Lottogeld für den Löwenhof: Rheinecks Bijou wird wieder rege genutzt

Es ist eines der bedeutendsten Gebäude der Region um Rheineck: Nun wurde der Löwenhof umfassend saniert und beherbergt Büros, Wohnungen sowie ein Atelier. Seine Geschichte gibt noch immer Rätsel auf.

Jolanda Riedener
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Das Anwesen an zentraler Lage in Rheineck gilt als Kulturobjekt von kantonaler Bedeutung. (Bild: Jolanda Riedener)

Das Anwesen an zentraler Lage in Rheineck gilt als Kulturobjekt von kantonaler Bedeutung. (Bild: Jolanda Riedener)

Giovanni Heer brachte es mit dem Handel von Seiden- und Wollstoffen zu aussergewöhnlichem Reichtum. Deshalb liess er sich 1742 in Rheineck einen Sommersitz bauen. Auf vier grossen Grundstücken entstand der Löwenhof: ein stattliches Gebäude mit Innenhof, Gartenhaus, Orangerie und grosszügigem Umschwung. Die Räume des Dachgeschosses dienten dem Bauherrn als Lager für Handelswaren.

Dieses Dachgeschoss haben die aktuellen Eigentümer vor einem halben Jahr ausgebaut. Heute befinden sich grosszügige Büroräume im geschichtsträchtigen Gebäude. Der Lotteriefonds des Kantons St. Gallen spricht 38900 Franken an die denkmalpflegerischen Sanierungsarbeiten. Das Gebäude bietet heute Platz für Geschäftsräume von vier Unternehmen. In den beiden Seitenflügeln befinden sich fünf Mietwohnungen: Alle unterscheiden sich voneinander. Die Orangerie dient dem Bildhauer Erwin Müller als Atelier. Die Grundstruktur des Gebäudes wurde überall beibehalten, Ausstattung wie Böden, Wände, Türen und Fenster sind im Originalzustand.

Eigentümer erhalten viele Anfragen für Hochzeiten

Die Ostfassade präsentiert sich von der Rorschacherstrasse. Eine massive Holztüre gestaltet das Eintreten zu einem Kraftakt. Hinter einer Mauer dahinter verbirgt sich die Gartenanlage. Ansonsten ist das Bijou für die Öffentlichkeit nicht sichtbar. Nur ein- bis zweimal pro Jahr öffnen die Inhaber das Herrschaftshaus und die Gartenanlage für kulturelle Anlässe, wie die traditionelle Löwenhof-Serenade im Juni.

Der Haupteingang des Löwenhofs. (Bild:PD)

Der Haupteingang des Löwenhofs. (Bild:PD)

«Es ist ein Glücksfall, dass das Gebäude so gut erhalten ist», sagt Titus Ladner, Vorsitzender Gruppenleitung und Mitglied Verwaltungsrat der RLC Gruppe. Seit zehn Jahren plant und leitet er die Umbauten und Instandhaltungsarbeiten im Löwenhof. Heute befinden einige Büros der RLC im Löwenhof. «Wir erhalten immer wieder Anfragen für Hochzeiten», sagt Ladner. Für private Feiern könne man das Gebäude allerdings nicht hergeben, zu empfindlich sind die Anlagen und Räumlichkeiten.

Der Familie Bärlocher und ihrem Textilunternehmen diente das Gebäude bis 1984 als Verwaltungssitz. Sie habe dem Gebäude Sorge getragen. «Vorteilhaft war, dass der Löwenhof stets bewohnt war», sagt Ladner. 2015 verkauften es Bärlochers der Hümpeler AG. Hinter der Firma stecken vier in der Umgebung ansässige Familien. Mit dem Kauf wollten sie sicherstellen, dass das wertvolle Anwesen der Region erhalten bleibt und nicht etwa in ausländische Hände kommt.

Dafür gibt es Geld aus dem Lotteriefonds

Jeweils im Juni und November entscheidet der Kantonsrat über die Vergabe der Beiträge aus dem Lotteriefonds. Zu den Förderbereichen gehören Soziales, Bildung, Gesundheit, Natur, Umwelt und Entwicklungszusammenarbeit. Um Beiträge zu erhalten, müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein: Zum Beispiel muss das Projekt einen angemessenen Bezug zum Kanton St. Gallen haben sowie einem gemeinnützigen, nicht gewinnorientierten Zweck dienen. Weiter muss das Finanzierungskonzept ausgewogen sein, sprich, Private und Gemeinden beteiligen sich entsprechend. Das Projekt muss sich durch Relevanz, Eigenständigkeit und Professionalität auszeichnen und soll öffentlich wahrgenommen werden. (jor)

Heute werden alle Flächen des Löwenhofs wieder genutzt. «Der Fokus der Sanierungsarbeiten liegt auf der Substanzerhaltung», sagt Stephan Rausch, Mitglied Gruppenleitung und Verwaltungsrat der RLC Gruppe. Im ersten Obergeschoss zum Beispiel wurde der ursprüngliche Holzboden restauriert und wieder freigelegt. Der Boden aus Sandstein sei teilweise brüchig, einzelne Elemente müssen deshalb gelegentlich ersetzt werden. Nebst der Instandhaltung der Böden gaben die Eigentümer Malerarbeiten sowie Sanierungen an Stuckatur und Vertäfelung in Auftrag. Auch liessen sie das Deckengemälde im Treppenhaus reinigen und auffrischen.

Geschichte des Löwenhofs ist nur teilweise bekannt

«Ein 272-jähriges Gebäude zu restaurieren erfordert Planung und besondere Kompetenzen», sagt Titus Ladner, der sich unter anderem auf historische Bauten spezialisiert hat. Um an einem Gebäude wie dem Löwenhof zu arbeiten, brauche es viel Erfahrung und Sorgfalt. «Glücklicherweise gibt es genug Handwerker, die Freude am Alten haben», sagt Ladner.

Leider sei die Geschichte des Löwenhofs heute nicht restlos geklärt. «Wir wissen nicht, wer der Architekt war», sagt Ladner. Im 19. Jahrhundert führte ein Besitzerkonkurs zur praktisch vollständigen Vernichtung der Gründungsakten. Es gebe aber Vermutungen, wer am Bau beteiligt gewesen sein könnte. In Zusammenarbeit mit Bau- und Kunsthistoriker habe man einiges herausgefunden und alle Informationen dokumentiert. «Möglich, dass dieses Dokument einmal in Heft- oder Buchformat publiziert wird», sagt Ladner.

Nebst dem Löwenhof erhielten in der Region Rorschach zwei Kulturbetriebe finanzielle Unterstützung aus dem Lotteriefonds: Sowohl das «Treppenhaus» in Rorschach, als auch das Kultur-Schloss Wartegg erhalten Beträge zu je 20000 Franken.