«Machen Terroristen in St.Gallen an Weihnachten frei?»: Stadtparlamentarier wundert sich über frühen Abbau

Mit einer provokativ formulierte Einfache Anfrage wendet sich der SVP-Stadtparlamentarier René Neuweiler an den Stadtrat.

Sandro Büchler
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Die schwarzen Behälter rechts unten im Bild schützen die Besucher des Weihnachtsmarkts und der Glühweinstände vor Terroranschlägen.

Die schwarzen Behälter rechts unten im Bild schützen die Besucher des Weihnachtsmarkts und der Glühweinstände vor Terroranschlägen.

Ralph Ribi

SVP-Stadtparlamentarier René Neuweiler beobachtet Seltsames in der Stadt: Oft würden bei Anlässen und Festen die Aufräum- und Abbauarbeiten bereits beginnen, wenn der Anlass noch in vollem Gange sei. «So werden Teile der Kinderfestinfrastruktur bereits am Nachmittag des Festtages wieder abgebaut, obwohl die Gäste noch anwesend sind und auch die Kinder sich noch weiter amüsieren würden», schreibt er in einer Einfachen Anfrage an den Stadtrat.

Ähnliches hat Neuweiler auch am Weihnachtsmarkt beobachtet. Doch hier sei die Sicherheitspraxis der Stadt zu überdenken. Er macht sich Sorgen um die Sicherheit in der Innenstadt. In der Adventszeit schützen «verpackte schwere Säcke» die Besucherinnen und Besucher des Marktes und der Glühweinstände vor potenziellen Gefahren. Bei den vom Stadtparlamentarier erwähnten Säcken handelt es sich um mit Wasser gefüllte Plastikbehälter.

Wassertanks schützen vor Anschlägen

Die Wassertanks gehören zum Sicherheitskonzept der Stadt und sind eine Folge der Terroranschläge in Nizza und Berlin. Im Juli 2016 rast auf der Promenade von Nizza ein Attentäter mit einem Lastwagen durch die Menschenmenge. Bei der Amokfahrt sterben 86 Menschen, darunter drei Schweizer. Die Terrororganisation Islamischer Staat bekannte sich zu dem Anschlag. Im Dezember des gleichen Jahres fährt ein Terrorist mit einem gekaperten Sattelschlepper in Berlin in den Weihnachtsmarkt. Zwölf Menschen werden dort getötet.

Auch an Olma und Offa kommen die Wassertanks zum Einsatz und versperren die Strasse.

Auch an Olma und Offa kommen die Wassertanks zum Einsatz und versperren die Strasse.

Reto Voneschen (1. Mai 2019)

Zurück nach St.Gallen. Hier macht sich René Neuweiler an Heiligabend auf die Socken ins Stadtzentrum und stellt fest: Die Wassertanks sind weg.

«Am 24. Dezember waren die Geschäfte noch bis 16 Uhr geöffnet.»

Dennoch waren die zum Schutz gedachten Behälter bereits abgebaut. Der Stadtparlamentarier schreibt: «Weshalb man die Sicherheitsvorkehrungen einer Veranstaltung bereits abbaut, bevor diese zu Ende ist, versteht wohl kaum jemand.» Niemand würde sich daran stören, wenn die Wasserbehälter über die Festtage stehengeblieben wären. «Denn bei langsamer Fahrt sind die Sicherheitsvorkehrungen auch für Lieferanten gut zu umfahren.» Er fügt hinzu:

«Sarkastisch gesagt, ist es verwunderlich, dass der Helikopter nicht bereits am Morgen des 24. Dezembers den Weihnachtsbaum wieder abgeholt hat und nicht bereits wieder damit begonnen wurde, die Sterne der Sternenstadt abzumontieren.»

Deshalb fragt Neuweiler, ob sich nach Ansicht des Stadtrats die Bedrohungslage kurz vor Weihnachten geändert habe und deshalb das Sicherheitsdispositiv zurückgefahren wurde.

Vorzeitiger Abbau sei eine Unsitte

Weiter fragt er, ob die Sicherheit der Besucher des Weihnachtsmarktes auch in den Augen des Stadtrats oberste Priorität habe und deshalb der Schutz mittels der Wasserboxen bis zum Ende des Weihnachtsmarktes aufrechterhalten bleiben soll. Schliesslich fragt der Stadtparlamentarier: «Woher kommt in der Stadt St.Gallen die Unsitte, die Infrastruktur von Festen schon abzubauen, obwohl sie noch nicht beendet sind?»

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