Live aus der Kirche Rotmonten: Am Sonntag wird der Gottesdienst im Fernsehen übertragen

Grosser Auftritt für die Kirche Rotmonten: Am Sonntag sendet SRF aus St.Gallen.

Sandro Büchler
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Die Gebete für den morgigen Gottesdienst hat die Pfarreibeauftragte Vreni Ammann schon geprobt – mit der Stoppuhr.

Die Gebete für den morgigen Gottesdienst hat die Pfarreibeauftragte Vreni Ammann schon geprobt – mit der Stoppuhr.

Bild: Urs Bucher

Am Sonntag werden neben Kirchgängern eine ganze Reihe Kameraleute in der Kirche Rotmonten sein. Denn SRF1 überträgt den Gottesdienst live. Der grosse Moment kommt um Punkt 10 Uhr. «Eine Stunde früher als üblich für den Sonntagsgottesdienst», sagt Vreni Ammann von der Pfarrei Peter und Paul Rotmonten.

«Wir fragen uns natürlich, ob wir an alles gedacht haben», sagt Ammann. Eine gewisse Nervosität bei ihr und ihrem Team sei spürbar. Doch hätten sie den TV-Gottesdienst gut vorbereitet und minutiös geplant. Die schweizweite Übertragung aus der katholischen Kirche Rotmonten hat eine Besonderheit: Sie dauert exakt 50 Minuten. Die Predigt, jedes Gebet und jedes Lied muss auf die Sekunde genau sitzen. Das sei eine Herausforderung, sagt die Pfarreibeauftragte:

«Wir haben ein Drehbuch, da steht der ganze Ablauf Wort für Wort drin.»

Sogar die Gebete haben Priester Raffael Rieger und sie vorgesprochen und die Zeit gestoppt. Die Regie werde während des Gottesdiensts laufend Anweisungen geben. «So kann man bei Abweichungen allenfalls eine Strophe weniger singen oder das Orgelspiel etwas verlängern.» Heute wird ein letztes Mal geprobt.

Meister der indischen Tanzkultur gab den Anstoss

Zum Auftritt im Scheinwerferlicht kommen Vreni Ammann und die Pfarrei durch die Schweizer Jesuitenmission. Diese fragten, ob die Pfarrei gewillt sei, einen TV-Gottesdienst mit Pater Saju George durchzuführen. Der Pater ist ein weltweit gefeierter Meister der klassischen südindischen Tanzkultur. Ammann und ihr Team sagten zu. Jesuitenpater Saju George wird jedoch erst an Pfingsten zu Gast sein. Denn es gibt nicht nur eine Liveübertragung aus Rotmonten, sondern deren drei.

Weitere Fernsehgottesdienste im Mai und November



Am Pfingstsonntag, 31. Mai, wird wiederum ein Gottesdienst aus der katholischen Kirche Rotmonten auf SRF 1 übertragen. Dabei wird der Jesuitenpater Saju George tanzen. Er ist ein weltweit gefeierter Meister des Bharata Natyam, der klassischen südindischen Tanzkultur. Zudem singt eine Kantorengruppe unter der Leitung von Maja Bösch. Am ersten Advent, am Sonntag, 29. November, singt der Projektchor Ost, wiederum unter der Leitung von Maja Bösch. Beide Gottesdienste beginnen jeweils um 10 Uhr.
Die Kirche Rotmonten hat Platz für mehr als 400 Personen. Wer den Gottesdienst diesen Sonntag direkt vor Ort erleben will, der soll sich bis spätestens um 9.45 Uhr in der Kirche einfinden. Denn das Fernsehteam wird vor der Liveübertragung Regieanweisungen geben. Empfohlen wird die Anreise zu Fuss oder dem ÖV. (sab)

www.rotmonten.kathsg.ch

Die Crew des SRF sei nach St.Gallen gekommen und habe sich das Innere der Kirche angeschaut und vermessen. «Sie hat sich als ideal für eine Liveübertragung erwiesen.» Die TV-Produzenten entschieden deshalb, drei Gottesdienste aus Rotmonten auszustrahlen. Am Pfingstsonntag und am ersten Advent überträgt das Fernsehen weitere Messen.

Wo die Bibel Mobbing anspricht

Speziell am morgigen Gottesdienst ist auch die Musik: Der 70-köpfige Rotmöntler Kinder- und Teeniechor wird Lieder singen, die Chorleiterin und Organistin Maja Bösch eigens für den TV-Gottesdienst komponiert hat. Musik und Texte sind ganz auf die Liturgie abgestimmt.

Darin geht es beispielsweise um Mobbing. Ammann sagt, dass man in der Bibel viele Stellen finde, die sehr aktuelle Themen behandeln – aber von Laien nicht als solche erkannt werden. Sie versuche deshalb stets die religiöse Sprache auf die Lebenswelt der Menschen herunterzubrechen.

«Ich will sie einladen, ihr persönliches Leben aufgrund der biblischen Botschaft zu reflektieren, statt ihnen fromme Sprüche an den Kopf zu schmeissen.»

So will die 52-Jährige einen Bogen spannen und aufzeigen, welche Hintergründe und tieferen grundlegenden Lebenserfahrungen die Bibel zu bieten habe. Mit den TV-Gottesdiensten wolle sie auch zeigen, dass die Kirche, die für viele zu einer fremden Welt geworden sei, selber nicht weltfremd sei. Die Feier im Fernsehen sieht Ammann deshalb als grosse Chance.

Keine «One-Woman-Show»

Musik und Gesprochenes werde sich in den 50 Minuten abwechseln. Dabei seien nicht nur schöne Bilder für die Fernsehkameras wichtig, auch akustisch sei die ganze Eucharistiefeier gut durchdacht. Da sie auch im Radio übertragen wird, müsse immer etwas zu hören sein. Keine Minute Pause: «Sonst denkt jemand, das Radio sei kaputt.»

Vreni Ammann ist die Pfarreileiterin, bei ihr laufen die Fäden zusammen. Doch die Organisation des TV-Gottesdienstes sei Teamsache. «Keine One-Woman-Show von mir.» Denn neben ihr selber, Priester Raffael Rieger und Kirchenmusikerin Maja Bösch steuern viele andere etwas zum grossen Auftritt im Fernsehen bei.