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St. Galler Fasnacht: Schnitzelbänkler Martin Gehrer hat ausgelästert

Über 1000 Auftritte hat Martin Gehrer als Lästerzunge an der St. Galler Fasnacht hinter sich. In diesem Jahr trägt er seine letzten Verse vor. Und lästert dabei nochmals, was das Zeug hält.
Christoph Renn
Nach 27 Jahren als Lästerzunge ist Schluss für Martin Gehrer (rechts im Bild). Seit fünf Jahren ist er mit seinem Sohn Cyril unterwegs. (Bild: Ralph Ribi (9. Februar 2016))

Nach 27 Jahren als Lästerzunge ist Schluss für Martin Gehrer (rechts im Bild). Seit fünf Jahren ist er mit seinem Sohn Cyril unterwegs. (Bild: Ralph Ribi (9. Februar 2016))

«Danke, schö gsi, tschüss. Da wär’s!» Nach 27 Jahren verabschiedet sich die Lästerzunge Martin Gehrer mit einem Abschiedsvers als Schnitzelbänkler. Zusammen mit seinem Sohn Cyril zieht er zum letzten Mal als Lästerzungen verkleidet und mit präparierten Zeitungen ausgerüstet in den St. Galler Fasnachtsbeizen über lokale Politiker und andere Persönlichkeiten her. «Einmal ist Schluss. Cyril möchte während der Fasnacht nicht mehr von Beiz zu Beiz ziehen, sondern selber als Gast in irgendeinem Lokal die Aufritte der Schnitzelbänkler geniessen», sagt der Altregierungsrat. Und solo wolle er nicht mehr starten. Deshalb habe er entschieden, seine Lästerzunge nach der diesjährigen Fasnacht in den Ruhestand zu schicken. «Dazu haben wir speziell einen letzten Spruch verfasst.»

Begonnen hat Gehrers Abenteuer als Schnitzelbänkler 1992. Mit seinem Bruder Leo ist er bis 2004 als Duo aufgetreten. Die Bezeichnung Lästerzunge entlehnten sie dem gleichnamigen Gedicht des französischen Dichters François Villon. Die Zunge steht für angriffige Schärfe, Lästern für breite Aufmerksamkeit. Nach den Jahren mit seinem Bruder folgten bis 2007 Solo-Auftritte, bevor Gehrer wieder mit seinem Bruder bis 2014 Verse vorgetragen hat. Seit 2015 ist er mit seinem Sohn Cyril an der Fasnacht unterwegs. «Wir sind ein eingespieltes Team.» Anfangs – noch mit seinem Bruder Leo – sei er der freche Lästerer gewesen. Später entwickelte sich ein freches Hin und Her.

«Selbstironie gehört dazu»

Der Anfang als Lästerzungen fiel den Brüdern nicht schwer. «Es hat zwar etwas Mut gebraucht. Aber wir sagten uns: ‹Wenn das andere können, versuchen wir das auch!›», erinnert sich Martin Gehrer. Doch zuerst mussten sie sich finden und spüren, was beim Publikum ankommt. Sie verfolgten dabei zwei klare Regeln. «Vor allem als Politiker gehört eine grosse Portion Selbstironie dazu.» So waren immer auch seine Partei, die CVP und er selbst Zielscheibe der Verse der Lästerzungen. «Wir haben uns selbst nicht verschont.» Doch sei ihnen stets wichtig gewesen, dass ihre Sprüche niemals verletzend wirkten oder gar unter die Gürtellinie gingen.

Den ersten Auftritt hatten die Lästerzungen Leo und Martin Gehrer 1992. Hier an der Fasnacht 2014. (Bild: Luca Linder (27. Februar 2014))

Den ersten Auftritt hatten die Lästerzungen Leo und Martin Gehrer 1992. Hier an der Fasnacht 2014. (Bild: Luca Linder (27. Februar 2014))

Einmal enervierte sich aber eine Frau über den Inhalt eines Verses. «Bei einem Experiment an der Kanti gab es eine kleine Explosion und zwei Schüler verletzten sich dabei leicht», erinnert sich Gehrer. «Wir witzelten, dass die Lehrer ihre Schüler nicht mehr im Griff hätten.» Nachdem die Frau ihren Unmut geäussert habe, hätten sie den Vers aber aus ihrem Programm genommen.

Handy-Verse sind der Dauerbrenner

An eine Fasnacht erinnert sich Martin Gehrer besonders. Das ist jene von 2014, als er und sein Bruder Leo sich das letzte Mal gemeinsam als Versli-Schmiede betätigten. «Es hat mich dabei sehr gefreut zu sehen, wie er vom Pub­likum in den Beizen verabschiedet wurde, und gleichzeitig zu erleben, dass die Lästerzungen den Gästen jeweils viel Freude bereiteten.»

Ein Thema der Lästerzungen gefällt Martin Gehrer besonders. Es begleitet ihn seit 15 Jahren an der Fasnacht. «Die Handy-Verse haben sich zum Dauerbrenner entwickelt.» Die Einleitung bleibt dabei immer gleich:

«Chonnsch vom WC,

bisch nervös,

häsch nassi Füess

und nassi Stöss,

denn weiss i grad,

wa da bedütet:

Bim schiffe

hät dis Handy glütet.»

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