Der St.Galler Stadtrat will mehr Geld für Krippenplätze ausgeben

Der Stadtrat will Krippenplätze stärker subventionieren. Über 400 000 Franken jährlich sollen ab 2019 zusätzlich investiert werden. Denn der heutige Tagessatz deckt die Kosten der Krippen nur noch in wenigen Fällen.

Luca Ghiselli
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Immer weniger Kinderkrippen in der Stadt St. Gallen verzeichnen Gewinn. (Bild: Jil Lohse)

Immer weniger Kinderkrippen in der Stadt St. Gallen verzeichnen Gewinn. (Bild: Jil Lohse)

Wer in der Stadt St. Gallen wohnt und sein Kind in einer Krippe betreuen lässt, zahlt einen einkommensabhängigen Tarif. Von 25 bis fast 100 Franken pro Tag variiert dieser Betrag – je nachdem, wie hoch das massgebende Einkommen der Eltern ist. Der Kostendeckende Tagessatz (KDS) – jene Summe also, die ein Krippenplatz pro Tag im Schnitt kostet – liegt aktuell bei 96,90 Franken. Wer mehr verdient als 95 000 Franken jährlich, trägt diese Kosten vollumfänglich. Darunter gibt es aber verschiedene Tarifkategorien.

Damit die Kinderkrippen in der Stadt St. Gallen eine Einkommensgarantie für jeden belegten Krippenplatz haben, zahlt die Stadt die Differenz zwischen dem Elternbeitrag und dem KDS. Seit der Einführung dieses Subventionierungsmodells vor 15 Jahren wurde der KDS immer wieder angepasst, und zwar immer nach oben. Das soll bald wieder passieren.

Der Kostendeckende Tagessatz steigt und steigt

Der Stadtrat hat dem Parlament eine entsprechende Vorlage unterbreitet. Sie beantragt, den jährlichen Subventionsbetrag für die Kinderkrippen von aktuell 6,52 Millionen Franken um 430 000 Franken zu erhöhen. Zudem soll der KDS von aktuell 96,90 Franken auf neu 110 Franken angepasst werden. Sollte das Parlament diesem Antrag folgen, würde der KDS damit über 32 Franken höher liegen als noch bei Einführung des Finanzierungsmodells 2003.

Die Gründe für die Erhöhung des Tagessatzes verortet der Stadtrat in den veränderten Rahmenbedingungen. So hat der Kanton als Bewilligungsinstanz seine Mindeststandards für Kinderkrippen per Anfang 2018 angepasst. Die umfassenden Veränderungen betreffen zum Beispiel die Anzahl Kinder, die in einer Kindertagesstätte zugelassen sind. Während diese früher vom Betreuungsmodell abhängig gemacht wurde, ist heute die «Nettospielfläche» pro Kind ausschlaggebend. Diese muss mindestens fünf Quadratmeter betragen.

Ausserdem empfiehlt der Kanton, wie auch der Branchenverband Kibesuisse, von sogenannten Pseudo-Praktika zur reinen Berufsvorbereitung abzusehen. Die Stadt unterstütze diese Empfehlung, sie habe aber Auswirkungen auf die Lohnsumme der einzelnen Kinderkrippen – und damit auch auf die Kosten, schreibt der Stadtrat. Hinzu kommen Änderungen bezüglich des Betreuungsschlüssels und die Unterscheidung zwischen unmittelbarer und mittelbarer Betreuungsarbeit.

Immer mehr Krippen schreiben Verluste

Noch vor sechs Jahren schrieben mit Ausnahme einer Kinderkrippe alle Betriebe in der Stadt Gewinn, im vergangenen Jahr war das Verhältnis nurmehr ausgeglichen: Acht Krippen verzeichneten Verluste, acht Institutionen Gewinne. Betriebe, die negativ abschlossen, kämpften mit einer tiefen Auslastung, während Betriebe mit einem Gewinn sehr gut ausgelastet waren und zusätzlich zu Elternbeiträgen und städtischer Subventionierung weitere Erträge erwirtschaften konnten.

Die Analyse aus dem vergangenen Jahr zeigt: Bei 90-prozentiger Auslastung konnte der aktuelle KDS nur bei drei Kinderkrippen die Kosten decken, bei 95-prozentiger Belegung immerhin bei sechs Krippen. Wie kann das sein? Stadträtin Sonja Lüthi erklärt auf Anfrage: «Die aktuelle Berechnung des KDS wird mit einer Auslastung von 93 Prozent gemacht.» Das entspreche der durchschnittlichen Auslastung von Kinderkrippen in den vergangenen drei Jahren. «Bei den Berechnungen 2011 hingegen wurde von einer Auslastung von 90 Prozent ausgegangen, da der Kanton damals ausführte, dass eine höhere Auslastung gar nicht möglich sei.»

Aufhebung des Kontingents hat keinen Einfluss auf Tagessatz

Eine Neuerung, welche den St. Galler Krippenmarkt stark betraf, hat aber keinen Einfluss auf den Kostendeckenden Tagessatz: Vor knapp einem Jahr hat das Stadtparlament nämlich die Kontingentierung der subventionierten Krippenplätze aufgehoben. Das heisst: Wurde bis Ende 2017 nur eine beschränkte Anzahl Krippenplätze von der Stadt St. Gallen subventioniert, nämlich 330, ist diese Zahl nun nach oben offen – je nach Bedarf.

Seit der Aufhebung hat sich das in den ersten beiden Quartalen 2018 bereits bemerkbar gemacht: Rund 580 öffentliche Krippenplätze stehen derzeit zur Verfügung, rund drei Viertel davon, etwa 440 Plätze, werden auch von der Stadt subventioniert. «Die Aufhebung der Kontingentierung hat aber keinen Einfluss auf die Anpassung des KDS», sagt Lüthi. Bei jenen Krippen, welche eine zu tiefe Auslastung aufweisen, sei auch der angepasste Tagessatz nicht kostendeckend. «Es ist Aufgabe der Krippen, eine möglichst hohe Auslastung zu erreichen.»