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Kein Glück im Abtwiler «Säntisblick»: Das Pächterpaar gibt auf

Für die Gäste kam die Nachricht überraschend: Seit einer Woche ist das Restaurant Säntisblick am Sonnenberg zu. Das junge Wirtepaar will sich nach drei Jahren neu orientieren.
Corinne Allenspach
Trotz herrlicher Aussicht und bestem Ausflugswetter bleiben die Stühle im Restaurant "Säntisblick" leer. Das Lokal bleibt auf unbestimmte Zeit geschlossen. (Bild: Ralph Ribi)

Trotz herrlicher Aussicht und bestem Ausflugswetter bleiben die Stühle im Restaurant "Säntisblick" leer. Das Lokal bleibt auf unbestimmte Zeit geschlossen. (Bild: Ralph Ribi)

Es wäre zu schön gewesen. Auf die Frage, ob sie und seine Partnerin denn auch eine Weile bleiben wollen im Hotel-Restaurant Säntisblick, sagte Raphael Schmid im Dezember 2015 im «Tagblatt»: «Nur eine Weile? Ziel ist es, hier sesshaft zu werden. Wir fühlen uns jetzt schon fast als Abtwiler.» Jetzt, drei Jahre später, ist alles anders.

Seit einer Woche ist das Restaurant geschlossen und bleibt es auch «auf unbestimmte Zeit», wie Raphael Schmid und Salma Nassif auf der Webseite des Betriebs und auf Facebook schreiben. Gleichzeitig danken sie den «lieben Gästen für die schöne Zeit, die wir mit Euch verbringen durften». Das Hotel bleibt noch bis 20. Dezember offen. Heisst das nun, das Wirtepaar nimmt sich eine Auszeit? Oder ist definitiv Schluss? Und was ist der Grund? Antworten aus erster Hand gibt es dazu keine. Ein halbes Dutzend Anfragen, schriftlich wie telefonisch, liessen die beiden unbeantwortet.

Liliane Rentsch von Imhotel, die zuständig ist für die Vermietung der Liegenschaft, weiss hingegen: «Die Mieterin, die Schmid F&B GmbH, hat auf Ende Jahr gekündigt.» In Abtwil erzählt man sich, der Grund sei der steigende Mietzins gewesen, abhängig vom Umsatz. Liliane Rentsch verneint. Der Mietzins sei seit Beginn des Pachtverhältnisses nicht erhöht worden und eine Erhöhung sei auch bei Vertragsverlängerung nicht geplant gewesen.

Ein grosser Verlust fürs Dorf

In Abtwil bedauert man den Weggang. «Es ist ein grosser Verlust für die Gastroszene im Dorf», sagt Gemeindepräsident Boris Tschirky. Er selber war privat wie geschäftlich auch gerne Gast im «Säntisblick». «Ich war immer zufrieden mit der Qualität, die ich erhalten habe», sagt Tschirky. Auch auf Plattformen wie Booking.com oder Tripadvisor erhielt der «Säntisblick» mehrheitlich gute Noten, seit Salma Nassif und Raphael Schmid das Zepter übernommen hatten. Gelobt wird vor allem die Freundlichkeit und Herzlichkeit der Gastgeber und die Qualität des Essens. Dass die jungen Wirte das Restaurant nach einer schwierigen Zeit, in der die Abtwiler nicht mehr gern im «Säntisblick» einkehrten, wieder zum Florieren brachten, ist umso erstaunlicher. Schmid und Nassif haben zwar eine Gastroausbildung, waren aber Quereinsteiger und kommen ursprünglich aus der Finanzbranche.

Wie geht es nun im «Säntisblick» weiter? Das Hotel bleibe wie angekündigt bis 20. Dezember offen, sagt Liliane Rentsch. Das Restaurant bereits vor der nass-grauen Jahreszeit zu schliessen, sei «ein wirtschaftlicher Entscheid». «Wer noch nie einen Gastrobetrieb geführt hat, kann sich nicht vorstellen, wie gross das finanzielle Risiko ist», sagt sie. Besonders wenn die Lokalität nicht unmittelbar im Stadtzentrum liege. Die allgemeine Erwartungshaltung sei ja, dass ein Restaurant rund um die Uhr offen sei und sämtliche Gästewünsche erfülle. Für Liliane Rentsch ist darum klar: «So wie die Banken und die Post ihr Dienstleistungsangebot anpassen, muss der Gast auch in der Gastrobranche zeitgemässe Änderungen in Kauf nehmen.»

Betrieb ist seit Juli ausgeschrieben

Um einen Nachfolger zu finden, hat Liliane Rentsch den «Säntisblick» bereits seit Ende Juli auf Homegate ausgeschrieben. Allerdings anonym, nur unter dem Namen Landgasthof in der Region St. Gallen. «Aus Rücksicht auf den laufenden Betrieb», wie sie sagt. Der Rücklauf sei bisher mässig, aber es gebe Interessenten. Das Gerücht, das in Abtwil kursiert, es sei bereits eine junge Familie gefunden, dementiert sie. «Es stimmt nicht, dass wir bereits einen Nachfolger haben.» Wie rasch man jemanden finde, hänge immer auch davon ab, «ob das richtige Wirtepaar zur richtigen Zeit frei ist».

Kurzes Intermezzo im "Sicilia"

Gastspiel  Noch kürzer als das Gastspiel im «Säntisblick» hoch oben am Abtwiler Sonnenberg ist jenes im «Sicilia» an der Hauptstrasse. Im September 2017 eröffneten Mimoza und Vincenzo Curseri in der ehemaligen «Sonne» ein italienisches Restaurant. Der Start war viel versprechend, doch schon ein halbes Jahr später wurde im Amtsblatt der Konkurs publik. Vincenzo Curseri, der von seiner Frau vor die Tür gestellt worden war, nannte «private Gründe» als Ursache.

Inzwischen ist der 56-Jährige wieder regelmässig im Restaurant, wie die Abtwiler wissen. Er helfe aus, wenn Not am Mann sei, sagt er. Lange wird das nicht mehr der Fall sein, denn das Restaurant ist auf der Webseite der Gemeinde ausgeschrieben. Für 3900 Franken pro Monat kann man das «Ristorante mit Fernsicht» mieten. Das Kuriose daran: Niemand weiss etwas vom Inserat. «Ich habe nicht gewusst, dass das Restaurant ausgeschrieben ist», sagt Liegenschaftsbesitzer Fredi Brändle, der eigentlich zuständig ist für die Suche nach einem Wirt. Auch Vincenzo Curseri hat «keine Ahnung, wer das Inserat aufgegeben hat». Und die zuständige Kontaktperson einer Immobilienfirma aus Volketswil ist derzeit in den Ferien.

Einerlei, wer Auftraggeber des Inserats ist: Fredi Brändle hat den bisherigen Wirten auf Ende Oktober gekündigt, wie er auf Anfrage sagt. Gemäss Vincenzo Curseri sind zwei Monatsmieten ausstehend. Fredi Brändle betont, er habe bereits «zwei gute Nachfolger» zur Hand.

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