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Thaler macht Magie und ein wenig Schabernack

Kurt Lichtensteiger alias Kuli ist Lokführer und Zauberer. Damit hat er sich gleich zwei Bubenträume erfüllt, sagt der Thaler. Kuli «hext» auch gerne einmal spontan in der Freizeit – willkommene Opfer sind Kellner.
Martin Rechsteiner
Kurt Lichtensteiger mimt auf der Bühne den Magier. Er kann aber nicht nur mit Karten: Auch mit mentalen Kunststücken versetzt er das Publikum regelmässig in Staunen. (Bild: Urs Bucher)

Kurt Lichtensteiger mimt auf der Bühne den Magier. Er kann aber nicht nur mit Karten: Auch mit mentalen Kunststücken versetzt er das Publikum regelmässig in Staunen. (Bild: Urs Bucher)

Kurt Lichtensteiger alias Kuli steht vor versammeltem Publikum auf der Bühne. Er sieht aus, wie man sich einen Magier vorstellt: Gross mit Zauberstab, weisse Handschuhe, dunkelblaues Jackett. Kuli bittet eine Zuschauerin zu sich auf die Bühne und gibt ihr fünf verschiedene Farbstifte sowie ein Ausmalbild, das einen Mann zeigt. Daraufhin bittet er sie: «Malen Sie die Kleidung des Mannes nach Ihrem Geschmack in verschiedenen Farben aus und zeigen Sie das Bild dann von der Bühne aus dem Publikum.» Der Zauberer wendet sich ab. Die Frau tut, wie ihr geheissen. Sie entscheidet sich spontan für blaue Hosen, ein rotes T-Shirt und eine orange Krawatte. Als sie anschliessend das fertige Bild dem Publikum zeigt, beginnt Kuli plötzlich, sich seinen Anzug vom Leib zu reissen. Und siehe da. Darunter trägt er eine blaue Hose, ein rotes T-Shirt und eine orange Krawatte. Das Publikum und die Frau staunen, anerkennender Applaus setzt ein. Denn der Zauberer war während der ganzen Zeit zu sehen, umgezogen hat er sich nie.

«Das ist mein Lieblingskunststück», sagt Kuli und versichert, dass er die Frau weder kennt, noch im Vorfeld etwas mit ihr abgesprochen hat. Man glaubt es ihm. Falls er kein talentierter Illusionist ist, dann wäre er immerhin ein überzeugender Schwindler. Die weiteren Kunststücke, die der Thaler an diesem Abend aufführt, lassen jedoch Ersteres vermuten.

Klubraum in der «Traumfabrik»

Lichtensteiger sitzt während des Gesprächs an einem Tisch des Eventlokals Dreamfactory in Degersheim. Der Name, «Traumfabrik», ist hier Programm. Wer sie betritt, wähnt sich in einer anderen Welt. Das alte Fabrikgebäude ist voll mit Zauberrequisiten, Bauchrednerpuppen, Musikorgeln und Oldtimer-Autos. An der Decke hängen bunte Lichterketten. Man wähnt sich in einer magischen Glitzerwelt, fast wie in Las Vegas.

Dass Kuli in diesem Gebäude ein und aus geht, kommt nicht von ungefähr: Denn im Keller hat der Club Ostschweizer Magier COM seinen Klubraum. Rund 20 Mitglieder hat diese Vereinigung. Kuli ist eines von ihnen. In seiner Bibliothek hütet der Magische Ring eine grosse Anzahl an Zauberbüchern. Das älteste ist über 300 Jahre alt. «Es handelt sich um Schriften, die Tipps und Tricks in der Kunst der Zauberei liefern», sagt Lichtensteiger. Bei dem Thema muss er schmunzeln und sagt: «Ich bin nach einem Auftritt schon hinter vorgehaltener Hand und fast ehrfürchtig gefragt worden, ob ich tatsächlich über grössere Kräfte verfüge als ein Normalsterblicher. «Da winke ich natürlich ab. Ich mache keinen Hehl draus, dass ich nicht wirklich zaubern kann, sondern nur einen Magier imitiere», stellt Kuli klar.

«Ich bin ein Illusionist, kein Zauberer. Ich erzeuge in den Köpfen der Zuschauer eine Illusion.» (Kurt Lichtensteiger)

Das anspruchsvollste Publikum seien übrigens Kinder. «Sie haben eine starke Beobachtungsgabe, schauen genau hin und sind meist das kritischste Publikum. Bei ihnen ist man in unserem Metier am meisten gefordert.»

