Interview
Leiterin des Kriseninterventionszentrums der Psychiatrie St.Gallen Nord: «Auslöser für einen Suizidversuch kann auch eine Trennung oder Kündigung sein»

Marlen Hämmerli
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Violeta Lapadatovic, Oberärztin des Kriseninterventionszentrums der Psychiatrie St.Gallen Nord. (Bild: PD)

Violeta Lapadatovic, Oberärztin des Kriseninterventionszentrums der Psychiatrie St.Gallen Nord. (Bild: PD)

In einer Krise können sich Suizidgefährdete und Angehörige an das Kriseninterventionszentrum wenden. Die Station der Psychiatrie St.Gallen Nord in St.Gallen verfügt über 20 Betten und bietet über eine Hotline rund um die Uhr Hilfe. Oberärztin und medizinische Leiterin ist seit fünf Jahren Violeta Lapadatovic.

Wer sind die Personen, die sich das Leben zu nehmen versuchen?

Violeta Lapadatovic: Es kann jede und jeden treffen. Das kommt auf die Umstände an, darauf in welcher emotionalen Krise sich die Patientin, der Patient befindet, was die Krise ausgelöst hat und wie intensiv sie ist.

Was sind mögliche Auslöser für einen Suizidversuch?

Das ist abhängig von der Situation. Es gibt viele Auslöser. Manche Patienten haben zuvor schon jahrelang mit psychischen Problemen gekämpft. Personen einer Depressionen zum Beispiel neigen auch zu Suizidalität. Patienten mit bipolaren Störungen, also mit ausgeprägten Stimmungsschwankungen, neigen ebenfalls dazu.

Gleichzeitig ist die Suizidalität abhängig davon wie die Person mit Notsituationen umgeht.

Liegt jedem Suizidversuch eine psychische Krankheit zugrunde?

Nein, Auslöser können auch andere Belastungen sein. Zum Beispiel Trennungen oder wenn jemand seinen Job verliert. Das steht im Zusammenhang mit der Frage, wie jemand mit einer solchen Kränkung umgeht. Ein Punkt ist auch, wie stark das soziale Netz ist, wie sozial verankert die Person ist und welche privaten Probleme sie hat.

Was sind typische Vorzeichen eines Suizidversuchs?

Es gibt Fälle, in denen rufen etwa Angehörige an und sagen: «Ich mache mir Sorgen, dass er sich etwas antut. Ich habe das Gefühl mein Kind, mein Mann, meine Frau kommt nicht mehr klar.» Sei es mit dem Stress, den Veränderungen im Leben oder der aktuellen Krise. Es gibt also Veränderungen im Verhalten des Patienten, die Angehörige bemerken können.

Welche Massnahmen werden in einem solchen Fall ergriffen?

Wir schlagen vor, dass der Patient sofort zu uns ins Zentrum kommt. Oder vereinbaren einen raschen Termin. In einem Gespräch klären wir dann die Situation.

Wenn der Patient zu uns kommt, ist das auch eine Entlastung für die Angehörigen.

Denn sie wissen: Nun übernehmen Fachpersonen die Verantwortung.

Was kann jede und jeder tun um Suiziden vorzubeugen?

Da gibt es keine klare Antwort. Wenn man aber mit jemandem in Kontakt ist und das Gefühl hat, demjenigen geht es nicht gut, sollte man die Person bitten, sich fachliche, professionelle Hilfe zu suchen.