Tourismus
Gemeinden verdoppeln ihre Zuschüsse für den regionalen Werbetopf: Touristen sollen für einen Aufenthalt in der Region Rorschach motiviert werden.

Parallel zur Schliessung der Tourist-Info in Rorschach stocken die umliegende Gemeinden ihre Beiträge für das überregionale Tourismusmarketing markant auf. Die Gemeindepräsidenten in der Region am See fordern vom Verein St.Gallen-Bodensee Tourismus dafür ein moderneres, zielgerichtetes Marketing.

Rudolf Hirtl
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Touristen sollen nicht nur durchfahren, sondern möglichst länger in der Region am See verweilen.

Touristen sollen nicht nur durchfahren, sondern möglichst länger in der Region am See verweilen.

Bild: Rudolf Hirtl (August 2020)

Die Tourist Information in Rorschach wird Ende Jahr geschlossen. Mit dem Wegfall der Anlaufstelle will St.Gallen-Bodensee Tourismus laut deren Direktor Thomas Kirchhofer das dezentrale Produktemanagement in der Region Rorschach forcieren.

Kostenteiler über zwanzig Jahre alt

Die Gemeinden der Region Rorschach einigten sich nun am runden Tisch bei der Vereinigung St.Galler Gemeindepräsidentinnen und Gemeindepräsidenten auf den neuen Beitragsschlüssel. Die Verantwortlichen stimmten zu, den Kostenteiler aus dem Jahr 1999 den neuen Gegebenheiten anzupassen. Heisst, die neuen Beiträge für das Tourismusmarketing sind je nach touristischer Bedeutung einer Gemeinde grösser oder kleiner.

Die Region Rorschach hat auch im Winter ihren Charme.

Die Region Rorschach hat auch im Winter ihren Charme.

Bild: Rudolf Hirtl

Als erste Gemeinde hat nun Thal seine Bereitschaft bekannt gegeben, seinen Beitrag bedeutend aufzustocken, dies nicht zuletzt deshalb, weil mit der Neuausrichtung eine breitere Abstützung der Tourismuswerbung in der Region möglich werde. So sei der Aufbau von lokalen «Info-Points» unter anderem auch in Altenrhein vorgesehen. «Mit diesem Schritt können Angebote in der Region besser vermarktet und Touristen sowie Gäste besser und näher an die lokalen Angebote herangeführt werden», zeigt sich der Gemeinderat überzeugt.

Felix Wüst, Gemeindepräsident Thal

Felix Wüst, Gemeindepräsident Thal

Bild: Christof Sonderegger

Die Vorzüge der Region am See sichtbar machen

Gemeindepräsident Felix Wüst konkretisiert auf Anfrage, dass Thal neu 15'000 statt der bisherigen 8000 Franken jährlich in den regionalen Tourismustopf einzahle. Die grundsätzliche Idee sei es, mehr Gäste dazu zu bewegen, in der weiteren Region zu übernachten und hier auch mehr Geld auszugeben. Reicht es aber aus, an ein paar Orten Informationstafeln zu platzieren? «Wir stehen erst am Anfang des ganzen Projektes. Wie und was genau gemacht wird, um auf die Vorzüge der Region am See aufmerksam zu machen, muss nun zuerst erarbeitet werden», sagt Wüst dazu.

Besser auf die vielfältigen Möglichkeiten hinweisen

Wesentlich sei, eine gemeinsame und vor allem auch koordinierte Strategie für die gesamte Region zu entwickeln. Wie es nun ja auch gemacht werde. Damit vermehrt vom Tourismus in der Region Rorschach gesprochen werde, müssten die attraktivsten Angebote weitum bekannt und auch sichtbar sein. Wer beispielsweise in Staad sei, der müsse mit einem Blick sehen, dass er verschiedenste Möglichkeiten habe, die weitere Region zu erkunden. Ob das nun eine Schifffahrt nach Romanshorn, eine Bahnfahrt nach Heiden oder eine Wanderung auf die umliegenden Hügel sei. Wüst sagt:

«Wir müssen über die Gemeindegrenzen hinaus denken, wenn wir dieses Projekt realisieren. Also ein Miteinander und kein Einzelgang»,