Dann beginnt Kuli wieder über den Verein zu sprechen. Wer beitreten will, muss sich vor den versammelten Mitgliedern beweisen. «Es können ganz einfache Tricks sein. Wir müssen einfach sehen, dass die Person Freude an der Materie hat und bereit ist, Neues zu lernen.» Wer die gestandenen Magier überzeugt, darf für zwei Jahre «Kandidat» sein. In dieser Zeit muss er viel lernen, auch theoretisches Wissen, über die Geschichte der Zauberei etwa. «Dann folgt eine Prüfung vor Experten des Magischen Rings der Schweiz MRS. Wer besteht, darf seinen Kandidaten-Status ablegen und ist nach einer Zeremonie ein vollwertiges Mitglied unseres Vereins.» Diesen Weg durchlief vor rund 20 Jahren auch der mittlerweile 53-jährige Lichtensteiger.

Das Feuer brennt von klein auf

«Alles begann damit, dass ich als kleiner Bub ab und zu im Café meines Onkels in Appenzell zu Besuch war.» Dort sei gelegentlich Retonio vorbeigekommen. «Reto Breitenmoser, wie er mit richtigem Namen heisst, trat damals als Zauberkünstler auf und faszinierte mich mit kleinen Kunststücken am Kaffeetisch.» Zwar habe er den Magier und sein Handwerk daraufhin für einige Jahre aus den Augen verloren. «Erst später als Familienvater hat mich das Ganze wieder gepackt. Nach gelegentlichen Auftritten im Familienkreis beschloss ich, mehr daraus zu machen und meldete mich beim Club Ostschweizer Magier.» Dort traf Lichtensteiger wieder auf Retonio, der damals Präsident des Vereins war.

Teile des Equipement von Zauberer Kuli. (Bild: Urs Bucher)

Teile des Equipement von Zauberer Kuli. (Bild: Urs Bucher)

«Ich habe derzeit mehrere Dutzend Auftritte im Jahr. Davon leben kann ich allerdings nicht», sagt Lichtensteiger. Meist sind dies Einsätze bei Hochzeiten, Familienfeiern und oft auch Weihnachtsfeste von kleinen und grösseren Firmen. Wenn der dreifache Familienvater aus Thal nicht auf der Bühne steht, dann arbeitet er als Ausbildungsleiter und Prüfungsexperte für Lokführer bei der Südostbahn. «Ich habe nach meiner Lehre als Elektromonteur eine Ausbildung zum Lokführer gemacht. Somit habe ich mir gleich zwei Bubenträume erfüllt, Lokomotivführer und Zauberer.»

Geschichten und Humor

Auch im Bekanntenkreis oder in der Mittagspause kann Kuli das Zaubern nicht lassen. «Manchmal lasse ich vor meinen Kollegen etwas verschwinden», sagt er. Ein schelmisches Schmunzeln kann er sich nicht verkneifen. Aber auch in den Ferien sind nicht alle vor den Kunststücken Lichtensteigers sicher. «Ich habe im Restaurant beim Bezahlen auch schon Rauch und Flammen aus meinem Portemonnaie schiessen lassen. Oder aus Papier echtes Geld ‹gedruckt.› Sie hätten das Gesicht der Serviceangestellten sehen sollen. Sie wollte das Geld nicht annehmen, und der Kollege musste schliesslich meine Rechnung begleichen.» Jetzt wird sein Schmunzeln zu einem Lachen. «Zugegeben, ich habe manchmal Flausen im Kopf. Wenn ich etwas mit meinem Göttibub mache, dann weiss er im Voraus, dass ich an diesem Tag wahrscheinlich etwas Magisches anstelle.»

Humor sei doch etwas Wichtiges, sagt Lichtensteiger. Das gelte auch für seine Shows. «Ich reihe nie einfach wortlos Kunststücke aneinander und warte auf Applaus», betont er. «Bei meinen Auftritten erzähle ich Geschichten. Und diese zielen so gut wie immer auf die Lachmuskeln der Zuschauer. Oder manchmal lachen die Leute auch, weil sie die Welt nicht mehr ganz verstehen», sagt er mit einem Augenzwinkern. So auch bei der Nummer mit den farbigen Kleidern. Wie Kuli das macht, will er nach guter alter Zauberer-Manier nicht verraten. «Das ist das erste Gebot.» Denn damit würde er die Illusion zerstören. «Wenn ein Zuschauer ein Kunststück und die Tricks dahinter kennt, erscheint es ganz einfach. Dann verschwindet die ganze Faszination dafür. Das ist für mich und ihn schade.»

Unter Kollegen im Magischen Ring wird jedoch wacker ausgetauscht. «Wir lernen ständig voneinander. Das ist interessant und hilfreich.» Deshalb besucht Kurt Lichtensteiger auch selbst gerne Zauber-Shows. Auch wenn es, laut eigener Aussage, inzwischen immer mehr braucht, um auch ihn zu überlisten.

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