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Lärmschutz an der Autobahn bei Rorschacherberg: Ein Dach ist zu teuer

Die alte Idee, in Rorschacherberg ein Stück der Autobahn zu überdachen, liesse sich in neuer Form umsetzen. Das zeigt eine Studie. Wegen der Kosten kann die Gemeinde aber nur eine Lärmschutzwand planen.
Fritz Bichsel
Direkt an der Autobahn: Das Quartier Sonnenberg-Steig in Rorschacherberg. (Bild: Fritz Bichsel)

Direkt an der Autobahn: Das Quartier Sonnenberg-Steig in Rorschacherberg. (Bild: Fritz Bichsel)

Beim Quartier Sonnenberg-Steig die nahe Autobahn überdachen, aber nur in Leichtbauweise und diese Lärmschutzanlage zusätzlich nutzen für Fotovoltaik (Sonnenenergie): Dazu beantragte Anwohner Gottfried Kunz 2015 eine Studie von Studenten. Die Bürgerversammlung stimmte zu. Die Arbeit von Studenten der Hochschule für Technik in Rapperswil liegt seit einigen Monaten vor.

Massnahmen sollen selbsttragend sein

Der Gemeinderat zog daraus den Schluss: «Es ist sinnvoller, vorhandene Dächer als Träger von Fotovoltaik-Anlagen zu nutzen.» Die Studie liess er jetzt zuerst den Anwohnern vorstellen. Der Lärmschutz an der Autobahn in Rorschacherberg hat auch einen finanziellen Haken: «Massnahmen müssen selbsttragend sein, weil auch andere Gebiete vom Lärm betroffen sind», erklärt Gemeindepräsident Beat Hirs. Es stellt sich deshalb die Frage, ob Anstösser einen besseren Lärmschutz mitfinanzieren wollen.

Professor Paul Hardegger, Leiter des Instituts für Bau und Umwelt der Hochschule Rapperswil, erläuterte Anwohnern der Sonnenberg- und des angrenzenden Teils der Heidenerstrasse, was die Studenten erarbeitet haben. Sie analysierten die Situation sowie Autobahnüberdeckungen in Leichtbauweise in mehreren europäischen Ländern. Dazu auch Galerien und Lärmschutzwände an schwierigen Orten - wie dem Quartier Sonnenberg-Steig an einem Hang über der Autobahn.

Astra strebt Wände und kein Dach an

Zudem klärten die Studenten mit dem Bundesamt für Strassen (Astra), was der Bund überhaupt bewilligen und was er finanziell beisteuern würde. Wenn dieser Autobahnabschnitt wieder saniert werden muss – in 15 bis 30 Jahren – steht Lärmschutz durch das Astra für 1,5 bis 3 Millionen Franken in Aussicht. Das Amt strebt aus Sicherheitsgründen Schutzwände statt Überdachungen an.

Die Kosten einer Leichtbaukonstruktion von knapp 200 Metern Länge (nur westlich der Strassenbrücke) schätzen die Studenten auf 4 bis 6 Millionen für einfache Varianten und 12 Millionen für eine in die Landschaft eingepasste Bogenkonstruktion. Hinzu kommt aufgrund des Geländes eine Stützmauer. Auf dieser liesse sich auch eine Lärmschutzwand bauen. Das Ganze würde 5 bis gut 6 Millionen kosten.

Ein Ausschnitt aus der Präsentation der Studierenden der Hochschule Rapperswil mit Beispielen von Autobahn-Überdeckungen in Leichtbauweise. (Bild: Reto Voneschen)

Ein Ausschnitt aus der Präsentation der Studierenden der Hochschule Rapperswil mit Beispielen von Autobahn-Überdeckungen in Leichtbauweise. (Bild: Reto Voneschen)

Die Studenten zeigen, dass das Gelände hinter Mauer und Wand aufgefüllt werden könnte für Bauland. So wäre diese Konstruktion oder eine einfache Leichtbau-Überdeckung finanzierbar. Zusätzlich müsste die Hochspannungsleitung in den Boden verlegt werden.

Meinungen im Quartier gehen auseinander

Die Gemeinde berichtet von der Reaktion der Anwohner: Je ein Drittel will sofort Lärmschutz durch eine Wand (wobei die Finanzierung offenblieb), später eine durch Bauland finanzierte Anlage oder keine Bauten, damit die Seesicht bleibt. Der Gemeinderat bearbeitet nun die Variante einer «möglichst selbstfinanzierten Schutzwand mit Gewinnung von Bauland» – was etwa zehn Jahre dauern wird.

Unterlagen zur Präsentation der Studie

Grossprojekt mit Tunnel wurde zu teuer

Bereits vor bald 20 Jahren lancierte der damalige Rorschacherberger Gemeindepräsident Ernst Tobler die Idee eines Grossprojektes für den Lärmschutz entlang der Autobahn im Quartier Sonnenberg-Steig. Er wollte den intensiv von Lärm betroffenen Strassenabschnitt mit einem Tunnel überdecken, auf dem Wohngebäude möglich sein sollten. Damit hätte auch die Zerschneidung der Gemeinde durch die Autobahn gemildert werden sollen. Dank der Lärmreduktion durch diesen Bau und angrenzende Schutzwände wäre gegen 40'000 Quadratmeter neues Bauland entstanden, mit dessen Verkauf die Schutzanlage hätte finanziert werden können.

Fünf Jahre später waren die Pläne fertig und der wichtigste Bodentausch für Bauland zu Gunsten der Gemeinde in einem Vertrag festgelegt. Doch inzwischen waren zusätzliche Sicherheitsvorschriften für Autobahntunnels in Kraft getreten, und das Bundesamt für Strassen (Astra) erliess zusätzliche Auflagen. So verdoppelten sich die Kosten des Projekts bei Rorschacherberg auf mindestens 46 Millionen Franken.

Damit war das Vorhaben nicht mehr finanzierbar. In neuer Zusammensetzung legte der Gemeinderat das Projekt daher 2009 auf Eis. Und er stellt fest, dass die Tunnelidee auch heute nicht finanzierbar wäre. Deshalb geht er an die viel bescheidenere Variante mit Schutzwand und etwas Bauland nur beim Quartier Sonnenberg-Steig heran. (fbi.)

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