Anna-Stern-Lesung in Rorschach: Lakonisch und nachdenklich

Im «Treppenhaus» in Rorschach hat Anna Stern ihren neuen Roman vorgestellt. Bei der Lesung springt sie durch die Zeit und hinterlässt Fragen. Sie weckt aber auch Neugier.

Maria Keller
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Die preisgekrönte Rorschacher Autorin Anna Stern gab eine Hörprobe aus ihrem neuen Buch. (Bild: Maria Keller)

Die preisgekrönte Rorschacher Autorin Anna Stern gab eine Hörprobe aus ihrem neuen Buch. (Bild: Maria Keller)

Der Anfang ihres Buches sei nicht leicht vorzulesen, sagt Anna Stern. Und beginnt: «Roberto F., zartgliedrig und mit den Augen ihrer Grossmutter …» Nach einer halben Stunde hat vermutlich manch einer der vierzig Zuschauer noch nicht durchgeblickt, wovon die Geschichte handelt. Da sind Ava und Paul, die Protagonisten ihres neusten Romans «Wild wie die Wellen des Meeres», da sind viele szenische Ausschilderungen und da sind vor allem Zeitsprünge, denn «die Geschichte läuft in verschiedenen Zeiten», erklärt Stern.

Die Schreiberin vom See

Die Rorschacher Schriftstellerin Anna Stern stellt ihr neuestes Werk in der Hafenstadt vor. Sie erklärt ihre starke Verbindung zum Bodensee und verrät, wie weit sie schon mit ihrem nächsten Buch ist.
Lisa Wickart

Donnerstagabend, 19.30 Uhr. Die 29-jährige Rorschacherin, die eigentlich Anna Bischofberger heisst, gibt im «Treppenhaus» einen Einblick in ihren dritten Roman. Es ist nicht das erste Mal, dass die Doktorandin in diesem Lokal eine Lesung hält. Alle Plätze sind besetzt, einige Zuhörer stehen an die Wand gelehnt. Anwesend sind auch Verwandte der Literatin. Anna Stern, mit schwarzen Hosen, schwarzem Langarmshirt und weissen Turnschuhen, sitzt auf der Bühne im Nebenraum der Bar.

Ein Kapitel, ein Satz

Stern liest ohne hörbaren Spannungsbogen, lakonisch und fast schon beiläufig. Sie beginnt mit dem ersten Kapitel, springt dann zwischen Kapiteln und Zeiten umher. Ein Kapitel ist nach einem einzigen Satz bereits fertig. Hier und da werden Anglizismen eingestreut. Nur sehr selten hebt sie ihren Blick von dem Buch in ihren Händen. Zum Lachen soll der Roman nicht sein. Die Zuhörer lauschen gebannt, manchen steht ein Fragezeichen auf dem Kopf geschrieben: Worum geht es? Laut der Beschreibung um Ava und Paul und deren enge Beziehung, der Ava entfliehen möchte. Wer sich mit Sterns bisherigen Werken auskennt, hat die Protagonisten in einigen ihrer letzten Werke schon kennen gelernt, so zum Beispiel in «Der Gutachter».

Von der Handlung ist nach der Lesung wenig durchgeschimmert, viel mehr nehmen die Zuhörer eine Stimmung mit nach Hause. Melancholie, Nachdenklichkeit, hier und da Trauer. Und Neugier.