Maturaarbeit zu Steinach um 1900: «Die Kirche hat entschieden, wo gebaut wurde»

Bei ihrer Maturaarbeit kam Janine Popp ihrem Heimatdorf näher: Sie befasste sich mit dem Alltagsleben der Steinacherinnen und Steinacher um 1900.

Laura Manser
Drucken
Teilen
Janine Popp aus Steinach ist Schülerin am Gymnasium Untere Waid in Mörschwil. Dieses Jahr absolviert sie die Matura. (Bild: Laura Manser)

Janine Popp aus Steinach ist Schülerin am Gymnasium Untere Waid in Mörschwil. Dieses Jahr absolviert sie die Matura. (Bild: Laura Manser)

Die Maturandinnen und Maturanden des Gymnasiums Untere Waid in Mörschwil haben ihre Maturaarbeiten verfasst. Die Steinacherin Janine Popp schrieb über die sozial- und gesellschaftsgeschichtlichen Aspekte in Steinach um 1900.

Das Thema wählte Popp aufgrund ihres persönlichen Bezugs dazu: Ihre Familie wohne schon lange in Steinach und sei mit dem Dorf eng verbunden, sagt sie. «Meine Mutter ist in der Wasserversorgung und bei den Ortsbürgern, wo auch mein Grossvater war. Mein Vater ist Gemeinderat.» Eine weitere Motivation sei das diesjährige 1250-Jahr-Jubiläum von Steinach.

Vom Archiv in die Maturaarbeit

In den Sommerferien 2018 hatte die Schülerin durch Achim Schäfer, Zuständiger für eines der Teilprojekte des Steinacher Jubiläums, Zugang zum Gemeindearchiv. «Dadurch konnte ich herausfinden, ob es genug Informationen für eine Arbeit auf dieser Basis gibt», sagt Popp. Die Schwerpunkte bildeten gemäss ihrer Maturaarbeitseinführung das politische Geschehen, die ausgeübten Berufe, das Familienleben und die Rolle der Frau sowie das Vereinsleben. Danach habe sie mit der Quellensuche begonnen und diese interpretiert. 

Vor den Herbstferien war es den zukünftigen Maturandinnen und Maturanden erlaubt, eine Woche in der Schule zu schreiben. «In dieser Zeit habe ich erste Teile geschrieben und zwischendurch die Informationen sortiert.» In den Weihnachtsferien habe Popp die Arbeit fertig geschrieben. Abgabetermin war am 7. Januar. Für den Theorieteil ihrer Arbeit hat Popp viele Informationen im Internet gefunden. Andere Quellen waren diverse Bücher und die Zeitungen «Der Oberthurgauer» aus dem Arboner Museum und die «Rorschacher Zeitung» aus dem Stadtarchiv St. Gallen.

Probleme wegen Frakturschrift

Da die Zeitungen in Frakturschrift geschrieben waren, plagten die Maturandin Leseprobleme. «Ich habe mir das Fraktur-Alphabet aufgezeichnet. So konnte ich immer nachschauen, wenn ich einen Buchstaben nicht einordnen konnte.» Die zweite Hürde war die Fülle der Zeitungsberichte: «Ich fand viele spannende Artikel. Es war schwierig zu unterscheiden, welche nur interessant waren, und welche wirklich wichtig waren für meine Maturaarbeit.» Beispielsweise hat Popp bei ihrer Recherche Einsicht in das Leben ihres Urgrossvaters und ihres Grossvaters bekommen. «Davon war jedoch nicht alles relevant für meine Maturaarbeit.»

Popps Zeitungsrecherche war aufwendig: «Ich musste die Zeitungen genau durchsuchen. Fand ich einen Artikel, in dem ein Tanzabend in einem Steinacher Restaurant beschrieben wird, habe ich ihn fotografiert oder abgeschrieben. So haben sich viele Informationen angesammelt.»

Erste Vereine entstanden

Am Schluss ihrer Arbeit kam Popp zu folgenden Ergebnissen: «Die Männer haben die Frauen und ihren Wunsch, mehr Rechte zu haben, verstanden. Die Männer haben aber automatisch Begründungen dafür gesucht, dass die Frauen selber Schuld sind an ihrem Missstand», sagt Popp.

In dieser Zeit haben sich zudem viele Vereine gebildet: Die Musikgesellschaft, der Feldschützenverein, der Männerchor und der Theaterverein Alpenröschen sind einige davon. «Weil ich selber in der Musikgesellschaft Steinach spiele, hatte ich Interesse am damaligen Stellenwert der Musik», sagt Popp. Die Vereine hätten schon damals für Unterhaltung gesorgt. Da Steinach aber noch keinen Gemeindesaal besass, fanden die Aufführungen vor allem in Restaurants statt. «Steinach hatte damals rund 14 Restaurants, heute existieren bedeutend weniger.»

Die Macht der Kirche

Popp fand auch heraus, dass um 1900 viele Steinacherinnen und Steinacher katholisch waren. Die Kirche beeinflusste das Dorfleben: «Sie hat entschieden, wo die Schulen gebaut werden sollen.» Damals habe es in Steinach zwei Berufsgruppen gegeben, wobei die Arbeiter den Bauern zahlenmässig unterlegen waren. Damals sei auch die erste Lehrerin eingestellt worden. In Steinach gab es drei Schulhäuser, ein einziger Lehrer unterrichtete bis zu 60 Schüler gleichzeitig.

Dieses Jahr feiert Steinach das 1250-Jahr-Jubiläum. Dazu hat der Gemeinderat drei Teilprojekte bestimmt. Eines davon ist eine Chronik aus Geschichten, die einen Einblick in die Geschichte Steinachs geben. Auch Popp ist integriert: «Ich wurde vom Chronikverantwortlichen Achim Schäfer angefragt, eine der Geschichten zu verfassen, basierend auf meiner Maturaarbeit.»