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Manor-Kunstpreisträger St. Gallen: Er hat den Blick fürs Unscheinbare

Der Fotograf Sebastian Stadler setzt mit seiner Kamera das Unspektakuläre in Szene. Der Manor-Kunstpreisträger ist oft auf Achse, fotografiert aus einem fahrenden Zug und richtet sich an einem Bahnhof ein Atelier ein.
Christina Weder Bruderer
Der Künstler Sebastian Stadler hat den Manor-Kunstpreis St. Gallen 2019 erhalten. (Bild: PD)

Der Künstler Sebastian Stadler hat den Manor-Kunstpreis St. Gallen 2019 erhalten. (Bild: PD)

Reisen und Zugfahren – das tut der Künstler Sebastian Stadler oft. Dazu passt seine neue Adresse. Im Bahnhofgebäude auf Perron 1 in Wil richtet er sich ein Atelier ein. Noch stehen überall Kisten herum. Tisch und Regale sollen jeden Moment geliefert werden. Zwischen Stuhl und Bank nimmt er sich Zeit für ein Gespräch.

Der 30-jährige Fotograf hat vor kurzem den Manor-Kunstpreis St.Gallen erhalten, der alle zwei Jahre verliehen wird und als einer der wichtigsten Förderpreise des zeitgenössischen Kunstschaffens gilt. Mit ihm verbunden ist eine Einzelausstellung, die der Künstler ab November 2019 im Kunstmuseum St. Gallen ausrichten wird. Dazu erscheint eine eigene Publikation. Für den gebürtigen St. Galler ist es eine spannende Herausforderung, wie er sagt.

Bruchstückhafte Eindrücke auf Stein

Schon ab Ende dieser Woche wird im Kunstmuseum St. Gallen ein Werk von Sebastian Stadler zu sehen sein. In der Ausstellung Heimspiel, die am Freitag eröffnet wird, ist er mit seiner Arbeit «Travertines» mit von der Partie. Stadler hat sie in der armenischen Stadt Yerevan geschaffen. Er hat dort vor zwei Jahren Zivildienst geleistet und ist mehrfach in die Stadt zurückgekehrt, deren Architektur von Travertin und Tuff geprägt ist. Aus einem dortigen Steinbruch stammen denn auch die Kalksteine, die Stadler lose im Ausstellungsraum auf den Boden stellt. Die Motive hat er im Siebdruckverfahren darauf angebracht: Ein paar Autoreifen am Strassenrand, ein Tongefäss, ein Mann mit Wassermelone.

Sebastian Stadlers Arbeit «Travertines» ist demnächst in der Heimspiel-Ausstellung im Kunstmuseum St. Gallen zu sehen. (Bild: PD)

Sebastian Stadlers Arbeit «Travertines» ist demnächst in der Heimspiel-Ausstellung im Kunstmuseum St. Gallen zu sehen. (Bild: PD)

Der Blick fürs Unspektakuläre ist typisch für seine filmische und fotografische Arbeit. Stadler schaut genau hin bei Dingen, die den meisten gar nicht auffallen. Er beobachtet seine Umgebung, wo immer er unterwegs ist. Er rückt Nebensächliches in den Fokus und versucht, es aus einer neuen Perspektive zu betrachten.

Fotografie ist für ihn ein «Versuch, an der gewohnten Wahrnehmung der Welt zu rütteln».

Angefangen hat alles mit einer Serie über finnische Sommerhäuser, die Stadler für seine Maturaarbeit machte. Mit dieser bewarb er sich für die Fotoklasse an der Zürcher Hochschule der Künste und wurde aufgenommen. Sein Studium setzte er in Lausanne fort. Es folgten längere Aufenthalte in Paris, Berlin und Armenien. Immer wieder reist Stadler, der in Zürich wohnt, auch in den Norden. Seine Mutter stammt aus Finnland, wo die Familie ein Sommerhäuschen besitzt – ohne elektrischen Strom und fliessend Wasser, dafür mit einer Sauna. Für Stadler ist es der perfekte Rückzugsort.

Flüchtiger Blick aus dem Zugfenster

Von seiner Kunst könne er zeitweise leben, sagt er. Doch es sei schwierig. Als Fotograf habe er den Vorteil, sein Handwerk auch für Auftragsarbeiten einzusetzen. So ist er fürs Kunstmuseum St. Gallen als Ausstellungsfotograf tätig, fotografiert für Kataloge und das Bildarchiv. Für einen Möbelhersteller ist er in den vergangenen zwei Jahren mehrmals nach Japan gereist, um dessen Produkte zu fotografieren.

Und für das Buch «Hinter den Gleisen», das sich mit der Entwicklung der Bahnhofsquartiere in Schweizer Städten befasst und nächste Woche erscheint, hat Stadler eine Bildserie gemacht. Er ist von Bahnhof zu Bahnhof gereist und hat versucht, den flüchtigen Blick aus dem Zugfenster mit der Kamera einzufangen. «Es ist meine Perspektive.» Seit kurzem zeigt er eine Auswahl der Bilder an den Fenstern des Bahnhofgebäudes in Wil.

In der heutigen Bilderflut und der Zeit der Bildbearbeitung und Bildmanipulation stellen sich ihm grundlegende Fragen seines Mediums: Wie wahr sind Bilder? Wie verändert sich die Wahrnehmung durch Bilder? Und braucht es noch Fotografen in einer Welt, in der sowieso jeder fotografieren kann? «Das interessiert mich.»

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