«Man hat keine Sicherheit, wenn man die Flade wählt»: Eine städtische Regel verunsichert die Eltern von künftigen Oberstufenschülern

Bis im Februar müssen sich Sechstklässler für ein Oberstufenschulhaus entscheiden. Wer die Flade wählt, wählt auch Unsicherheit.

Christina Weder
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Die Buebeflade im Klosterschulhaus: Noch steht nicht fest, ob es wiederum zum Losentscheid kommt.

Die Buebeflade im Klosterschulhaus: Noch steht nicht fest, ob es wiederum zum Losentscheid kommt.

Thomas Hary

Die Sommerferien scheinen noch in weiter Ferne. Dennoch machen sich Sechstklässlerinnen und Sechstklässler in der Stadt bereits Gedanken darüber, wo sie im nächsten Schuljahr die Oberstufe besuchen werden. Bis im Februar müssen sie und ihre Eltern sich definitiv entschieden haben. Zum zweiten Mal in der Geschichte der Oberstufe werden sie nicht einfach zugeteilt, sondern können selber wählen. Zum einen haben sie die Wahl zwischen der Flade und der städtischen Oberstufe. Zum anderen können sie sich für eines von sechs Schulhäusern der städtischen Oberstufe entscheiden.

Allerdings hat diese Wahlfreiheit bereits wieder Aufregung ausgelöst. Es sei zwar toll, die Wahl zu haben, sagt die Mutter eines Sechstklässlers, der sich entscheiden muss. «Aber», fügt sie hinzu, «es gibt keine Garantie.» Das ist ihr an einem der Elterninformationsabende bewusst geworden, die kürzlich in verschiedenen Quartieren stattgefunden haben. Unter den anwesenden Eltern habe sich Unsicherheit breitgemacht – vor allem unter jenen, die sich für die Flade interessieren. Auslöser dafür war eine städtische Regelung, die eine Lehrperson im offiziellen Wortlaut vorlas.

Vorrang bei städtischer Schule als erste Priorität

Darin heisst es, dass Eltern zwei Wünsche für die Oberstufe anbringen können, eine erste und eine zweite Priorität. Das städtische Schulamt versuche, die erste Priorität zu erfüllen, wenn «damit ausgeglichene Klassengrössen und ein gesundes Verhältnis von Sek- und Realklassen vor Ort in den vorhandenen Raumkapazitäten erreicht werden können». Dann folgte der Nachsatz, der sich an jene Eltern und Kinder richtet, die in erster Priorität die Flade wählen: Wenn «der Losentscheid eine Aufnahme zur Flade nicht ermöglicht, wird, wenn möglich, dem Wunsch zweiter Priorität (städtisches Oberstufenschulhaus) nachgekommen – sofern es noch Platz gibt. Vorrang haben Eltern, welche eine städtische Schule als erste Priorität angegeben haben.»

Diese Regelung hat unter Eltern für Gesprächsstoff gesorgt. Eine Mutter sagt, sie werde das Gefühl nicht los, dass damit ein gewisser Druck ausgeübt werde, sich für ein städtisches Oberstufenschulhaus zu entscheiden. Eine andere erzählt, die Regelung habe den Entscheid ihres Sohnes beeinflusst. Er habe sich nun für ein städtisches Oberstufenschulhaus entschieden, obwohl er zuerst mit der Flade geliebäugelt hatte. Der Grund:

«Man hat keine Sicherheit, wenn man die Flade wählt.»

Doppeltes Pech ist möglich

Tatsächlich nehmen Sechstklässler, die sich für die Flade anmelden, Unsicherheiten in Kauf. Sie müssen damit rechnen, sich dem Losverfahren zu stellen. Gemäss Vereinbarung mit der Stadt darf die Flade höchstens 30 Prozent der städtischen Sek- und Realschüler und Kleinklässler übernehmen. Wenn sich mehr anmelden, wird wiederum das Los entscheiden. Sollten sie mit ihrem Los Pech haben, besteht die Möglichkeit, dass auch der Schulhauswunsch zweiter Priorität nicht erfüllt wird. In diesem Fall würde das städtische Schulamt eine Zuteilung vornehmen. Kinder könnten dann einem Schulhaus im Westen oder Osten der Stadt zugeteilt werden, auch wenn sie im Zentrum zu Hause sind.

Der Stadtsanktgaller Schuldirektor Markus Buschor

Der Stadtsanktgaller Schuldirektor Markus Buschor

Michel Canonica

Schuldirektor Markus Buschor bestätigt auf Anfrage, dass dieser Fall eintreffen könnte. Es handle sich dabei aber um wenige Schülerinnen und Schüler. Die Dienststelle Schule und Musik sei bemüht, die betreffenden Kinder ins nächstgelegene Schulhaus einzuteilen. Der Grundsatz, der zu Unsicherheiten geführt hat, sei nicht neu. Er habe schon vor einem Jahr gegolten, als alle Sechstklässler erstmals die Gelegenheit erhielten, ein Schulhaus ihrer Wahl anzugeben.

Buschor betont:

«Aufgrund der vorhandenen Schulraumkapazitäten und der Oberstufenvereinbarung besteht aber für niemanden ein Anspruch auf den gewählten Platz.»

Insbesondere die Wahl der Flade sei mit Unsicherheiten verbunden. Der Losentscheid könne dazu führen, dass eine Zuteilung ins gewünschte Schulhaus nicht möglich sei. Dessen müssten sich die Sechstklässler bei ihrer Wahl bewusst sein. Es könne nicht sein, dass jene Schülerinnen und Schüler, die an die Flade wollten und kein Losglück hätten, einen weiteren Schulhauswunsch erster Priorität äussern könnten. «Das wäre nicht fair. Jedes Kind hat nur eine Wahl erster Priorität», sagt er. Es gehe ihm um Gleichbehandlung.

Keine Freude an der Flade

Anders sieht das Margrit Stadler, Schulpräsidentin der Flade. Diese Regelung sei ein alleiniger Entscheid der Stadt. Stadler hat bei der Stadt interveniert. Für sie ist klar:

«Das ist eine Benachteiligung der Flade im Anmeldeverfahren.»
Schlupräsidentin der Flade, Margrit Stadler

Schlupräsidentin der Flade, Margrit Stadler

Urs Bucher

Vor allem aber handle es sich um eine «Schlechterstellung» jener Eltern, Schülerinnen und Schüler, welche die Flade wählen und beim Losverfahren Pech haben. Wenn die Kinder aufgrund der mit der Stadt vereinbarten Obergrenze keinen Platz an der Flade bekämen, sei das nicht selbst verschuldet.

«Sie können nichts dafür.»

Doch als wäre das nicht genug, komme nun eine zusätzliche Hürde hinzu, indem man ihnen mitteile, dass der zweite Schulhauswunsch nur erfüllt werden könne, wenn es noch Platz gebe. «Man straft die Eltern und Kinder, welche sich für die Flade entscheiden, damit ab», sagt sie. Das sei stossend und verunsichere die Eltern. Dabei wäre es unnötig, findet sie. Denn das Losverfahren finde Mitte März zu einem Zeitpunkt statt, an dem die Zuteilung zu den Schulhäusern der städtischen Oberstufe noch nicht gemacht sei.

Margrit Stadler hofft, dass das Anmeldeverfahren dieses Jahr weniger emotional über die Bühne geht als im vergangenen Frühling. Ob es zum Losentscheid kommt, ist noch nicht absehbar. Das entscheidet sich Anfang März, wenn die Zahl der Anmeldungen bekannt ist.

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