Mann sucht in 13 Autos nach Geld und erhält 13 Monate Haft

Ein 35-Jähriger stahl aus mehreren Autos Wertsachen. Damit finanzierte er seine Drogensucht.

Claudia Schmid
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Der Beschuldigte suchte nach offenen Autotüren. Dietriche verwendete er nicht.

Der Beschuldigte suchte nach offenen Autotüren. Dietriche verwendete er nicht.

Philipp Baer

Ein Schweizer hatte es auf unverschlossene Autos abgesehen, um sie nach Bargeld zu durchsuchen. Mit den eher bescheidenen Beträgen, die er fand, kaufte er sich Drogen. Am Kreisgericht St.Gallen beteuerte er, er wolle mit dem Kapitel Sucht abschliessen und ein neues Leben beginnen.

Der Beschuldigte war zwischen März 2018 und April 2019 immer wieder in Tiefgaragen und auf Aussenparkplätzen unterwegs. Vor allem in Abtwil und der Stadt St.Gallen hielt er Ausschau nach unverschlossenen Autotüren. Oft musste er unverrichteter Dinge wieder abziehen, weil die Besitzerinnen und Besitzer ihre Fahrzeuge abgeschlossen hatten. Wo er Glück hatte, durchsuchte er das Wageninnere nach Bargeld.

Reka-Checks im Wert von 250 Franken gestohlen

Selbst bei den unverschlossenen Autos war die Beute selten üppig. Entweder fand er gar kein Bargeld oder nur Kleinstbeträge. Trotzdem stiess er in einem Auto auf 20 Franken und Reka-Checks im Wert von 250 Franken. In einem zweiten Fahrzeug fand der Beschuldigte 30 Franken und 50 Euro und in einem dritten ein Portemonnaie mit 84 Franken. Pech hatte er auf einem Parkplatz im Osten der Stadt St.Gallen. Gerade hatte er neun Franken und eine Packung Zigaretten aus einem Wagen entwendet, da wurde er vom Besitzer in flagranti erwischt. Der Mann gab das Diebesgut umgehend zurück.

Der 35-jährige Mann gab vor dem Kreisgericht St.Gallen fast alle Straftaten zu. Nur in einem Fall zeigte sich der Beschuldigte unsicher. Die Anklage warf ihm vor, er habe in einer Tiefgarage im Westen der Stadt mit einem Bündel Zeitungen versucht, die Beifahrertüre eines Autos aufzudrücken. Durch die Spannung barst die Scheibe und es entstand ein Sachschaden von 3000 Franken.

Er könne fast nicht glauben, dass er dafür verantwortlich sei, erklärte der Beschuldigte. Er sei nie mit der Absicht losgezogen, Autos aufzubrechen, sondern habe immer nur nach unverschlossenen Türen gesucht. Gleichzeitig erklärte er, dass er sich schlicht und ergreifend nicht mehr klar erinnern könne. Gegen den Mann sprach, dass auf den Zeitungen, die im Wageninnern lagen, seine DNA gefunden wurde.

Mit der Vergangenheit abschliessen

Der Beschuldigte erklärte, der Grund für seine Straftaten liege in seiner Drogensucht. Seit zehn Jahren sei er suchtkrank. Er wurde mehrmals von der Polizei in der St.Galler Innenstadt angetroffen und weggewiesen, weil er Heroin und Dormicum – ein Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine – kaufte. Letztmals wurde er im März 2018 von der Staatsanwaltschaft St.Gallen per Strafbefehl wegen Besitz und Konsum von Heroin verurteilt.

Im April 2019 war der Mann in den vorzeitigen Strafvollzug eingetreten. Das Leben im Gefängnis sei für ihn eine harte Zeit, betonte er. Jedoch ermögliche sie ihm, mit der Vergangenheit abzuschliessen. Er sei motiviert, wieder zu arbeiten und vielleicht sogar eine Lehre zu machen.

Das Kreisgericht St.Gallen verurteilte den Beschuldigten wegen gewerbsmässigen Diebstahls, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruchs, mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes und Missachtens einer polizeilichen Anordnung. Das Gericht verhängte eine Freiheitsstrafe von 13 Monaten und eine Busse von 500 Franken. Zudem ordnete es eine ambulante Massnahme an. Sie soll solange über die Dauer des Strafvollzugs hinaus dauern, solange wie sie notwendig ist.