«Lebt der noch?» - Ehemalige Schulfreunde erfahren nach 90 Jahren erstmals wieder voneinander

Paul Stehrenberger und Meta Menzi feierten in den vergangenen Tagen jeweils ihren 100. Geburtstag. Die beiden kennen sich von früher.

Miguel Lo Bartolo
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Paul Stehrenberger erzählt von früher. (Bild: Miguel Lo Bartolo)

Paul Stehrenberger erzählt von früher. (Bild: Miguel Lo Bartolo)

Während der Feier seines 100. Geburtstags blättert Paul Stehrenberger in seinem Fotoalbum und erzählt dabei von seinen Lebensetappen. Mit grosser Freude erwartet er den angekündeten Besuch des Stadtpräsidenten, Thomas Scheitlin.

Der Jubilar kennt die Stadt St.Gallen wie seine Westentasche. Kein Wunder, schliesslich hat der selbst ernannte «Nesthocker» während hundert Jahren nie den Wohnort gewechselt. Seine Kenntnisse über die geschichtsträchtigen Gebäude der Stadt versetzen Scheitlin ins Staunen.

Die stadtkundigen Herren verbindet aber noch mehr. Stehrenberger bat einen Angehörigen, eine bestimmte Fotografie vergrössert auszudrucken: Ein Klassenfoto aus dem Jahre 1931. Unter seinen Mitschülern befand sich auch Scheitlins Vater. «Ein verrückter Zufall!», sagt der Stadtpräsident, als ihm das Bild gezeigt wird.

Stehrenbergers Betagtheit hält ihn nicht davon ab, seine Gäste mit zahlreichen und von Witz erfüllten Anekdoten über die Zeit vor der Digitalisierung zu unterhalten. «Ich lebe im vergangenen Jahrhundert», sagt er.

«Wir haben oft zusammen gespielt»

Auch Meta Menzi hat seit Montag das Vergnügen, auf ein ganzes Jahrhundert zurückblicken zu dürfen. Von allen Seiten kommen Gratulanten auf sie zu. «Gesund bist du ja, deshalb wünsche ich dir Glück und Freude», wird sie etwa von einer Bekannten aus dem Bürgerspital beglückwünscht. Und tatsächlich: Das hohe Alter sieht man Menzi nicht an. Sie hat sich gut gehalten, ist sie doch im Altersheim als begnadete Denksportlerin bekannt.

Meta Menzi freut sich über den Besuch des Stadtpräsidenten. (Bild: Miguel Lo Bartolo)

Meta Menzi freut sich über den Besuch des Stadtpräsidenten. (Bild: Miguel Lo Bartolo)

Scheitlin besucht auch sie und es dauert nicht lange, bis der Name Stehrenberger fällt. Daraufhin wird die humorvolle Jubilarin neugierig und erkundigt sich nach dem Vornamen des besagten Herrn. Der Zufall will, dass sich die beiden aus der Schulzeit kennen. Nun will sie ihn treffen, um über alte Zeiten zu plaudern. «Ich wusste gar nicht, dass der noch lebt», sagt Menzi.

Frauen sind bei den Hundertjährigen deutlich in der Überzahl

Zurzeit sind in der Datenbank der Bevölkerungsdienste der Stadt St.Gallen 20 Leute registriert, die 100 Jahre alt oder gar älter sind. Ende des Jahres dürften es sogar 28 sein.

Dass Frauen durchschnittlich älter werden als Männer, ist den meisten zwar bekannt. Dennoch sind solche Verhältnisse bemerkenswert. Unter den 28 über 100-Jährigen befinden sich lediglich sechs Männer. In die Top Ten der ältesten Bewohner der Stadt schafft es dann nur noch einer (Jahrgang 1917).

Zum Vergleich: Die älteste Frau der Stadt ist 108 Jahre alt, danach folgen acht Frauen der Jahrgänge 1914-1917. Dieses Jahr stehen noch acht Jubilarinnen und Jubilare aus.