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Ein Kaffee mit Stefan Lenherr: Der ehemalige Gossauer Stadtrat lebt jetzt in Andwil

Der Rücktritt von Stefan Lenherr hat vor einem Jahr ganz Gossau überrascht. Sein Bauprojekt in Andwil beanspruchte zu viel Zeit. Heute lebt er selber im neuen Dorfteil.
Sebastian Schneider
CVP-Stadtrat von 2011 bis 2017: Stefan Lenherr in seiner neuen Wohnung in Andwil. (Bild: Sabrina Stübi)

CVP-Stadtrat von 2011 bis 2017: Stefan Lenherr in seiner neuen Wohnung in Andwil. (Bild: Sabrina Stübi)

Der Landwirt hat dieser Tage Gülle ausgetragen. «Riechen Sie es? So ist es halt auf dem Land, neben all den Vorteilen», sagt Stefan Lenherr. Der Ur-Gossauer lebt seit Februar im beschaulichen Nachbardorf Andwil, in der neuen Überbauung Augarten-Ebnet, bei der er zugleich Bauherr wie auch Bauleiter ist. Von der grossen Terrasse geniesst der 61-Jährige gerne den Blick auf den Säntis. Heute aber verdecken Wolken die Sicht. Lässt man den Blick Richtung Schulhaus Ebnet schweifen, fällt einem eine Baugrube auf. Auf dieser Fläche werden in zwei bis drei Jahren fünf weitere Wohnhäuser mit 15 Wohnungen entstehen.

Lenherr setzt sich mit seinem Kaffee an den Tisch. Er macht einen glücklichen Eindruck. Die grosszügige Wohnung, in der er und seine Frau Silvia wohnen und die weiteren 39 verkauften Eigentumswohnungen sind Beweis dafür, dass die Dinge für ihn gut aufgegangen sind. Auch wenn er vor etwas mehr als einem Jahr zur Überraschung aller aus dem Gossauer Stadtrat zurücktreten musste. Nur vier Monate der neuen Legislatur hat er als Departementsvorsteher Bau Umwelt Verkehr gewirkt. Dann ging es zeitlich nicht mehr: «Ein Stadtratsamt ist kein Feierabendjob. Ich musste mir gegenüber ehrlich sein.»

Bushof und Masterplan noch gerne umgesetzt

«Von Nachfrage überrascht» titelte das «Tagblatt» im März 2017 über einem Artikel zu Lenherrs Überbauung. Die Eigentumswohnungen liessen sich um einiges schneller verkaufen als geplant: «Ich rechnete mit maximal 10 Verkäufen pro Jahr, nun waren es 40 in 3 Jahren.» Lenherr hatte sich in dieser Zeit um die Kunden kümmern müssen. «Als Ein-Mann-GmbH musst du dich entscheiden», sagt Lenherr. Das 65-Prozent-Pensum als Stadtrat konnte er nicht mehr ausfüllen, eine Kürzung wäre keine Option gewesen. «Ich wollte nicht den Anschein erwecken, dass ich einfach am Stadtratsgehalt interessiert wäre.» Für diese Haltung habe er Zuspruch erhalten: «Ich bekam positive Rückmeldungen. Die Leute lobten meine Ehrlichkeit und fanden es gut, dass ich klare Verhältnisse schaffte.»

Stefan Lenherr wäre gerne Stadtrat geblieben. Und es wurmt ihn ein bisschen, dass er zum Beispiel mit der Umsetzung des Masterplans Sportanlagen oder des Bushofs nicht hat beginnen können. «Die Zeit im Stadtrat war spannend und erfahrungsreich», sagt Lenherr im Rückblick. Denkt er an gewisse Episoden und muss schmunzeln.

«Heute sehen wir, dass wir übertrieben haben.» Lenherr spricht die komfortable finanzielle Lage der Gemeinden an. Er mag sich noch gut erinnern, wie man das Budget straffte und den Rotstift ansetzte. Als der Kanton nach allen den Bemühungen des Stadtrats und des Stadtparlaments mit einem weiteren Sparpaket drohte, habe es keine Luft nach unten gegeben. «Nicht umsonst kamen wir auf die Schnapsidee mit dem reduzierten Winterdienst.»

Lenherr bereitet es keine Mühe, den Lauf der Zeit zu akzeptieren und heute als Bürger die Politik mitzuverfolgen. Er ist sich sicher, dass Gossau mit dem erfahrenen Stadtrat, dem durchmischten Parlament und der funktionierenden Verwaltung gut aufgestellt ist. Kürzlich ist Lenherr der CVP Andwil beigetreten. Und auch beruflich muss nach Augarten-Ebnet nicht Schluss sein: «Ich werde nicht auf den Glockenschlag in Pension gehen.»

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