«Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Ramschwag nicht»: Burgfans haben für die Häggenschwiler Ruine über 16'000 Franken gespendet

Burgfans aus der ganzen Schweiz haben für die Ruine Ramschwag Geld gespendet. Das reicht aber noch nicht.

Melissa Müller
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Die Ruine Ramschwag muss saniert werden.

Die Ruine Ramschwag muss saniert werden.

Benjamin Manser

An der Olma drückte ein Kollege dem Häggenschwiler Gemeindepräsidenten einen Fünfliber in die Hand: «Für deine Ramschwag.» Andere spendeten eine Tausendernote, um das Wahrzeichen des Dorfs zu retten. Bis am 31. Dezember läuft das Crowd­funding für die Ruine Ramschwag. 16650 Franken sind auf der Seite lokalhelden.ch zusammengekommen. Das übertrifft das Ziel von 15 000 Franken. Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring sagt:

«Wir haben ein Etappenziel erreicht, einen weiteren Mosaikstein.»
Hans-Peter Eisenring, Gemeindepräsident von Häggenschwil.

Hans-Peter Eisenring, Gemeindepräsident von Häggenschwil.

Benjamin Manser

Mit allen Aktionen zeige der Spenden­barometer schon 73000 Franken an. Gegen 50 Privatpersonen und 20 Firmen hätten gespendet, «darunter Burgfans aus der ganzen Schweiz». Als Dankeschön erhalten sie etwa ein Sackmesser oder eine Einladung zur Ruine. Dort erzählt Eisenring dann bei Wurst und Bier blutige Geschichten über die Raubritter. «Sie herrschten erbarmungslos, äscherten 1271 Bischofszell ein und setzten auch Appenzell in Brand.» Der Kampfgeist der Burgritter schlummere heute noch in der Bevölkerung, meint Eisenring und spielt damit auf die Privatisierung der Oberstufe an. Als der Kanton 2010 die Schliessung beschloss, hissten die Häggenschwiler Piratenfahnen vor dem Schulhaus.

Freiwillige Helfer sollen es richten

Das Crowdfunding ist aber erst ein Tropfen auf dem heissen Stein. Um den Verfall der mächtigsten Burganlage der Region Fürstenland zu stoppen, sind 800000 Franken nötig. Einen Teil würden Bund und Kanton zahlen; gegen 300000 Franken müsste die Gemeinde tragen. Eisenring will die Kosten reduzieren – mit Spenden von Stiftungen und dem Einsatz von Lehrlingen, welche die Steine mit Mörtel sichern sollen. Er werde mit dem Baumeisterverband verhandeln. «Ein solches Projekt wurde im Bündnerland bereits erfolgreich durchgeführt und könnte für die Lehrlinge durchaus spannend sein.» Zudem klärt ein Ingenieurbüro ab, bei welchen Sanierungsarbeiten Freiwillige anpacken könnten. «So könnten wir voraussichtlich über 100000 Franken einsparen», rechnet Eisenring vor. Auch seien bei der Finanzierung Reserven eingeplant, die nicht so hoch sein müssten.

Benjamin Manser

Manche Häggenschwiler bezeichnen die Ruine jedoch als «alten Steinhaufen», für den sie keinen Rappen hergeben würden. Das sieht der Gemeindepräsident anders:

«Es gibt weit und breit keine vergleichbare Ruine.»

Er erwähnt den begehbaren Turm, die Feuerstelle und das Burggelände, das früher von einem Wassergraben umgeben war. Da die Ruine unter nationalem Schutz stehe, müsse die Gemeinde ihre Hausaufgaben machen und das bedeutende Kulturgut für die nächsten Generationen erhalten.

Warum der Präsident sein Herz an die Ruine hängt

Auch aus persönlichen Gründen hängt Eisenring an der Ruine: «Ich habe meine halbe Jugend dort verbracht», sagt der 63-Jährige, der in den 1970er-Jahren in der Tanzmusikgruppe «Ramschwag Buebe» in die Gitarrensaiten griff. Nur noch bis Ende 2020 im Amt, will er der Bevölkerung den Kredit für die Sanierung wenn möglich im neuen Jahr vorlegen. Stimmt sie zu, könnten die Bauarbeiten noch 2020 beginnen.

Obschon die Gemäuer bröckeln, könne man die Ruine gefahrlos besichtigen. Ein Rundweg sei in Planung. «Wir müssen kreativ sein», sagt Eisenring. Das Gemeindeteam hat ein Adventsfenster zur Ruine gebastelt. Bei Marroni und Glühwein sangen der Gemeinderat und die Angestellten der Gemeinde das Lied: «Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Ramschwag nicht.»

Infoanlass in der Aula in ­Häggenschwil: 9.1., 19.30 Uhr

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