Kein Mittagstisch, dafür Take-away: In St.Gallen werden weiterhin Lebensmittel verteilt

Auch die Sozialen Institutionen leiden unter der Coronakrise. Trotzdem wollen sie ihr Angebot so gut es geht aufrecht erhalten.

Dinah Hauser
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«Tischlein deck dich» hat alle Abgabestellen geschlossen. In der Gassenküche oder bei Caritas gibt es trotzdem noch Lebensmittel.

«Tischlein deck dich» hat alle Abgabestellen geschlossen. In der Gassenküche oder bei Caritas gibt es trotzdem noch Lebensmittel.

Bild: Oliver Menge / D5

Soziales Die geltenden Verhaltensregeln wegen des Coronavirus verunmöglichen vielen Betrieben, ihre Arbeit normal auszuführen. So ergeht es auch den Sozialdiensten der Katholischen Kirche; das Offene Haus der Katholischen Kirche hält seine Türen derzeit geschlossen. «Der Mittagstisch kann bis auf weiteres nicht mehr stattfinden», sagt Franz Niederer vom Sozialdienst Ost. Auch jegliche Veranstaltungen wie Senioren- und Frauenanlässe mussten abgesagt werden.

«Die Beratungsstellen sind jedoch weiterhin besetzt.»

Wer Hilfe benötigt, könne sich dort telefonisch melden.

Angedacht seien auch Beratungen via Videogespräch. Und jene Personen, von denen die Kontaktangaben bekannt seien, würden regelmässig von den Mitarbeitern kontaktiert. Den Mittagstisch in einen Take-away umzuwandeln, käme derzeit nicht in Frage: «Unsere freiwilligen Helfer sind grösstenteils im Pensionsalter und gehören damit zur Risikogruppe», sagt Niederer. Man wolle sie keiner Gefahr aussetzen, prüfe aber immer wieder neue Ideen.

Take-away bei der Gassenküche

Regine Rust, Geschäftsleiterin der Stiftung Suchthilfe

Regine Rust, Geschäftsleiterin der Stiftung Suchthilfe

Bild: vre

Was beim Offenen Haus nicht möglich ist, setzt die Gassenküche derzeit um: Täglich kann dort zwischen 12 und 13  Uhr etwas Warmes für wenig Geld mitgenommen werden.

«In Zeiten, wo es schwierig wird, sich zu versorgen, wollen wir unser Angebot so gut wie möglich aufrechterhalten.»

Das sagt Regine Rust, Geschäftsleiterin der Stiftung Suchthilfe, die die Gassenküche betreibt.

Gleiches gilt auch für die Lebensmittelabgabe. Wie beim Take-away würden Personen nur einzeln bedient, um die vom Bund verordneten Massnahmen einzuhalten. «Das klappt sehr gut und alle verhalten sich ruhig. Die gute Beziehung zu unseren Klienten spielt da sicher mit eine Rolle.» Die Besucherzahlen seien stabil und die Lebensmittelabgabe habe sich bereits herumgesprochen. Der Kontakt zu den Klienten werde per Whatsapp aufrechterhalten.

«Unsere Mitarbeiter haben auch ein offenes Ohr und können bei Bedarf weiter vermitteln.»

Keine Lebensmittel erhält man derzeit bei «Tischlein deck dich». «Am 16.März haben wir schweren Herzens den Entscheid getroffen, alle Abgabestellen zu schliessen», sagt Mediensprecherin Mina Dello Buono. Der erforderliche Sicherheitsabstand konnte nicht gewährleistet werden. Auch hier gehöre ein Grossteil der Freiwilligen zur vulnerablen Gruppe. Für die Schliessung erhielt die Non-Profit-Organisation Zuspruch und Verständnis – auch von armutsbetroffenen Menschen. «Derzeit sind alle gefordert, ihren Beitrag zu leisten, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.»

Auf den Lebensmittelbezug müssen die Bedürftigen nicht verzichten: Mit der Bezugskarte können sie bei den Caritas-Märkten einkaufen. Zudem werde mit der Partnerorganisation Schweizer Tafel zusammengearbeitet, welche Lebensmittel verteilen könne. Derzeit würden Ideen geprüft, in welcher Form «Tischlein deck dich» wieder aktiv werden könne.