Redaktor.

Sandro Büchler, Redaktor.

Bild: Ralph Ribi

Letzthin habe ich eine alte Dame gefragt, was sie an der heutigen Gesellschaft befremdet. «Im Zug unterhält sich niemand mehr. Alle blicken nur auf ihr Handy», meinte sie. Früher habe man mit den Menschen geredet. Und daraus lässt sich ein Vorsatz entwickeln: Nämlich das Handy für einmal zu Hause zu lassen, um sich bei einem Essen voll und ganz aufs Gegenüber zu konzentrieren. In den Ferien Geräuschen und Düften mehr Beachtung schenken. Und sich vornehmen, im Zug ein Gespräch mit einer wildfremden Person zu beginnen. Einsteigen kann man mit einer Bemerkung über unser ambivalentes Verhältnis zum Handy. (sab)

Weniger Abfall braucht die Welt!

Über der Gurkenschale eine Schicht Cellophan, das Wegwerf-Nastüechli im Plastikpäckli und jedes Weihnachtsschöggeli einzeln eingeschweisst – das braucht doch wirklich niemand. Drum lautet die Devise für 2020, einen kleineren Abfallberg auf dieser Welt zu hinterlassen. Damit entfällt – so die Hoffnung – sogar der eine oder andere ungeliebte Gang zum Unterflurcontainer. Auch wenn es auf der Kommandobrücke des Kehrichtheizkraftwerks vielleicht ein, zwei Sorgenfalten mehr gibt, weil der Brennstoff für die Fernwärme knapp wird.

Johannes Wey, Leiter Gossau/Region St.Gallen.

Johannes Wey, Leiter Gossau/Region St.Gallen.

Bild: Ralph Ribi

Seit kurzem wird einem der Verzicht auf unnötige Verpackungen in St.Gallen noch etwas einfacher gemacht: mit einem neuen Unverpackt-Laden. Im Jahr 2020 heisst es also doppelt studieren für halb so viel Abfall. Vor dem Einkaufen neben dem Poschtizettel auch genügend Büchsen, Säckli und Tupper einpacken. Und wenn es doch einmal ein Glas Essiggurken gibt, schenkt man diesem ein zweites Leben, um darin beim nächsten Mal den Risottoreis nach Hause zu tragen. Das Nastüechli wurde ohnehin schon durch einen Schnoderlompe ersetzt. Den Vorsatz mit dem Mehrweg-Ohrenstäbchen kann man sich ja für übernächstes Jahr aufsparen. (jw)

Der Kleiderschrank wird ausgemistet

Keine oder zumindest weniger Zalando-Päckli – allzu lange hat dieser Neujahrsvorsatz nicht gehalten. Bereits nach zwei Monaten stapelten sich 2019 die Bestellungen wieder. Hier ein Schuh, dort ein Mantel. Nach weiteren Kaufsuchtanfällen – on- und offline – folgte die Erkenntnis: Genug ist genug. Was zu viel ist, ist zu viel. Die Kommoden platzen aus allen Nähten (die Schubladen lassen sich nur noch mit Gewalt aufreissen) und zwischen den Bügeln an den Kleiderstangen hat es nicht einen Millimeter Luft. Und all die modischen Stücke kann man ja auch gar nicht mehr tragen. Der neue Lederrock? Einmal angezogen. Die glitzernde Paillettenbluse? Noch gar nie.

Perrine Woodtli, Redaktorin.

Perrine Woodtli, Redaktorin.

Bild: Ralph Ribi

2020 soll’s nun weniger werden. Der Kleiderberg wird ausgemistet. Was ewig nicht getragen wurde, fällt raus. Gönne ich mir ab und zu bewusst ein neues Teil, kommt ein altes in die Kleidersammlung, auf den Flohmarkt oder in den Schrank einer Freundin. Fashionblogger versprechen: Verzicht macht glücklicher. Mission «Minimalismus im Kleiderschrank» kann also starten. Der erste Schritt in die richtige Richtung ist bereits vollbracht: Soeben wurde die Zalando-App gelöscht. Vielleicht ein kleiner Schritt für die meisten Leserinnen und Leser, aber ein grosser für die Autorin. (woo)

Mehr Ruhe und mehr Überblick

Weniger Hektik, mehr Ruhe in den Alltag bringen, sich nicht wegen Dingen aufregen, die man auf die Schnelle nicht ändern kann. Das ist doch ein schöner Vorsatz für einen aus der unruhigen Zunft der rasenden Lokalschreiberlinge. Mehr Ruhe und damit auch mehr Überblick im Redaktionsalltag: Schaden kann das nie in Zeiten, in denen auf allen Kanälen der Social Media jedes Mücklein zum Elefanten aufgeblasen wird und in denen sich jeder Rumpelsuri als Politexperte sieht.

Reto Voneschen, Redaktor.

Reto Voneschen, Redaktor.

Bild: Hanspeter Schiess

Als Redaktor der klassischen Tageszeitung ist man bereits zur Seriosität angehalten. Das Risiko besteht aber immer, dass man ob des Drucks, liefern zu müssen, in Hektik verfällt und bei einem Thema unkritisch mitfiebert. Und es ist immer einfacher, Kritik jener zu kolportieren, die immer alles besser wissen, als sich eine eigene Meinung zu bilden. Ganz zu schweigen davon, eine vom Mainstream abweichende Haltung öffentlich zu vertreten.

Näher am Leben, aber nicht weniger anspruchsvoll ist der zweite Vorsatz: Natürlich bleibt beim schwergewichtigen Redaktor 2020 das Gewicht ein Thema. Ohne Bewegung an frischer Luft werden die Kilos wohl nicht schmelzen. Diese Einsicht ist jetzt da. Also wird 2020 Sport getrieben. Übermorgen fange ich damit an. Ehrlich! (vre)

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