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«Lernziel sehr gut erreicht» – In den Schulen von Waldkirch gibt es keine Noten mehr

Die Schülerinnen und Schüler in der Gemeinde Waldkirch werden neu mit Worten statt mit Zahlen beurteilt. Eine Ausnahme gibt es jedoch.
Michel Burtscher
Vor einer schlechten Note müssen Waldkircher Schüler keine Angst mehr haben. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Vor einer schlechten Note müssen Waldkircher Schüler keine Angst mehr haben. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Ab diesem Schuljahr erhalten Kinder und Jugendliche in Waldkirch und Bernhardzell nicht mehr eine «6», wenn sie bei einer Prüfung besonders gut abgeschnitten haben. Stattdessen bekommen sie ein «Lernziel sehr gut erreicht». Der Schulrat hat entschieden, das Benotungssystem für alle Fächer und Stufen anzupassen. Statt mit einer Zahl werden Schüler mit Worten beurteilt. Konkret wird angegeben, in welcher Qualität die Lernziele erreicht wurden: sehr gut, gut, genügend, nicht genügend, schwach oder sehr schwach. Schulratspräsidentin Susanne Roth sagt: «Die Aussagekraft der neuen Beurteilung ist grösser und der Lernweg der Schülerinnen und Schüler kann besser aufgezeigt werden.»

Kompetenzen sind schwierig abzufragen

Auslöser für die Abschaffung des klassischen Notenspiegels war laut Roth die Umsetzung des Lehrplans 21. Demnach werden nebst den traditionellen Lerninhalten künftig vermehrt Schwerpunkte bei den sogenannten «überfachlichen Kompetenzen» wie dem Arbeits-, Lern- und Sozialverhalten gesetzt. Doch diese sind schwieriger abzufragen als reines Wissen. «Eine Beurteilung dieser Kompetenzen lässt sich mit dem klassischen Notenspiegel nicht befriedigend abbilden», sagt Roth. Doch auch die Rückmeldungen bei Prüfungen seien mit einer Beurteilung durch Worte aussagekräftiger: «Wir möchten mit den Schülerinnen und Schülern nicht über Ziffern sprechen, sondern über Lernziele, Lernwege sowie das Arbeits-, Lern- und Sozialverhalten», betont Roth.

Darum wurde in Waldkirch seit dem Sommer des vergangenen Jahres an einer Alternative gearbeitet. Beteiligt daran waren nicht nur die Behörden, sondern auch die Lehrerinnen und Lehrer selbst. Verschiedene Möglichkeiten wurden diskutiert, etwa die Umstellung auf eine Beurteilung mit Symbolen wie Äffchen oder Farben. So wie es andere Schulen bereits tun. Am Schluss habe sich der Schulrat für das System mit den Worten entschieden, weil die Begriffe schon heute im Zeugnis stehen, um die Noten zu erklären. «Unsere Hoffnung ist, den Eltern so die Umstellung zu erleichtern», sagt Susanne Roth. Trotzdem äusserten sich die Eltern teilweise kritisch zum neuen System. Aber nicht nur: Es habe auch Lob gegeben.

Bei den Lehrerinnen und Lehrern sieht es ähnlich aus. Es gebe zwei oder drei, die sich im Moment noch schwer täten mit der Umstellung, weil sie über Jahrzehnte mit dem alten Beurteilungssystem gearbeitet hätten, erzählt Roth. «Wir sind aber überzeugt, auch diese noch vom Mehrwert des neuen Systems überzeugen zu können.» Die grosse Mehrheit des Teams befürworte diese Veränderung jedoch, betont Roth.

Eines ist trotzdem klar: Die neue Art der Beurteilung hat Folgen für den schulischen Alltag – und zwar insbesondere für das Lehrpersonal. Die Schulratspräsidentin erklärt:

«Für die Lehrpersonen bedeutet das neue Beurteilungssystem einen Mehraufwand.»

Sie sei sich jedoch sicher, dass sich dieser lohne, da damit ein grosser Mehrwert für die Förderung und Begleitung der Schülerinnen und Schüler erreicht werden könne.

In den Zeugnissen stehen weiterhin Zahlen

Unter Bildungsexperten ist indes umstritten, wie sinnvoll die Abschaffung der klassischen Noten tatsächlich ist. Ganz verschwinden aus den Waldkircher Schulzimmern werden sie ohnehin nicht. Denn in den Zeugnissen, die im Kanton St.Gallen ab 2020 nur noch einmal jährlich ausgestellt werden, wird die Leistung der Schülerinnen und Schüler weiterhin mit einer Zahl beurteilt. So wie es das kantonale Volksschulgesetz vorsieht. Diese Zahl stelle eine Gesamtbeurteilung aller relevanten Faktoren dar, sagt Roth.

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