Die Nachbarkantone mit ins Boot holen

Beat Hirs, Gemeindepräsident Rorschacherberg

Beat Hirs, Gemeindepräsident Rorschacherberg

Bild: Benjamin Manser

Auch der Gemeinderat Rorschacherberg hat sich bei seiner Sitzung vom Dienstag mit dieser Materie befasst. Laut Gemeindepräsident Beat Hirs hat der Rat einer Erhöhung des jährlichen Beitrages von 9450 auf 15'000 Franken zugestimmt. Welche Leistungen er dafür bei St. Gallen-Bodensee Tourismus einfordere, werde der Rat erst noch formulieren. Das touristische Gebiet am See erstrecke sich von Rheineck bis nach St. Gallen, wobei Angebote und touristische Bedeutung je nach Gemeinde unterschiedlich seien. «Es braucht ein Dach für die Koordination der Angebote in der ganzen Region», sagt Hirs. Dabei sei es wichtig, auch mit den angrenzenden Kantonen Appenzell und Thurgau zusammenzuarbeiten.

Beste Werbung für die Region: Anlässe wie das Internationale Sandskulpturen-Festival bringen Rorschach auf die Bildschirme vieler ausländischer TV-Stationen.

Beste Werbung für die Region: Anlässe wie das Internationale Sandskulpturen-Festival bringen Rorschach auf die Bildschirme vieler ausländischer TV-Stationen.

Bild: Rudolf Hirtl (September 2018)

Wertschöpfung abseits vom Tourismus

Auch Beat Hirs betont, dass St. Gallen-Bodensee Tourismus erst ausarbeiten müsse, wie die hiesige Tourismusregion von in- und ausländischen Gästen besser wahrgenommen werden könnte. Wichtig sei, wie erwähnt, dass dies abgestimmt und wie aus einen Guss geschehe. Der Gemeindepräsident nennt als gutes Beispiel die beiden Appenzell, die ihre touristischen Vorzüge ausgezeichnet vermarkten würden. Nicht zu unterschätzen sei auch, welche Wertschöpfung der Tourismus bringe. In der Gemeinde Rorschacherberg sei diese beispielsweise nicht nur auf eine Hotelübernachtung zu reduzieren. Auch Zulieferer und Handel würden davon profitieren.

Die Stadtkasse wird entlastet

Dominik Gemperli, Gemeindepräsident Goldach

Dominik Gemperli, Gemeindepräsident Goldach

Bild: Ralph Ribi

Für Goldach gehe es in erster Linie darum, die Stadt Rorschach zu entlasten, die bis anhin finanziell am meisten an das Tourismusmarketing der Region beigetragen habe, sagt Gemeindepräsident Dominik Gemperli. «Wir wissen ja noch nicht konkret, was mit dem Geld passiert. Es muss damit aber etwas gemacht werden, das einen Mehrwert für die Region am See bringt», betont Gemperli. Gut sei zweifellos, wenn das Projekt gemeinsam und koordiniert von St. Gallen-Bodensee Tourismus umgesetzt werde.

Goldach zahlt neu 11'000 statt wie bisher 8000 Franken. Die Stadt Rorschach zahlte bisher jährlich 65'000 Franken, dieses Jahr mit 95'000 einmalig etwas mehr und künftig werden es noch knapp 29'000 Franken sein.

Tübach liegt die Region am Herzen

Michael Goette, Gemeindepräsident Tübach

Michael Goette, Gemeindepräsident Tübach

Bild: Ralph Ribi

«Wir sind touristisch gesehen ein kleiner Fisch, auch wenn wir Gästezimmer, Restaurants und die regionale Sport- und Freizeitanlage Kellen im Angebot haben», sagt Tübachs Gemeindepräsident Michael Götte mit einem Schmunzeln. Der Gemeinderat habe bisher aus Solidarität jährlich einen Beitrag für den Tourismus gesprochen. Und auch die Verdoppelung neu auf 3000 Franken sei ein Zeichen dafür, dass Tübach die Region am Herzen liege. Das nun gemeinsame, koordinierte Vorgehen begrüsse er.