«Lächerlich», «bünzlig», «typisch St.Gallen» – das Aus für das Graffiti an der Offenen Kirche erhitzt die Gemüter

Weil es «keinerlei Respekt gegenüber dem historischen Gebäude» zeige, muss das Graffiti an der Fassade der Offenen Kirche in St.Gallen übermalt werden. Der Entscheid des Kantons stösst in den sozialen Medien auf Unverständnis – und löst die eine oder andere Proteststimme gegen den HSG-Campus aus.

Linda Müntener
Drucken
Teilen
Seit 2016 prangt das Graffiti an der Fassade der Offenen Kirche. (Bild: Sabrina Stübi)

Seit 2016 prangt das Graffiti an der Fassade der Offenen Kirche. (Bild: Sabrina Stübi)

Das bekannteste Gesicht in der Stadt St.Gallen verschwindet bald: Das Graffiti an der Offenen Kirche muss übermalt werden, hat der Kanton St.Gallen verfügt. Grund: Die Bemalung zeigt laut Denkmalpflege «keinerlei Respekt gegenüber dem historischen Gebäude». Denn das Graffiti habe «mit der Architektur dieses bedeutenden Versammlungsbaus nicht nur nichts zu tun, sondern negiert diese vollständig». Theodor Pindl, Intendant der Offenen Kirche, ist enttäuscht – und er ist damit nicht allein.

In den sozialen Medien stösst der Entscheid des Kantons auf Unverständnis. «Lächerlich», «bünzlig» oder einfach nur «schade» sei der Entscheid des Kantons, finden die «Tagblatt»-Leser. So kommentiert etwa Philippe Rieder auf Facebook:

«Das Graffiti auf der Offenen Kirche war endlich mal ein mutiger künstlerischer Schritt, der eine unansehnliche Kreuzung zu einem Blickfang gemacht hat.»

«Typisch St.Gallen», findet Rouven Hörler. «Ich hatte mich immer gewundert, dass so etwas an solch exponierter Lage in St.Gallen überhaupt möglich war.»

Nur wenige zeigen Verständnis für den Entscheid

Der grossen Mehrheit der Kommentatoren gefällt das Bild. «Es ist schön anzuschauen – ganz im Gegensatz zur binären Uhr am Bahnhof», schreibt Elisabeth Müller. Für Allina Boeni ist es sogar «das Schönste, was es bis jetzt in der Stadt gibt.» Nur vereinzelt finden sich Kommentare, die in eine andere Richtung gehen. «Kirche ist Kirche und keine Leinwand!», schreibt Chalina Frei.

Hensel Eberle pflichtet ihr bei: «Das Bild passt nicht zu St.Gallen und muss darum ganz klar weg.» Aber: «Ein historisch wertvoll bezeichnetes Gebäude abzureissen, passt auch nicht.» Damit spielt er auf die Pläne des Kantons an. Auf dem Areal der Offenen Kirche soll ein neuer HSG-Campus entstehen. Die kantonale Abstimmung dazu findet am 30. Juni statt. Die Zeichen stehen also auf Abbruch. Und genau das stösst vielen sauer auf: «Abreissen für die ach so wichtige Uni ist ok, oder was?», fragt Stefan Laule. Auch Cyrill Schlauri findet:

«In wenigen Jahren wird das historische Gebäude für einen wahrscheinlich gesichtslosen HSG-Bau abgerissen – das zeugt ja dann von viel mehr Respekt gegenüber dem Gebäude und dem Stadtbild.»

Klare Worte findet Marcel Baur: «Idiotisch, darf man ruhig laut sagen», schreibt er und fügt an: «Drei Jahre ziert es die Kirche schon und drei Jahre sollte es noch bleiben können. Der Kanton hat sich vermutlich gerade wieder ein paar Frust-Stimmen gegen den neuen Uni-Campus gesichert.» Damit könnte er Recht behalten. In den Kommentarspalten rufen gleich mehrere Nutzer zu einem «Nein» am 30. Juni auf.