Berger beklagen sich über Lastwagen, die durch das Dorf donnern

Der Lastwagenverkehr durch den Dorfkern von Berg SG nahm innert weniger Monate um einen Drittel zu. Der Gemeinderat will Gegensteuer geben. Zuvor machte er sich auf die Suche nach den Ursachen.

Noemi Heule
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Für viele Lastwagenfahrer ist die Berger Dorfstrasse Durchgangsroute in Richtung Autobahn. (Bild: Urs Bucher)

Für viele Lastwagenfahrer ist die Berger Dorfstrasse Durchgangsroute in Richtung Autobahn. (Bild: Urs Bucher)

Die Dorfstrasse führt nicht nur einmal schnurstracks durch den Berger Dorfkern, sondern von dort auch nach Wittenbach oder über die Kantonsgrenze hinweg nach Roggwil. Dies machen sich Lastwagenfahrer zunutze, welche die Dorfstrasse als Durchfahrtsroute nutzen. Mehrere Einwohnerinnen und Einwohner meldeten sich in den vergangenen Monaten bei der Gemeinde, weil sie mehr und mehr Lastwagen im Ort feststellten.

Eine Zählung der Gemeinde bestätigte Eindruck der Einwohner. Von einer «signifikanten Zunahme des Lastwagenverkehrs» spricht der Berger Gemeinderat im Gemeindeblatt. Während einer Woche liess die Gemeinde Ende Oktober das Verkehrsaufkommen mit einem Radargerät aufzeichnen. Mehr noch: Um Anteil der Lastwagen zu ermitteln, wurden sämtliche Fahrzeuge von Hand erfasst. Das Ergebnis: Pro Tag passierten zwischen 229 und 268 Laster den Messpunkt an der Kreuzung Kreuzegg. Das sind 36 Prozent mehr als bei der kantonalen Messung im Juni dieses Jahres.

Wittenbach ist Ausgangs- oder Endpunkt

«Es handelt sich um eine Momentaufnahme», ist sich Gemeindepräsident Sandro Parissenti bewusst. Dennoch beweise die Zählung, dass es sich mit Sicherheit um eine Zunahme handle. Eine Analyse der Route habe zudem gezeigt, dass ein Grossteil des Verkehrs von Wittenbach her komme oder dahin führe. Über Berg gelangen die Lastwagenfahrer von Wittenbach nach Roggwil auf den Autobahnzubringer oder umgekehrt.

Der Gemeindepräsident vermutet zwei Gründe hinter dem Anstieg innert weniger Monate. Im Juli fuhren in Wittenbach die Bagger auf, die im Zentrum kein Stein auf dem anderen lassen. Zeitgleich starteten die Arbeiten für das Schulhaus Grüntal. Und mit den Baumaschinen kamen die Lastwagen, die Baumaterial liefern und Bauschutt abtragen. Viele wählen die Route über Berg nach Roggwil auf die Autobahn. Denn der Umweg verspricht eine zeitliche Abkürzung; sie umgehen damit Wartezeiten im Stossverkehr in Richtung St. Gallen-Neudorf. «Viele der Lastwagen sind Baustellenfahrzeuge», sagt Parissenti. «Aber nicht nur.»

Ein Lastwagenverbot ist nicht möglich

Ein weiterer Grund ist ennet der Kantonsgrenze zu suchen. Auf der Hubgasse in Roggwil wurde vor kurzem ein einseitiges Fahrverbot für Lastwagen ausgesprochen. Nun weichen sie über Berg aus. Werner Lendenmann, Leiter Verkehrstechnik der Kantonspolizei St. Gallen, sieht in diesem Fahrverbot den Hauptgrund für die rasche Zunahme der Lastwagen in Berg. Im Gegensatz zum Thurgau können in St. Gallen keine derartigen Verbote auf einer Kantonsstrasse ausgesprochen werden. Sie muss gemäss Strassenbaugesetz jegliche Verkehrsteilnehmer aufnehmen.

Sandro Parissenti führt deshalb eine Umklassierung der Dorfstrasse ins Feld. Gespräche zwischen dem kantonalen Tiefbauamt, der Kantonspolizei und der Gemeinde sollen nun zeigen, welche Massnahme die richtige sei, um der Entwicklung Gegensteuer zu bieten. Auch bauliche Massnahmen sind möglich. Schliesslich sei die Dorfstrasse nicht als Durchgangsstrasse für Lastwagen konzipiert. Insbesondere an zwei Stellen – bei der Kirche und beim Schloss Hahnberg – sei sie zu schmal für schweres Gefährt aus beiden Richtungen. Um zu kreuzen, müssen die Laster ausholen und gefährden damit wiederum Fussgänger auf dem Trottoir. Immerhin, bisher gab es laut Werner Lendenmann keine Unfälle.

Ob eine Umklassierung der Strasse, bauliche Massnahmen oder die Suche nach einer Alternativroute, alle Lösungsvarianten sind nicht von heute auf morgen umsetzbar, sondern an langwierige Verfahren gekoppelt. Bis dahin dürfte eine Ursache Geschichte sein: Das neue Zentrum in Wittenbach soll 2020 stehen.