Betriebsausfall
«Liseli» braucht eine Totalrevision: Triebwagen der Rheineck-Walzenhausen-Bergbahn fällt bis zu acht Wochen aus

Wegen eines mechanischen Defektes an der Bremsachse muss der Triebwagen der Rheineck-Walzenhausen-Bergbahn in die Werkstatt. Es verkehren Bahnersatzbusse bis zur Wiederinbetriebnahme. Die Einzigartigkeit des Triebwagens und das stolze Alter von 62 Jahren gestalten die Ersatzteilbeschaffung schwierig.

Rudolf Hirtl
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Der elektrische Triebwagen des «Walzehuser Bähnlis» ist seit 1958 in Betrieb.

Der elektrische Triebwagen des «Walzehuser Bähnlis» ist seit 1958 in Betrieb.

Bild: PD

Der elektrische Triebwagen des «Walzehuser Bähnlis» fährt langsam auf den Zahnradstrang zu. Kurz bevor die Strecke mit bis zu 250‰ Gefälle steil ansteigt, rattert und poltert es gehörig. Es ist der Zeitpunkt, an dem das Zahnrad den Antrieb übernimmt und das Bähnli hoch über die Rheinebene nach Walzenhausen stösst.

Während sechs Minuten ruckelt, dröhnt, quietscht und ächzt das Bähnli auf der zwei Kilometer langen Strecke. Es wird nicht umsonst scherzhaft auch als TGV (Train de grande Vibration) bezeichnet.

Eine Neubeschaffung ist bereits in Planung

Aktuell steht der Triebwagen der Rheineck-Walzenhausen-Bergbahn (RhW) allerdings mucksmäuschenstill in der Werkstatt in Ruderbach. Laut Eva Rechsteiner, Mediensprecherin der Appenzeller Bahnen, wurde ein defektes Lager an den Klinken der Bremsachse des Wagens entdeckt. Beim Zerlegen der Achse sei festgestellt worden, dass diese einer Totalrevision unterzogen werden muss. «Eine Reserveachse ist nicht vorhanden», sagt Eva Rechsteiner. Ersatzteile für den 62-jährigen Triebwagen müssten daher erst aufwendig beschafft werden. Sind die Ersatzteile gefunden, dann werden Fachkräfte von Stadler Rail die Bahn reparieren. Eva Rechsteiner sagt: «Die Dauer der Arbeiten ist derzeit noch ungewiss. Nach ersten Einschätzungen müssen wir mit sechs bis acht Wochen rechnen. Wenn es blöd läuft, kann das Ganze auch etwas länger dauern.»

Während des Ausfalls des Bähnlis verkehrt zwischen Rheineck und Walzenhausen ein Ersatzbus. Die Haltestelle Ruderbach wird dabei nicht bedient. Die Appenzeller Bahnen bitten Fahrgäste, vor der Reise den Online-Fahrplan der SBB zu studieren. Infotafeln und Plakate an den Bahnhöfen informieren Fahrgäste über den Betriebsunterbruch. Laut der AB-Sprecherin ist eine Ersatzbeschaffung des Fahrzeugs in Planung. Mit einem Entscheid sei Ende dieses Jahres zu rechnen.

Schon 1,7 Millionen Kilometer auf dem Tacho

Eine Grossrevision wurde letztmals im Oktober 2013 durchgeführt. Ein halbes Jahr war die Bergbahn Rheineck–Walzenhausen damals ausser Betrieb. Für 950'000 Franken wurden der Wagenkasten und technische Teile saniert.

Bild von der Revision im Jahr 2013: Das «Walzehuser Bähnli» wird in Millimeterarbeit mit dem Lastwagen in die Werkstatt gestossen.

Bild von der Revision im Jahr 2013: Das «Walzehuser Bähnli» wird in Millimeterarbeit mit dem Lastwagen in die Werkstatt gestossen.

Bild: Susi Miara

Den Fahrbetrieb auf der Strecke Rheineck–Walzenhausen aufgenommen hat der elektrische Triebwagen BDeh 1/2 am 1. Dezember 1958. Bis heute hat er ca. 1,7 Millionen Kilometer zurückgelegt. Auch liebevoll «Liseli»und «S’Walzehuuserli» genannt, ist die RhW ein fester Bestandteil des Appenzeller Vorderlandes. Rund 100000 Fahrgäste reisen jährlich mit den Appenzeller Bahnen zwischen Rheineck und Walzenhausen.

Im Anschluss an die Reparatur wird der Triebwagen wieder planmässig zwischen Rheineck und Walzenhausen im Einsatz stehen.