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Kommentar

Ladenöffnungszeiten in St.Gallen: Länger zu öffnen ist kein Allheilmittel

Sind die St.Galler Ladenöffnungszeiten zu restriktiv? Würden die Detailhändler in der Stadt mit einem lockereren Gesetz mehr Umsatz machen? Die Vereinigung Pro City hat die Debatte um erweiterte Öffnungszeiten erneut lanciert. Nach drei erfolglosen Volksabstimmungen ist das Zwängerei. Die Probleme der Detailhändler verschwinden nicht, nur weil sie abends eine Stunde länger öffnen dürfen, schreibt Stadt-Redaktor Roger Berhalter in seinem Kommentar.
Roger Berhalter, Stadt-Redaktor.

Roger Berhalter, Stadt-Redaktor.

Donnerstagabend in der Multergasse. Es ist die letzte Stunde des Abendverkaufs, zwischen 20 und 21 Uhr. Die Läden sind noch offen, doch die Gasse ist leer. Man kann um diese Zeit die Multergasse fotografieren, ohne dass auf dem Bild ein Mensch zu sehen ist.

Es hat sich offensichtlich etwas geändert. Die Kundenbedürfnisse, das Konsumverhalten oder wie man es abstrakt auch immer nennen will. Die Auswirkungen sind aber konkret und nicht zu übersehen, so wie eben am Donnerstag. Der Abendverkauf, einst eine Institution in der Stadt St.Gallen, hat an Bedeutung verloren. Online sind die Geschäfte heute rund um die Uhr geöffnet, wer will da noch auf den Donnerstagabend warten?

Mit einem ganzen Arsenal an Massnahmen versuchen derzeit die St.Galler Wirtschaftsverbände und die Standortförderung, dem Ladensterben zu begegnen. Eine davon: Die Öffnungszeiten auszudehnen.

Die Detailhändlervereinigung Pro City schlägt vor, dass die Geschäfte künftig täglich bis 20 Uhr öffnen dürfen, und auch am Samstag soll der Verkauf eine Stunde länger dauern. Das Ziel: Der Umsatz soll steigen, die Innenstadt wieder leben und das Gewerbe konkurrenzfähig bleiben. Gerade auch verglichen mit den Nachbarkantonen und dem Ausland, wo lockerere Gesetze gelten.

Die Stadt liegt nicht in einer Grenzregion wie das Rheintal, wo man ohne grosse Umwege von den Tiefpreisen ennet der Grenze profitieren kann. Aber auch in St.Gallen gibt es Grenzen, sie verlaufen rund um den Hauptbahnhof: Während sich die umliegenden Geschäfte an das kantonale, restriktive Gesetz halten müssen, gilt für die Läden am Bahnhof ein nationales, liberales Gesetz. Deswegen klingeln in der Coop-Filiale am Gleis auch dann noch die Kassen, wenn der Neumarkt nebenan längst geschlossen ist.

Gleich lange Spiesse zu schaffen, das ist denn auch ein nachvollziehbares Argument für längere Ladenöffnungszeiten. Die Boutique in der Neugasse soll gleich lang öffnen dürfen wie der Kiosk am Bahnhof, gleich lang wie der Tankstellenshop an der Zürcher Strasse und gleich lang wie die Boutique in Weinfelden.

Längere Öffnungszeiten erhöhen auch die Flexibilität. Wer bis 22 Uhr öffnen darf, muss dies nicht tun, es steht jedem Ladenbesitzer frei. Das Gesetz legt nur den Rahmen des Erlaubten fest, es besteht kein Zwang, ihn auszureizen. Letzteres können sich allerdings vor allem die grossen Unternehmen und Ketten leisten, was wiederum gegen eine gesetzliche Änderung spricht: Längere Öffnungszeiten machen es den Kleinen noch schwerer, gegen die Grossen zu bestehen.

Gegen eine neue Handhabe spricht auch der Arbeitnehmerschutz. Bis 22 Uhr einzukaufen mag vielleicht den Kunden gefallen, es entspricht aber kaum dem Wunsch der Verkäuferinnen und Verkäufer. Sie sind es schliesslich, die abends länger arbeiten und Sonntage opfern müssen. Klar, das muss nicht sein, alles eine Frage der Personalplanung. Aber die Praxis, gerade auch im Thurgau, zeigt: Wer länger öffnet, stellt deswegen nicht mehr Mitarbeiter ein. Stattdessen steigt die Belastung für das bestehende Personal.

Ob es in St.Gallen tatsächlich ein Bedürfnis nach längeren Öffnungszeiten gibt, ist umstritten. Einerseits sprechen die vollen Tankstellen- und Bahnhofshops zu Randzeiten eine klare Sprache. Anderseits hat aber auch das Stimmvolk eine klare Meinung. Dreimal schon hat es in kantonalen Abstimmungen 1996, 2003 und 2010 Nein zu erweiterten Ladenöffnungszeiten gesagt. Vor diesem Hintergrund erscheint es als Zwängerei, das Thema schon wieder auf den Tisch zu bringen.

Politisch hat das Anliegen von Pro City einen schweren Stand. Nicht alle Gewerbler in der Stadt stehen dahinter, es gibt auch kritische Stimmen. Für die Kantonsregierung sind erweiterte Ladenöffnungszeiten derzeit kein Thema. Stadtpräsident Thomas Scheitlin kann sich immerhin vorstellen, beim Kanton auszuloten, ob und welchen rechtlichen Spielraum es im geltenden Gesetz gebe, die städtischen Öffnungszeiten zu lockern. Das kantonale Ladenöffnungsgesetz zu ändern, wäre aber höchstens mittel- bis langfristig eine Option.

Längere Öffnungszeiten sind kein Allheilmittel gegen das Ladensterben. Die Online-Shops bleiben 24 Stunden geöffnet, der Franken bleibt eine starke Währung, die Kunden bleiben mobil und die Mieten bleiben hoch: Diese Tatsachen bringt auch ein liberaleres Gesetz nicht zum Verschwinden.

Darum geht es

Die Debatte um die längeren Ladenöffnungszeiten, die Pro City ins Rollen gebracht hat, hat folgende Ziele: Werktags haben die Läden bis 20 Uhr geöffnet, am Samstag bis 18 Uhr. Im Gegenzug soll der Abendverkauf am Donnerstag eine Stunde früher zu Ende gehen. Eine Strassenumfrage ergibt, dass die Mehrheit der Befragten eine Ausdehnung der Öffnungszeiten unnötig findet.

Das Hauptargument ist, dass man es dem Verkaufspersonal nicht zumuten könne, jeden Tag noch länger zu arbeiten. Einkaufen könne man auch in der Mittagspause, nach der Arbeit oder am Samstag. Mehrere Befragte sprechen sich aber auch für eine Verlängerung aus. Andernorts sei es ganz normal, dass Geschäfte bis 20 Uhr geöffnet hätten. (red.)

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