Glosse

Lockvogel Lola will es wissen

Die geheimnisvolle Lola umwirbt St.Gallerinnen und St.Galler mit E-Mails. Wer steckt dahinter? Eine Frau mit roten Haaren wie im Film «Lola rennt», oder ein Ableger der Berner Getränkemarke «Lola Cola»?

Sandro Büchler
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PD

«Weil mit mir alles einfacher wird, schlage ich vor, wir sagen uns du. Ich hoffe, das ist dir recht.» Mit diesen Worten hat sich eine gewisse Lola in den vergangenen Wochen in zahlreichen E-Mails an St.Gallerinnen und St.Galler gewandt.

«Da ich ganz neu bin, möchte ich so einiges von dir wissen», schreibt Lola und schlägt leicht anrüchig und zweideutig vor:

«Du kannst mir auch sagen, wofür
du dich interessierst.»

Was will sie? Ist das ein Angebot für käufliche Liebe? Oder ist sie eine Trickbetrügerin? Die geheimnisvolle Frau ist eine Erfindung. «Ich bin Lola, das neue zentrale Besucherkonto für alle Messen der Genossenschaft Olma Messen St.Gallen», stellt sie sich dann ganz unaufgeregt, beinah technisch vor.

Lola ist somit also keine Anmachdame, auch keine Enkeltrickbetrügerin – aber ein Lockvogel allemal. «Für dein ganz besonderes Messeerlebnis gibt’s bei mir exklusive Kombitickets für jede Messe. Eröffne jetzt dein Besucherkonto und profitiere von vielen Vorteilen. Du siehst, es lohnt sich wirklich.» Dazu bewirbt Lola mit Emojis von Herzen, einem Schloss und einem Geldsack ihre Dienste. Angeschrieben von Lola wurden in diesen Tagen all jene, die in der Vergangenheit bereits ein Onlineticket für eine der Olma-Messen erstanden hatten. Jetzt umgarnt Lola die Auserwählten:

«Wenn du keine Lust hast, vor deinem nächsten Messebesuch wieder ewig an der Tageskasse anzustehen, dann bist du bei mir goldrichtig.»

Zudem verspricht sie auf die individuellen Interessen zugeschnittene Neuigkeiten, Spezialangebote und Wettbewerbe. «Diese Spezialaktionen kannst du nicht kaufen, sondern nur gewinnen.»

Was im ersten Moment nach einer namenstechnisch verwandten Lolita tönt, entpuppt sich als Marketingfigur der Olma-Messen. Ihren grossen Schwestern Siri und Alexa kann Lola aber nicht das Wasser reichen. Wie Olma-Direktor Nicolo Paganini und sein Team auf den Namen Lola gekommen sind, ist nicht bekannt. Allenfalls haben sie sich vom 1998 erschienenen deutschen Film «Lola rennt» inspirieren lassen. Darin rennt eine Frau mit roten Haaren in einer Zeitschleife. Oder die Olma-Kreativen habe sich beim Berner Getränk Lola Cola des Namens bedient. Wenn das bloss keinen Streit um die Namensrechte gibt.