Leben im Alter
Fragen zu Altersdienstleistungen beantwortet in Wittenbach bald der Computer: Ein Chatbot soll den Angebotsdschungel lichten

Gemeindepräsident Oliver Gröble nennt es ein «Navigationssystem fürs Alter»: Bald können die Wittenbacherinnen und Wittenbacher mit einem Chatbot kommunizieren, wenn sie Fragen zu Altersthemen oder Dienstleistungen haben. Die Verantwortlichen erklären, was das genau bringt und wie dieses neue Angebot umgesetzt wird.

Michel Burtscher
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Welcher Anbieter für welche Altersdienstleistung? Solche Fragen soll in Wittenbach künftig ein Chatbot beantworten.

Welcher Anbieter für welche Altersdienstleistung? Solche Fragen soll in Wittenbach künftig ein Chatbot beantworten.

Bild: Gaëtan Bally/Keystone

An Dienstleistungen für die ältere Bevölkerung fehlt es in Wittenbach nicht. Mehrere Institutionen und Organisationen bieten eine breite Palette an medizinischen, pflegerischen oder sozialen Angeboten. Das Problem: Den Überblick zu behalten über alle diese Dienstleitungen ist für viele Seniorinnen und Senioren sowie deren Angehörige nicht immer einfach. Sogar die Gemeinde selbst spricht von einem «Angebotsdschungel», der die ältere Bevölkerung teilweise überfordern könne.

Dieser Dschungel soll sich nun lichten. Die Spitex Regio Wittenbach, die Alterszentrum Kappelhof AG sowie die Pro Senectute Regionalstelle als lokale Anbieter im Altersbereich haben 2019 unter der Federführung der Gemeinde eine Kooperationspartnerschaft gegründet. Das Ziel: Einerseits sollen die Angebote systematisch aufeinander abgestimmt werden. Andererseits sollen sich ältere Menschen und ihre Angehörigen rasch und unkompliziert darüber informieren können.

Über 300 Ideen kamen zusammen

Um Letzteres zu erreichen, wird nun eine digitale Plattform geschaffen mit einer Übersicht der Dienstleistungen – als erstes von mehreren Teilprojekten. Das Vorhaben wird von der Age-Stiftung mit 140'000 Franken unterstützt.

Projektleiterin Ruth Keller.

Projektleiterin Ruth Keller.

Bild: Lisa Jenny

Um herauszufinden, wie diese Plattform genau aussehen könnte, und für die Entwicklung weiterer Ideen wurden zwischen November 2020 und Februar 2021 über 45 Interviews mit Seniorinnen und Senioren, Angehörigen und Freiwilligen sowie den Anbietern geführt. Projektleiterin Ruth Keller sagt:

«Wir wollten nicht in Lösungen denken, sondern wissen, was die Betroffenen brauchen, was ihre Bedürfnisse sind.»

Über 300 Ideen kamen so zusammen. Am Ende blieben sechs Prototypen übrig, einer davon wird nun als Erstes umgesetzt: ein Chatbot. Dabei handelt es sich um ein computerbasiertes Dialogsystem, das ein Gespräch simuliert. Dabei unterhält man sich nicht mit einem Menschen, sondern mit dem Computer.

Das Prinzip funktioniert laut Keller so: Wer die Website der involvierten Institutionen und Organisationen – also Gemeinde, Spitex, Alterszentrum oder Pro Senectute – besucht, wird künftig ein Chatfenster sehen, über das man mit vorgegebenen Fragen und Antwortmöglichkeiten zum richtigen Angebot und zur richtigen Ansprechperson kommen soll. Und zwar «zeit- und ortsunabhängig sowie anonym», wie sie sagt.

Es gibt keine Tabuthemen

Keller betont: «Das Ziel ist, dass man am Schluss einen Flyer für ein Angebot hat oder weiss, wer für ein gewisses Thema zuständig ist.» Wer also Unterstützung im Alltag braucht oder Fragen zu Altersthemen hat – beispielsweise zum Bereich der ambulanten und stationären Pflege, zu Finanzen, Freizeitangeboten oder Wohnformen – soll so schnell zu den nötigen Informationen kommen. «Es gibt keine Tabus», sagt Gemeindepräsident Oliver Gröble. Auch Themen wie Palliative Care oder die Organisation von Bestattungen sollen berücksichtigt werden.

Gemeindepräsident Oliver Gröble.

Gemeindepräsident Oliver Gröble.

Bild: Michel Canonica

Am Anfang habe man sich überlegt, einfach eine Website zu kreieren, auf der alle Altersdienstleistungen gesammelt und präsentiert werden, erzählt er. Doch eine Website sei zu statisch, zu wenig flexibel. Mit der jetzigen Lösung ist er zufrieden. «Chatbots finde ich faszinierend.» Er nennt das neue Angebot ein «Navigationssystem fürs Alter» in Wittenbach.

Aufgeschaltet wird der Chatbot Anfang 2022

Doch nicht alle Seniorinnen und Senioren sind digitalaffin und können mit einem Computer oder Tablet, geschweige denn mit einem Chatbot umgehen. Sie können dieses moderne Navigationssystem also gar nicht nutzen. Das ist auch Keller und Gröble bewusst. Zwar gebe es immer mehr ältere Personen, die durchaus mit modernen Geräten umgehen könnten, sagt Keller. «Es gibt aber sicher auch vulnerable oder hochaltrige Personen, bei denen das anders ist.» Dort richte sich der Chatbot vor allem an die Angehörigen.

Noch kann dieser indes nicht genutzt werden von der Bevölkerung. Das ändert sich aber bald. Aufgeschaltet wird der Chatbot – wenn alles nach Plan läuft – am 1. Januar 2022. Die Anbieter hätten ihn bereits getestet, so Keller, nun werde er finalisiert. Danach werden während einer Pilotphase Feedbacks aus der Bevölkerung gesammelt, um das Angebot nochmal zu überarbeiten und noch besser an ihre Bedürfnisse anzupassen.

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