Mehr Littering während Lockdown – St.Galler Gemeinden kämpfen gegen Abfallsünder: «An Scherben und Büchsen können sich Kinder, Hunde und Wildtiere verletzen»

In diesem Frühling wird vielerorts mehr Abfall liegengelassen. Der Aufwand für Gemeinden wie Wittenbach, Gaiserwald oder Häggenschwil ist gross.

Leoni Noger
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Littering bei einer Feuerstelle im Wald bei Wittenbach.

Littering bei einer Feuerstelle im Wald bei Wittenbach.

Bild: PD

Sobald die Temperaturen steigen und die Sonne scheint, zieht es die Menschen nach draussen. So war es auch in den vergangenen Wochen, Lockdown hin oder her. Doch die Möglichkeiten, wo man in diesem speziellen Frühling hingehen konnte, waren beschränkt. Viele zog es deshalb in die nahe Natur – mit manchmal nicht so schönen Folgen: Immer wieder wird Abfall einfach liegengelassen.

Kürzlich löste ein Litteringbild vom Bauernhof Notkersegg in St.Gallen in den sozialen Medien Empörung aus. Doch auch andernorts wurden an Feuerstellen und Flussufern in letzter Zeit öfters leere Bierflaschen, Dosen, Plastiksäcke und anderer Abfall gefunden, wie eine Umfrage bei einigen Gemeinden zeigt.

Nicht nur unschön, sondern auch gefährlich

Die Gemeinde Wittenbach berichtete kürzlich in ihrem Mitteilungsblatt von übermässigem Littering. Das hat einen grossen Mehraufwand und somit auch Mehrkosten zur Folge, wie Isabel Niedermann, Kommunikationsbeauftragte der Gemeindeverwaltung, sagt. «Littering ist ein respektloses Verhalten und kann andere dazu animieren, den Abfall ebenfalls einfach liegen zu lassen.» Abfälle an Feuerstellen und am Sitterufer sind aber nicht nur unschön anzusehen, sondern können auch gefährlich sein. Niedermann sagt:

«An Scherben und Blechbüchsen können sich Kinder, Hunde und Wildtiere verletzen.»

Natürlich betreffe Littering auch andere Orte wie Weiden, wo Nutztiere verletzt werden könnten.

Im Kanton St.Gallen können für das Wegwerfen oder Zurücklassen von Kleinabfällen Bussen ausgesprochen werden. In Wittenbach setzt man aber auch auf andere Strategien, um dem Littering vorzubeugen. «Die Jugendarbeit ist unterwegs und sensibilisiert die jungen Leute für ein verantwortungsvolles Verhalten im öffentlichen Raum», sagt Niedermann. Zudem hat die Gemeinde den Auftrag des Ordnungsdienstes erweitert, der eigentlich engagiert wurde, um zu überprüfen, ob die Coronamassnahmen eingehalten werden. Er kontrolliert nun auch regelmässig die öffentlichen Feuerstellen. Trotzdem ist laut Niedermann der Aufwand für die Räumungsarbeiten weiterhin hoch.

Tragtaschen voller Abfall werden liegengelassen

Auch Thomas Meyer, Leiter des Bauamts in Gaiserwald, bestätigt, dass es in letzter Zeit vermehrt Probleme mit Littering an der Sitter und an Grillstellen gegeben habe. «Dass bereits um diese Jahreszeit so viel Abfall liegen gelassen wird, fällt besonders auf, aber es hat vor allem mit dem schönen Wetter zu tun», sagt er.

Was die Aussenbauamtsmitarbeiter in der Gemeinde häufig antreffen, sind Tragtaschen voller Abfall, die neben öffentlichen Abfallkübeln oder Robidogbehältern deponiert werden. «Den Abfall gar nicht einzusammeln, ist sicher schlimmer», sagt Meyer. Trotzdem: «Wenn Vögel oder Füchse die deponierten Abfälle finden, bevor der Abfalldienst vorbeikommt, dann ist der Abfall einfach dort verstreut.»

Das Problem von gefüllten Taschen neben den Abfallkübeln kennt man auch in Häggenschwil, wie Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring sagt. Demnächst sollen im Wald Blauhölzli Schilder angebracht werden, um die Leute dazu zu animieren, ihre Abfälle wieder mit nach Hause zu nehmen. «Die Schilder sind nicht als Verbotsschilder, sondern als Aufmunterung zu verstehen», sagt Eisenring. Doch im Grossen und Ganzen halte sich das Littering in Häggenschwil in Grenzen. «Die meisten Leute gehen völlig anständig mit dem Abfall um.» Nur ein paar wenige würden ihn liegen lassen, so Eisenring. «Es sind nicht alle gleich gut erzogen.»