Laientheater
Seniorentheater St.Gallen startet in die neue Spielsaison mit dem Stück «Im Park» – und überwindet damit Vorurteile

Das Seniorentheater feiert am Wochenende Premiere des neuen Stücks «Im Park» im Pfarreiheim Heiligkreuz. Es ist ein heiteres Theaterstück über den Sinn des Lebens und regt zum Nachdenken an.

Dinah Hauser
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Wenn verschiedene Persönlichkeiten im Park aufeinandertreffen, dann geht es nicht immer harmonisch zu und her.

Wenn verschiedene Persönlichkeiten im Park aufeinandertreffen, dann geht es nicht immer harmonisch zu und her.

Bild: Tobias Garcia

Im Park, wo sich Mütter, Seniorinnen, Geschäftsmänner im Anzug und Randständige treffen. Wo der Quartierpolizist zum Rechten schaut, aber sich auch zum Volk setzt. Hier gehen Beziehungen zu Bruch und neue werden geknüpft. Hier treffen Kreuzworträtsel auf Falafel und Lammkottlettli. Hier tanzt auch mal eine Statue nachts ausgiebig im Regen, die sonst den ganzen Tag stocksteif alles mithört. Und: Hier kann man sich in Menschen täuschen.

Das neue Stück «Im Park» des Seniorentheaters feiert am Wochenende Premiere. Dafür wird an den Generalproben noch der Feinschliff gemacht. Generalproben deshalb, weil jede Rolle doppelt oder gar dreifach besetzt ist – falls jemand ausfällt. Während der Proben ist Regisseurin Beatrice Mock still, achtet aber genau auf jede Mimik und jede Geste der Spielenden. Der Rest des Ensembles sitzt im Publikumsraum. Zwischendurch wird geflüstert: «Hat man die Geste gut gesehen?» Oder: «Das können wir ja nachher noch anmerken.»

«Die Doppelbesetzung ist schon eine Herausforderung», sagt Mock. «Notfalls müssen alle mit allen spielen können.» Entsprechend müssen sich die Darstellerinnen und Darsteller für jede Figur an zwei Interpretationen gewöhnen. Und die Regieanweisungen müssen entsprechend an zwei Personen abgegeben und angepasst werden.

Über das Seniorentheater St.Gallen

Das Seniorentheater St.Gallen besteht seit 1977 und wurde von Elsa Bergmann gegründet. Aktueller Präsident ist Werner Menet. Als Wandertheater ist das Ensemble vor allem in der Ostschweiz unterwegs, tritt aber auch im Raum Zürich und im Aargau auf. Jedes Stück wird zwei Jahre lang gespielt mit rund 50 Aufführungen. Alle Aktivmitglieder sind über 60 Jahre alt. Nebst den Erfahrungen auf und hinter der Bühne ermöglicht das Seniorentheater eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung nach dem Berufsleben. (dh)

Video der Fachhochschule Graubünden über das Seniorentheater St.Gallen.

Vor den beiden Proben folgen letzte Regieanweisungen. Vereinspräsident Werner Menet richtet einige Worte an die Mitglieder. «Jetzt dürfen wir noch Fehler machen, danach müssen wir sie ausbaden.» Er ruft zur Vorsicht auf. Auch wenn alle geimpft sind, soll man sich regelmässig testen lassen und Maske tragen. «Wir verteilen besser etwas anderes als Corona.»

Menet spielt den Randständigen John. Dieser stellt sich mit Jim als Lebenskünstler vor. Während Jim gerne einmal einen provozierenden Spruch fallen lässt – und damit des Öfteren die Geduld der kleinkarierten Frieda strapaziert, die ihren Sohn nicht loslassen kann –, ist John der Vermittler und ein wenig Lebensberater. Auch die neuzugezogene, lebensfrohe Isabella Sommer nimmt sich dem Kummer anderer an. Dann wäre da noch die liebevolle Grossmutter Anna oder Hedi, die anders ist, als sie den Anschein macht, wie auch der mutmasslich unzivilisierte Randständige, der durchaus Sinn für Kultur hat.

Probenunterbruch und Regiewechsel wegen Corona

Dass nun Aufführungen stattfinden können, ist keine Selbstverständlichkeit. Mit der Ausarbeitung der Bühnenumsetzung wurde im Januar 2020 begonnen. Kurz darauf kam der Lockdown. «Wir mussten alles komplett einstellen», sagt Werner Menet. Die Regisseurin Andrea Richle, die auch sonst in der Theaterbranche tätig ist, musste sich beruflich neu orientieren. «Das bedeutete für uns, wir mussten eine neue Regisseurin suchen», sagt Menet. Nach einigen Gesprächen fiel die Wahl dann auf Beatrice Mock vom Schlofftheater. «Die Grundzüge konnte ich von meiner Vorgängerin übernehmen, sie hat viel Vorarbeit geleistet», sagt Mock. Sie hat dann zusammen mit dem Ensemble die einzelnen Szenen und Details ausgearbeitet.

Hinter die Fassade schauen

Das Bühnenbild stammt aus den Händen und Köpfen der Mitglieder. Der Hintergrund ist schlicht gehalten, lenkt nicht ab und ist für die Tag- wie auch für die Nachtszenen geeignet. Nichts, was auf der Bühne steht, wirkt überflüssig und wird in die Geschichte mit einbezogen. Sei es das Sitzbänkli, wo der neuste Tratsch ausgetauscht wird – wenn etwas im «Stägehuus und in der Waschküche» erzählt wird, muss es ja stimmen –, sei es das Blumenbeet oder die Klappstühle, die die Randständigen gleich selbst mitbringen. Die Technik wird ebenfalls von einem Mitglied bedient.

Entstanden ist ein «heiteres Theaterstück über den Sinn des Lebens», wie der Untertitel des Stücks lautet. Ruth Weymuth – mit 88 Jahren die älteste im Ensemble – spielt nicht nur mit, sondern sie hat das Stück geschrieben. «Es soll zum Nachdenken anregen.» Sie wollte verschiedenartige Menschen zusammenbringen und fand dafür den Park als Umgebung ideal. Das Stück regt an, hinter die Fassade der Menschen zu schauen und Vorurteile zu überwinden – genau die Intention von Weymuth.

Premieren «Im Park» am Samstag, 18.30 Uhr, und Sonntag, 15 Uhr, im Pfarreiheim Heiligkreuz. Es gilt 2G und Maskenpflicht. Kollekte. Weitere Informationen und Spieltermine: www.senioren-theater.ch

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