«Mehr Belastung durch Elektrosmog für Menschen, Tiere und die Umwelt»: Demonstranten fordern in St.Gallen einen Marschhalt von 5G

Am Internationalen Protesttag gegen die Einführung von 5G sind am Samstag auch in St.Gallen rund 150 Mobilfunkgegner durch die Altstadt gezogen. In Sprechchören und auf Transparenten forderten sie, 5G zu stoppen, «für uns und unsere Umwelt».

Marion Loher
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Ralph Ribi

Johannes Brändli, besser bekannt unter dem Künstlernamen Fuocolino, nimmt seine Gitarre und singt: «Alles, was wir wollen, ist ein Leben ohne 5G.» Mit diesem selbst komponierten Lied stimmt der Liedermacher aus Wolfhalden die Mobilfunkgegner auf den bevorstehenden Protestmarsch ein. «Alles, was wir sagen ist, 5G ist zu viel», singt er. Es wird geklatscht, einige summen mit.

Etwa 150 Frauen, Männer und Kinder haben sich am Samstag trotz eisig-kaltem Winterwetter auf dem Blumenmarkt versammelt, um gemeinsam gegen die Einführung der neuen Mobilfunktechnologie 5G zu demonstrieren. Die Protestteilnehmerinnen und -teilnehmer sind gut vorbereitet: Sie haben bunte Plakate gestaltet, auf denen es beispielsweise «5G ist ein Verbrechen gegen Mensch und Tier» oder «Mobilfunktechnologie macht uns krank» heisst, sie haben Sprechgesänge einstudiert und Flyer gedruckt. «Das Thema ist aktuell wie nie», sagt eine Frau, die an der Demonstration teilnimmt.

«Wir müssen jetzt aufstehen und uns dagegen wehren, bevor die Schäden noch grössere Dimensionen annehmen.»

Ein junges Paar aus der Region St.Gallen will ebenfalls nicht mehr tatenlos zusehen, wie die Strahlenbelastung «steigt und steigt». Es hält ein Transparent hoch, auf dem geschrieben steht: «Mensch- und Umweltversuche sind Faschismus».

«Brutale Fehlentwicklung»

Die St.Galler Kundgebung war keine Einzelaktion, sondern Teil einer internationalen Bewegung. Schweizweit haben in 15 weiteren Städten wie Zürich, Bern und Basel Protestaktionen stattgefunden. Jene in St.Gallen hat die Interessengemeinschaft Mobilfunk mit Mass organisiert.
Die IG setzt sich für eine Verbesserung der Lebensqualität in der Stadt und der Umgebung in Bezug auf die Belastung durch Mobilfunktechnologien ein.

Zu Beginn der Veranstaltung sagt IG-Präsident Hansueli Stettler: «Immer schneller, immer mehr, das ist 5G – und 5G ist eindeutig zu viel.» Die neue Technologie bedeute punktuell stärkere Antennen und damit mehr Belastung durch Elektrosmog für Menschen, Tiere und die Umwelt. «Die ganze Verfunkerei wollen wir nicht und ist auch nicht nötig, denn wir haben ja das Glasfasernetz.» 5G diene zudem vielmehr dem Sammeln von Daten und der Überwachung. «Dieses Datensammeln braucht sehr viel Energie und das ist schlecht fürs Klima», so der Mobilfunk-Kritiker. Alles in allem sei das Ganze eine «brutale Fehlentwicklung».

Die «neuralgischen» Orte

Insbesondere im innerstädtischen Bereich sei die Belastung «extrem hoch», sagt Stettler. «Gerade hier auf dem Blumenmarkt sind wir den Strahlen ausgesetzt.» Er dreht sich um und zeigt auf eine Antenne auf dem Dach eines Gebäudes.

«Genau deshalb trage ich in der Stadt einen Abschirmhelm.»

Wo es in St.Gallen seiner Meinung nach noch weitere «neuralgische» Punkte gibt, zeigt Stettler den Demonstrierenden auf dem Rundgang durch die Altstadt. So beispielsweise beim Vadian-Denkmal. «Die beiden sibirischen Linden links und rechts des Vadians werden von den Antennen auf dem Amtshaus und dem Bankgebäude bestrahlt – und das seit Jahren. Sie sterben immer mehr ab.»

Als weitere «Hotspots» bezeichnet er den Bärenplatz, den Bahnhofsbereich und die Rondelle bei der Lokremise. «Hier ist die Belastung sehr hoch, da die Glasscheiben die Strahlen der umliegenden Antennen reflektieren», sagt Stettler und hält, quasi als Beweis, das Mikrofon an sein mitgebrachtes Messgerät. Ein grelles Pfeifen ertönt. «Jemandem mit Herzproblemen würde ich nicht empfehlen, sich hier lange aufzuhalten.»

Hansueli Stettler zeigt mit einem Messgerät die Strahlenbelastung in der Marktgasse.

Hansueli Stettler zeigt mit einem Messgerät die Strahlenbelastung in der Marktgasse.

Ralph Ribi

Auf dem Weg zurück zum Blumenmarkt macht die Gruppe Halt beim Mammutbaum an der Rosenbergstrasse, vis-à-vis der Villa Wiesental. «Der Baum ist etwa 130 Jahre alt und vor allem im Frühling sind die Schäden in der Baumkrone, in jenem Teil, der nicht durch die Villa geschützt ist, deutlich sichtbar. Die Äste sind geschwächt und verkümmern langsam.» Stettler ist überzeugt, dies seien die Auswirkungen der jahrelangen Strahlenbelastung durch die Antenne auf dem «St.Leopard»-Haus.

Vorsorglicher Schutz gefordert

Auf dem einstündigen Marsch durch die Innenstadt machen die Demonstrierenden, angeführt von Stettler und Liedermacher Fuocolino, lautstark auf ihr Anliegen aufmerksam. Sie skandieren Parolen wie «Mensch und Umwelt schützen – stoppt 5G» oder «Wir sind keine Versuchskaninchen – stoppt 5G». Immer wieder bleiben Passanten stehen und beobachten das Treiben neugierig. Während die einen ihre Unterstützung mit Klatschen zeigen, zucken die anderen desinteressiert mit den Schultern.

Mit der Protestaktion fordern die 5G-Gegner einen vorsorglichen Schutz der Bevölkerung von heute und der Generationen von Morgen und damit einen Marschhalt von 5G. «Wir tragen Verantwortung – nicht nur gegenüber uns Menschen, sondern auch gegenüber den Tieren und unserem Planeten», sagt ein Teilnehmer.

Rund 150 Personen nahmen an der Demonstration und dem Rundgang durch die Stadt teil.

Rund 150 Personen nahmen an der Demonstration und dem Rundgang durch die Stadt teil.

Ralph Ribi
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