Der neue Leiter des Männerheims will mehr Normalität für die Bewohner

Urs Meier-Zwingli ist der neue Leiter des Männerheims Hasenberg in Waldkirch. Derzeit steht die Anpassung der Wohnformen im Zentrum seiner Arbeit – und damit stellt er sich einigen Herausforderungen.

Manuela Bruhin
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Urs Meier-Zwingli vor dem Wohnheim Hasenberg in Waldkirch. (Bild: Benjamin Manser)

Urs Meier-Zwingli vor dem Wohnheim Hasenberg in Waldkirch. (Bild: Benjamin Manser)

Während es draussen dunkel und trist ist, sitzen einige Männer im Eingangsbereich des «Hasenberg» in Waldkirch zusammen, reden und trinken etwas. Im Hintergrund, hell erleuchtet, steht ein grosser Christbaum, zusammengesetzt aus Brennholz, bereits festlich dekoriert. Dem Besucher bietet sich ein heimeliges Bild an diesem Abend bei der Stiftung Heilsarmee. «Die Spaltung des Brennholzes ist gleichzeitig eines unserer Spezialitäten», erklärt Urs Meier-Zwingli nicht ohne Stolz.

Vor rund drei Monaten hat er das Amt des Institutionsleiters übernommen. Und schätzt dabei vor allem die Arbeit mit Menschen – seien dies Mitarbeiter oder auch Bewohner. «Ich habe Menschen einfach gern», fasst er zusammen.

Individueller auf Bewohner eingehen

Bereits in einer seiner früheren Funktionen arbeitete Urs Meier-Zwingli in einem Männerheim in Greifensee. Die Arbeit ist ihm also grundsätzlich vertraut. «Ein wenig fühlt es sich wie ein Déjà-vu an», sagt er. Und trotzdem seien die Menschen, Bewohner und Mitarbeiter allesamt unterschiedlich. Dies sei Herausforderung wie auch Motivationsgrund zugleich für seine Tätigkeit. Waren es früher insbesondere Männer mit Alkoholproblemen, die im «Hasenberg» untergebracht wurden, arbeite man heute eng mit psychiatrischen Einrichtungen zusammen. «Die Bedürfnisse haben sich verändert», so Meier-Zwingli. Heute werde schneller eine Anschlusslösung gesucht, man müsse deshalb besser und individueller auf die Bewohner eingehen können. Meist sind es psychische Probleme, die ihnen zu schaffen machen.

Komplexe Krankheitsbilder

Um diese Herausforderung zu meistern, wurden nun die Wohnmodelle angepasst. Es wird nebst dem bisherigen Einzelzimmerangebot zwischen einer internen Wohngruppe, Wohnstudios und externen Wohnungen mit fachlicher Unterstützung unterschieden. «Uns ist es ein Anliegen, durchlässiger zu werden», sagt Meier-Zwingli weiter. Ausserdem soll die Selbstständigkeit der einzelnen Bewohner gefördert werden. Denn dies, so Meier-Zwingli, schaffe wiederum Selbstvertrauen.

Das psychische Krankheitsbild der rund 40 Bewohner erweise sich derweil als komplex. Meist können sie nicht von morgens bis abends einer Beschäftigung nachgehen, und genau darauf reagiere man im «Hasenberg». So unterschiedlich die Hintergründe seien, eines wolle man auf alle Fälle erreichen: Normalität. «Diese Herausforderung hat mich an meiner neuen Funktion gereizt», sagt Meier-Zwingli.

Der Arbeitskontext erweise sich als spannend. Auch wenn man sich immer wieder neu darauf einlassen müsse. Kraft- und Ausgleichsort sei deshalb in erster Linie seine Familie mit den drei Kindern, sagt er. «Aber auch die Bewegung in der Natur, gerade jetzt im Winter, gibt mir viel zurück.»

Mehr Arbeitsplätze schaffen

Dieser Kraftausgleich dürfte sich auch künftig als wichtig erweisen. Denn es warten weitere Herausforderungen auf den neuen Institutionsleiter des Wohnheims. Die neuen Wohnformen müssen umgesetzt und gefestigt sowie neue Perspektiven angestrebt werden. «Wir befinden uns ausserhalb des Dorfs und verfügen über ein reichliches Platz- und Landangebot», sagt Meier-Zwingli. Man wolle eine Attraktivitätssteigerung erreichen und sich allenfalls neu mit weiteren Arbeitsplätzen positionieren. «Der Hasenberg hat noch viel Potenzial, und das will ich auf jeden Fall nutzen.»