Lebensmittel aus der Region
Auftritt an der Olma und neuer Standort in Winterthur: Gründerin des ersten St.Galler Hofladens hat einiges vor

Eigentlich ist sie Lehrerin. Doch vor einem Jahr hat Grace Schatz den ersten Hofladen in der Stadt St.Gallen eröffnet. Und nun plant sie einen zweiten Laden in Winterthur.

Rita Bolt
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Inhaberin Grace Schatz berät im Hofladen Regioherz eine Kundin.

Inhaberin Grace Schatz berät im Hofladen Regioherz eine Kundin.

Bild: PD

«Die One-Woman-Show ist manchmal ganz schön anstrengend», sagt Grace Schatz, Inhaberin und Geschäftsführerin des ersten und einzigen St.Galler Hofladens an der Bahnhofstrasse 2. Mitten in den Vorbereitungen für den ersten Regioherz-Auftritt an der Olma ist Wasser in den Stadtladen eingedrungen. Alte Leitungen sind die Ursache; der Boiler hat schon längere Zeit getropft. Doch trotz mehrerer Meldungen an die Vermieterin habe diese nichts unternommen, sagt Schatz.

«Jetzt haben wir einen grösseren Wasserschaden und einen zweitägigen Ertragsausfall. Das tut weh.»

Wie hoch der Schaden genau ist, kann sie noch nicht beziffern. «Aber da kommt einiges zusammen.» Der Laden musste geräumt und der Boden herausgerissen werden. Sie habe glücklicherweise auf Bekannte zählen können, die ihr spät am Abend halfen, den Laden auszuräumen. Bis der neue Boden verlegt ist, wird ein Teil der Produkte im Keller gelagert. Der Laden bleibt geöffnet, die zwei Mitarbeiterinnen von Schatz halten die Stellung.

Nachfrage nach regionalen Produkten hat etwas nachgelassen

Nicht beklagen kann sich Grace Schatz über den Geschäftsgang. Im Regioherz werden ausschliesslich regionale Produkte von Landwirten und Kleinproduzenten verkauft. «Aber auch wir haben zu kämpfen. Die grosse Nachfrage nach regionalen Produkten wie sie während des Lockdowns geherrscht hat, ist nicht mehr so gross.»

Inhaberin und Geschäftsführerin Grace Schatz in ihrem Hofladen.

Inhaberin und Geschäftsführerin Grace Schatz in ihrem Hofladen.

Bild: PD

Das Ladenprinzip ist noch dasselbe: Regioherz stellt den Produzenten Regale zur Verfügung, die gemietet werden können. Eines kostet 12.50 Franken pro Woche. Den Verkauf, die Werbung und das Marketing macht Grace Schatz und erhält von jedem verkauften Produkt 20 Prozent Provision. Ende Monat wird abgerechnet und die Produzenten erhalten die Abrechnung nach Hause sowie das Geld auf das Konto.

Insgesamt sind 155 Regale eingerichtet – und alle besetzt. Es besteht bereits eine Warteliste. Für Grace Schatz ist der Hofladen in der Stadt eine Win-win-Situation: Vertriebsfläche für regionale Kleinproduzenten und Auswahl und Qualität für die Kundschaft.

Der Hofladen erstreckt sich über drei Stockwerke. Um Platz für weitere Regale zu schaffen, hat sich die 43-Jährige entschieden, den Non-Food-Bereich aufzugeben. «Shampoosteine, Kerzen und Dekosachen sind bei uns nicht sehr gefragt», erklärt sie. Ziel sei es, ein reiner Lebensmittelladen zu werden und weitere Kleinproduzenten zu berücksichtigen.

Im Februar muss Schatz sich entscheiden

Grace Schatz ist weder Bäuerin noch hatte sie je etwas mit Landwirtschaft zu tun. Sie ist Gymnasiallehrerin. Vor der Eröffnung des Hofladens hat sie lange am Berufszentrum Buchs und anschliessend fünf Jahre am Liechtensteinischen Gymnasium Vaduz Französisch, Englisch und Geschichte unterrichtet. Das Konzept, den Hofladen in die Stadt zu bringen, hat sie während des Lockdowns entwickelt und für die Umsetzung unbezahlten Urlaub genommen.

Nächsten Februar muss sich Schatz entscheiden, ob sie als Lehrerin zurückkehrt oder nicht. Ihr Hofladen Regioherz ist aber so erfolgreich, dass eine Rückkehr in den Lehrberuf derzeit immer unrealistischer wird. «Der Laden macht mich sehr stolz und bereitet mir grosse Freude.» Grace Schatz hat auch einiges vor: In Planung ist ein zweiter Standort – in Winterthur. Einzugsgebiet wird Zürich–Aargau sein. Mit der Evaluierung des Standortes wird sie im neuen Jahr beginnen. Nach dem – «hoffentlich grossen» – Rummel rund um das Weihnachtsgeschäft.

Auftritt an der Olma: «Stolpersteine und Chancen» eines Start-ups

Zuerst steht jetzt aber noch anderes an: Der erste Auftritt des Regioherz an der Olma. Am Montag wird Grace Schatz um 13.15 Uhr in der Halle 9.2 zu «Stolpersteinen und Chancen» eines Start-up-Unternehmens sprechen. Mit welchen Stolpersteinen hatte sie und hat sie zu kämpfen? Die Geschäftsfrau sagt:

«Die Arbeit mit den Behörden ist oft nicht einfach.»

Sie sei eine initiative Person und habe viele Ideen, die sie nicht umsetzen könne, weil die Stadt die Bewilligung dafür nicht erteile und sie oft an den bürokratischen Hürden scheitere; beispielsweise für die Beschriftung ihres Ladens.

Am 20. November feiert Schatz das einjährige Bestehen ihres Regioherz; das möchte sie gerne gross aufziehen. «Wenn es die Behörden erlauben», sagt sie schulterzuckend und ergänzt: «Ich vermisse die Unterstützung der Behörden. Die Auflagen für Kleinläden, wie wir einer sind, sind oft nicht nachvollziehbar und schwierig zu erfüllen.»

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