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Den Stau an den Stadtrand verschieben und das Tempo reduzieren: So will Gossau sein Verkehrsproblem lösen

Eine Ausstellung im Rathaus zeigt das Raumkonzept, dass Leitplanken für die Entwicklung der Stadt setzt. Knacknüsse sind die Verdichtung und der Verkehr. Bei letzterem setzt man auf Temporeduktionen.
Johannes Wey
Die Ausnützungsziffer wird überschritten: Im historischen Zentrum braucht es keine Verdichtung. (Bild: Reto Martin (17. August 2015))

Die Ausnützungsziffer wird überschritten: Im historischen Zentrum braucht es keine Verdichtung. (Bild: Reto Martin (17. August 2015))

Die Ortsplaner im Kanton St. Gallen betreten Neuland. Sie müssen ihre Pläne dem neuen Planungs- und Baugesetz (PBG) anpassen. In Gossau müssen sie zusätzlich das Stadtenwicklungskonzept und das Leitbild beachten. Als Zwischenschritt erstellten sie ein Raumkonzept, um den Rahmen für die neue Ortsplanung festzulegen. Im Rathaus kann man sich noch bis kommende Woche ein Bild davon machen.

Bevölkerung vor der Knochenarbeit einbeziehen

Stadtenwickler René Haefeli in der Ausstellung zum Raumkonzept. (Bild: Johannes Wey)

Stadtenwickler René Haefeli in der Ausstellung zum Raumkonzept. (Bild: Johannes Wey)

«Das Raumkonzept soll Antworten auf die neuen Fragestellungen geben», sagt Stadtentwickler René Haefeli. Hinsichtlich des Rahmennutzungsplans, der im neuen PBG den Zonenplan ablöst, habe man damit schon 70 Prozent des konzeptuellen Teils erarbeitet, sagt Haefeli. «Aber jetzt beginnt mit der Definition der Massnahmen im Richtplan die Knochenarbeit.»

Bevor er sich in den Details vertieft, möchte der Stadtentwickler aber wissen, was die Bevölkerung dazu meint. Dabei helfen soll die Ausstellung. «Wir wollen die Leute darauf vorbereiten, dass sich ihre Quartiere verändern werden», sagt Haefeli. Denn gegen die grundsätzlichen Stossrichtungen müsse man sich jetzt wehren, und nicht erst, wenn im Einfamilienhausquartier plötzlich höher gebaut wird. Die Umsetzung der neuen Gesetzgebung sei eine Herausforderung. «Es gibt noch keine Gerichtspraxis», sagt Haefeli.

Mit den Rückmeldungen während der Ausstellung ist Haefeli zufrieden: «Ich war erstaunt, wie aufgeschlossen die Besucher waren.» Der direkte Austausch sei für die weitere Arbeit wertvoll.

Im historischen Kern gibt es nichts zu verdichten

Klar ist, dass künftig innerhalb des heutigen Siedlungsgebiets mehr Menschen wohnen werden. Daher wurden die Quartiere auf ihr Entwicklungspotenzial geprüft. «Als Stadtentwickler habe ich auf den Rundgängen interessante Erkenntnisse gewonnen», sagt Haefeli. Beispielsweise werde die heute geltende Ausnützungsziffer in der Altstadt überschritten, da die Häuser aneinandergebaut sind. In den Einfamilienhausquartieren werde die Ausnützungsziffer hingegen oft nicht ausgeschöpft. Auf zwei Dritteln der Siedlungsfläche gebe es Entwicklungspotenzial.

«Innenentwicklung heisst aber nicht zwingend, grösser zu bauen», sagt Haefeli. Durch altersgerechte Wohnungen könnte beispielsweise in den Einfamilienhausquartieren ein Generationenwechsel angestossen und die Bewohnerdichte erhöht werden.

Tempo drosseln für besseren Verkehrsfluss

Massgeblichen Einfluss auf das Raumkonzept hatte auch die Zweckmässigkeitsbeurteilung des Kantons zur Entlastung der St. Gallerstrasse, wonach es keine zusätzlichen Strassen geben wird. Gleichzeitig ist für Gossau mit einer Zunahme der Einwohnerzahl und des Verkehrs zu rechnen. «Beim Verkehr wird es viele Diskussionen geben. Das Thema hat die Teilnehmer an unseren Infoveranstaltungen am meisten interessiert», sagt Haefeli.

Welche Lösungen in Frage kommen, ist dem Bericht zum Raumkonzept zu entnehmen: Zentrums- und Stadtstrassen sollen so gestaltet werden, dass öffentlicher und Langsamverkehr Priorität geniessen. Die Strassen sollen «mit tieferen Geschwindigkeiten (20 bis 40 Stundenkilometer) betrieben werden». Dadurch soll der Verkehr auch «verstetigt» werden, also langsamer fliessen, aber weniger stocken.

Der Stau, der heute fast täglich das Zentrum lahmlegt, soll durch Pförtner an den Stadtrand verschoben werden. «In anderen Städten hat man mit dieser Massnahme die Erfahrung gemacht, dass sich die Fahrten damit insgesamt verkürzen», sagt Haefeli.

Die Ausstellung zum Raumkonzept läuft noch bis 3. Juli im Rathaus. Am Samstag, 10 Uhr, findet eine Führung statt.

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