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Alkohol für Minderjährige: Mangelnder Jugendschutz am St.Galler Stadtfest

Die Stiftung Suchthilfe war mit jungen Testkäuferinnen und -käufern am Stadtfest unterwegs. Das Ergebnis: Fast die Hälfte der Bier-, Wein- oder Longdrink-Bestellungen ist den Teenagern geglückt. Angezeigt werden die Standbetreiber trotzdem nicht.
Seraina Hess
Prost: In 48 Prozent der Alkohol-Testkäufe waren die Jugendlichen am Stadtfest erfolgreich. (Bild: Getty)

Prost: In 48 Prozent der Alkohol-Testkäufe waren die Jugendlichen am Stadtfest erfolgreich. (Bild: Getty)

Hier ein Shot, dort ein «Gummibärli». Jugendlichen Stadtfestbesuchern dürfte es am Wochenende ein Leichtes gewesen sein, an Alkohol zu gelangen. Und das ohne ältere Geschwister oder Kollegen, die bekanntlich gern die eine oder andere Runde übernehmen.

Die Stiftung Suchthilfe hat in der Altstadt insgesamt 44 Testkäufe durchgeführt. Geglückt sind diese den Teenagern beinahe jedes zweite Mal, insgesamt bei 21 Getränkeständen. Jürg Niggli, Geschäftsleiter der Stiftung, bezeichnet den Wert als überdurchschnittlich und «sehr unerfreulich». Die vier Jugendlichen waren am Freitag- und am Samstagabend zwischen 17 und 21 unterwegs, noch vor dem Grossandrang am späteren Abend. Während sich ein Zweierteam, bestehend aus unter 16-Jährigen, auf Bier- oder Weinkäufe konzentrierte, versuchten die beiden älteren Jugendlichen unter 18 Jahren, an Spirituosen zu gelangen; Getränke mit einem Mindestalkoholgehalt von 15 Volumenprozent. Wodka, Jägermeister, Whisky – was gerade angeboten wurde. Das Resultat fiel bei beiden Teams ähnlich aus: Die unter 16-Jährigen waren in 9 von 21 Fällen erfolgreich, die unter 18-Jährigen in 12 von 23.

Im Schnitt glücken drei von zehn Testkäufen

Gemäss Niggli zeichneten Testkäufe wie jene vom Wochenende ein realistisches Bild der Situation. Die von der Stiftung rekrutierten Jugendlichen seien intern geschult worden, um sich genau so zu verhalten, wie sie es auch privat täten. Die Ergebnisse der Käufe würden somit hauptsächlich vom Anlass abhängen. «Wenn der Veranstalter nicht gerade ein besonderes Augenmerk auf den Jugendschutz legt, erreichen die positiven Testkäufe immer einen Wert von mindestens 30 Prozent», sagt Niggli.

Bereits Post bekommen hätten die Veranstalter des St. Galler Fests, sagt Geschäftsleiter und Vizepräsident Bruno Bischof. «Bevor wir festlegen, wie wir weiter verfahren, müssen wir uns genau informieren und Kontakt mit den Betroffenen aufnehmen.» Auf den Jugendschutz hinweisen würden die Veranstalter des St. Galler Fests die Betriebe mit Bewilligung zum Alkoholausschank jedes Jahr aufs Neue. Halte sich jemand partout nicht daran, könne das notfalls zum Auschluss von der Teilnahme am St. Galler Fest führen, sagt Bischof.

Zur Anzeige fehlt die rechtliche Grundlage

Über ihren Fauxpas informiert wurden die jeweiligen Standbetreiber gleich nach dem Versuch von einem Mitarbeiter der Stiftung Suchthilfe. Ein sofortiges positives Feedback erhielten auch diejenigen, die sich keinen Fehltritt erlaubt und wie vorgeschrieben den Ausweis verlangt haben.

Neben einem mahnenden Brief der Stiftung bleibt der Schreck die einzige Konsequenz für Verkäufer, die sich nicht ans Gesetz halten. Denn zu einer Busse oder gar einer Anzeige kommt es nicht. Grund dafür ist die fehlende rechtliche Grundlage für Alkohol-Testkäufe, die von der Staatsanwaltschaft benötigt würde, um gegen die Standbetreiber vorzugehen. Immerhin: Einsicht hätten die meisten gezeigt, sagt Jürg Niggli. So sehr, dass einige Verkäufer den gerade ausgeschenkten Longdrink oder das Bier wieder zurückgenommen und den Testkäufern das Geld rückerstattet haben.

Eher eine Schätzung als eine Zählung

115000 Gäste haben am Wochenende das St. Galler Fest besucht. Im Vorjahr waren es 5000 weniger. Und 2013, im Rekordjahr, 35000 mehr. Nach dem Grossanlass werden immer wieder kritische Stimmen laut, die genau diese Angaben anzweifeln: Die Zählmethode am St. Galler Fest sei ungenau und eher mit einer Schätzung gleichzusetzen, zumal es keinen Ticketverkauf gibt, der Aufschluss brächte.

Stadt in Sektoren
aufgeteilt

Die Zahlen, die sowohl von den Medien als auch von der Stadt St. Gallen und der Stadtpolizei in ihren Berichten und Mitteilungen aufgegriffen werden, stammen von den Veranstaltern. Das OK misst, indem es das ganze Festgebiet in der Altstadt in Sektoren aufteilt und im jeweiligen Bereich – etwa am Bohl – um 22.30 Uhr die Besucherdichte auf einer definierten Fläche festhält. Diese wird auf die gesamte Fläche des Sektors hochgerechnet, die Zahlen aller Sektoren am Ende addiert. In der Regel beziehen sich einzelne Sektoren auf bestimmte Gassen oder Plätze der Altstadt.

Vor der Publikation des Ergebnisses spricht sich das Organisationskomitee mit der Stadtpolizei ab. Letztere führt allerdings keine eigene Zählung durch: «Für die Arbeit der Polizei ist das Endergebnis nicht relevant», sagt Mediensprecher Roman Kohler. Trotz Rücksprache sei eine Korrektur der Zahlen durch die Polizei bisher noch nie nötig gewesen, sagt OK-Chef Bruno Bischof: «Wir haben schliesslich auch kein Interesse daran, zu hohe oder zu niedrige Zahlen zu veröffentlichen.»

Polizei verzichtet 
ganz auf Zählungen

Gewünscht würden die Angaben einerseits von den Medien, andererseits von den Sponsoren. Dem Organisationskomitee dienten die Zahlen vor allem dazu, weitere Massnahmen für die nächsten Jahre auszuloten: Etwa, ob mehr WCs benötigt werden oder der bisherige Bestand genügt. Dem OK ist aber sehr wohl bewusst, dass die Angaben ungenau sind und nur einem Richtwert entsprechen. Roman Kohler von der Stadtpolizei ergänzt: «Um exakte Besucherzahlen anzugeben, wäre eine Raster-Auszählung mittels Helikopter oder Drohne nötig.»

Auf diese verzichtet die St. Galler Stadtpolizei auch an anderen Grossveranstaltungen. Wichtig sei aber, dass Veranstalter den Polizisten beim Einholen der Bewilligung mitteilen, mit welcher Anzahl Besucher zu rechnen ist – ganz gleich, ob es sich um einen Grossanlass mit über 100000 oder um eine Demonstration mit 50 Personen handelt. «Auf diese Weise können wir planen, ob es nur einen Quartierpolizisten braucht oder eben doch ein grösseres Aufgebot nötig ist», sagt Kohler. (seh)

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