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Madame Trischli prägte das Nachtleben der Stadt St.Gallen

Hilde Brügger-Ruckstuhl ist vergangene Woche gestorben. Sie führte von 1960 bis 1972 mit ihrem Mann und nach dessen frühem Tod alleine bis Mitte der 1980er-Jahre das legendäre Dancing "Trischli" in der Altstadt. Das Lokal prägte in dieser Zeit das Nachtleben von St.Gallen.
Daniel Wirth
Hilde Brügger-Ruckstuhl (14.9.1927–20.5.2018). (Bild: Hannes Thalmann - 6. Februar 2009)

Hilde Brügger-Ruckstuhl (14.9.1927–20.5.2018). (Bild: Hannes Thalmann - 6. Februar 2009)

1960 übernahmen Jean-Pierre und Hilde Brügger das «Trischli» an der Brühlgasse. Zuvor hatte das über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Variété zahlreiche Pächter und für St.Galler Verhältnisse eine «verruchte Atmosphäre», wie es in alten «Tagblatt»-Berichten heisst. Jean-Pierre und Hilde Brügger machten aus dem «Trischli» ein Dancing und verhalfen dem Nachtlokal zu neuem Ruhm.

Anfänglich wurde bei schönem Wetter auch im grossen Garten, der sich zum Burggraben hin erstreckte, Unterhaltung geboten, wie sich Tochter Christiane Vonaesch-Brügger erinnert. Aber um Punkt 22 Uhr, keine Minute später, hätten die Musiker ins Dancing wechseln müssen. Die Nachtruhe-Regelung habe Hilde Brügger immer eingehalten. 1972 kam ihr Ehemann bei einem Autounfall ums Leben. Fortan führte Hilde Brügger, die Tochter des stadtbekannten Fuhrhalters Johann Jakob Ruckstuhl, als junge Witwe das «Trischli» in Eigenregie.

Spätere Berühmtheiten als Künstler im "Trischli"

Fast jeden Abend spielten Bands oder Orchester, und im Herbst, an den Tagen, an denen die Olma stattfand, war jeweils Variété angesagt. Hilde Brügger engagierte Pepe Lienhard, der mit seiner Band im «Trischli» seinen allerersten professionellen Auftritt hatte. Mit Pepe Lienhard und seinen Musikern verband Hilde Brügger eine Freundschaft. Ein Beispiel dafür: An ihrem 88. Geburtstag sang Pino Gasparani, der viele Jahre mit Pepe Lienhard auf Tournee gegangen war, für Hilde Brügger.

Das legendäre «Trischli» in der St.Galler Brühlgasse, wie es heute aussieht. (Bild: Michel Canonica - 3. Oktober 2012)

Das legendäre «Trischli» in der St.Galler Brühlgasse, wie es heute aussieht. (Bild: Michel Canonica - 3. Oktober 2012)

Einträge in den Gästebüchern zeugen davon, dass die Künstler sich wohl fühlten im «Trischli» und bei Hilde Brügger. Sie engagierte auch Udo Jürgens, oder Wolfgang Jung, der sich später Steve Young nannte. Oder Siegfried und Roy, die weiland noch jung und unbekannt waren und mit einem Geparden und einem Hasen durch Europa tingelten. Auch sie haben sich in eines der vielen, in Leder gebundenen «Trischli»-Gästebücher eingetragen. Wie Hilde Brügger 2009 dem «Tagblatt» verraten hat, wurde sie einmal von Siegfried und Roy eingeladen. Es gab ein Gulasch, das schärfste, das sie je gegessen habe, erzählte sie.

Strenge, herzliche und grosszügige Gastgeberin

Hilde Brügger war Zeit ihres Lebens eine selbstbestimmte, willensstarke Frau, die grossen Wert auf Ordnung und Disziplin und ihr Äusseres legte. Sie war mit keinem der Gäste per Du. Wer im «Trischli» zu viel becherte und unflätig war, wurde einmal verwarnt, dann gab’s Hausverbot.

Norwegische HSG-Studenten seien kollektiv sanktioniert worden, erinnert sich Christiane Vonaesch-Brügger. Doch ihre Mutter hatte mit den Skandinaviern ein Nachsehen. Sie erhielten nach einer Aussprache wieder Einlass, aber nur gegen Abgabe des Passes. Madame Trischli war eine strenge, aber herzliche und grosszügige Gastgeberin.

Oper, Reisen, Bridge und Kochen

Mitte der 1980er-Jahre zog sie sich aus dem «Trischli» zurück. Sie besuchte fortan gerne und regelmässig Opern, reiste, spielte oft Bridge, und sie kochte liebend gerne und dem Vernehmen nach sehr gut für Gäste, die sie in ihrer Wohnung am Rosenberg besuchten. Hilde Brügger hatte ein langes reich erfülltes Leben, in dem sie auch Schicksalsschläge hinnehmen musste. Am 20. Mai ist Hilde Brügger im Kreise ihrer Familie friedlich eingeschlafen, wie es in der Traueranzeige heisst.

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