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Ladensterben muss nicht sein: Wie St.Galler Geschäfte mit viel Herzblut Nischen finden und füllen

Die Situation weiter Teile des Detailhandels ist hoffnungslos. Den Eindruck kann man angesichts politischer Debatten und aus Medienberichten über das Lädelisterben bekommen. Ein differenzierteres Bild wollte die SP bei einem Rundgang vermitteln.
Reto Voneschen
Nanna Rittgardt verbindet mit ihren Gewürzmischungen im Laden Nanna Bunte Küche am Spisertor Tradition mit Kreativität. Sie ist ein klassischer Nischenanbieter. Diese sind das Salz in der Suppe des Detailhandels im Stadtzentrum. (Bild: Michel Canonica)

Nanna Rittgardt verbindet mit ihren Gewürzmischungen im Laden Nanna Bunte Küche am Spisertor Tradition mit Kreativität. Sie ist ein klassischer Nischenanbieter. Diese sind das Salz in der Suppe des Detailhandels im Stadtzentrum. (Bild: Michel Canonica)

Eines ist sicher: Das Thema interessiert. Rund 120 Personen haben am Montagabend am Spaziergang der SP zum Lädelisterben teilgenommen. Die besuchten Ladenlokale in der Innenstadt gerieten dadurch an ihre Kapazitäts­grenzen. Ebenfalls gezeigt hat der Rundgang: Der Strukturwandel im Detailhandel hat mehr Gesichter, als man ob der politischen Debatte und der Medienberichterstattung meinen könnte.

Neben Geschäften, die ausgezogen sind oder sich in Turbulenzen befinden, gibt es auch jene, die sich erfolgreich in Nischen etabliert haben und nicht daran denken, wegzuziehen. Diese Läden und ihre Wünsche an die Politik werden in der Debatte meist vergessen. Das hat die SP am Montagabend versucht, anhand von vier Beispielen zu korrigieren.

Nur wer mit Herzblut arbeitet, kann überleben

Mareike Cedrola in ihrem Ladenlokal. (Bild: PD)

Mareike Cedrola in ihrem Ladenlokal. (Bild: PD)

Seit 18 Jahren geschäftet Mareike Cedrola in St. Gallen. Die Secondhand-Boutique Goldmarie an der Schützengasse ist ihr dritter Laden. Gerade in der Bekleidungsbranche müsse man mit der Zeit gehen, müsse man spüren, was die Kundschaft wolle und daraus eine Geschäftsidee entwickeln, sagte sie am Montagabend.

Mareike Cedrola bietet in ihrer Boutique Secondhand-Kleider «gehobenen Niveaus» an. Sie habe das auch mit Herrenkleidern versucht, was nicht so gut gelaufen sei. Bei Damenbekleidung funktioniere es aber gut. «Wir Mädels brauchen fast immer etwas Neues», erklärte Cedrola schmunzelnd.

«Um mit einem Laden auf Dauer Erfolg zu haben, muss man sich ständig neu erfinden. Dafür braucht es viel Herzblut, Zeit, Energie und Geld.»

Mareike Cedrola
Secondhand-Boutique Goldmarie

Die Kundschaft wolle sich in einem Laden willkommen fühlen. Und sie wolle darin etwas erleben, sagte Mareike Cedrola. Um «Publikum in ihren Laden zu holen», geht sie persönlich auf die Leute zu. Gute Schaufenster, sympathische Werbung, ein Tischchen mit Blumen vor dem Eingang oder Mund-zu-Mund-Werbung durchs eigene Beziehungsnetz sind weitere Massnahmen, um positiv aufzufallen. Das Führen eines Geschäfts nach diesem Konzept sei aufwendig. Das koste Zeit, Energie und Geld. Wer nicht mit Herzblut bei der Sache sei, in dieser Aufgabe voll und ganz aufgehe, habe «als Kleiner» auf Dauer keine Chance sich zu halten, zeigte sich Mareike Cedrola am Montagabend überzeugt.

Geschichten ziehen Stammkunden an

Diese Erfolgsfaktoren wurden in der Folge von Leonie Schwendimann von der Buchhandlung zur Rose an der Rosengasse, von Nanna Rittgardt von Nanna Bunte Küche am Spisertor und von Gallus Hufenus vom Kaffeehaus St. Gallen wiederholt. Wenn man sich in einer Nische etablieren will, ist für Hufenus wichtig, dass man «eine Geschichte» findet, «die man dem Kunden erzählen will». Im Kaffeehaus sind das die Geschichten und Anekdoten, die sich um die Kaffeebohnen der eigenen Mischungen und Röstungen ranken.

Leonie Schwendimann in der Buchhandlung zur Rose. (Bild: Ralph Ribi)

Leonie Schwendimann in der Buchhandlung zur Rose. (Bild: Ralph Ribi)

In der Buchhandlung zur Rose wiederum sind es vielfältige Aktionen und Aktivitäten rund ums Buch. Dazu gehö­ren Lesungen im altehrwürdigen Gewölbekeller des Hauses zur Rose. Und wichtig sei das Ambiente im Laden, sagte Leonie Schwendimann, deren Geschäft 2017 zur Schweizer Buchhandlung des Jahres gekürt worden war.

«Ich würde mir mehr Dialog im Gewerbe
wünschen. Als Teil der gleichen Stadt sind wir letztlich alle aufeinander angewiesen.»

Nanna Rittgardt
Nanna Bunte Küche

Mit einem sehr speziellen Ambiente arbeitet Nanna Rittgardt: Mit Gewürz- und anderen Mischungen führe sie eine Familientradition weiter. Aber nicht traditionell, sondern mit immer neuen Kreationen. Was neue Ideen anbelange, sei sie halt «ein wenig eine Wahnsinnige». Anders gehe es nicht, wenn man «im Trend liegen» wolle und müsse.

Ein Hauch von Seldwyla

Ein Thema beim Abendspaziergang zum Lädelisterben waren Auflagen und Bewilligungsverfahren. Dabei waren Beispiele zu hören, die Verständnis für die alte Forderung aus Gewerbekreisen weckt, die Regulierungsdichte und die Durchführung der Bewilligungsverfahren müsse kritisch hinterfragt werden. «Nanna Bunte Küche» wie das Kaffeehaus verzichten etwa auf Leuchtreklamen: Denkmalpflegerische Vorschriften in Ehren, hiess es dazu, das Vorgehen der Behörden bei der Bewilligung solcher Tafeln sei aber lebensfremd.

Nanna Rittgardt (Bild: PD)

Nanna Rittgardt (Bild: PD)

In einem Fall hätte der Gesuchsteller für 3000 bis 4000 Franken einen später durch das definitive Modell zu ersetzenden Prototypen herstellen lassen sollen. Im anderen Fall war auf das Gesuch hin, die Leuchtreklame des Vorgängers ersetzen zu dürfen, ein grafisches Konzept für die Beschriftung des ganzen Gebäudes verlangt worden. Korrekturen, die bestehenden wie neuen Läden das Leben etwas erleichterten, seien hier überfällig, hiess es mehrfach.

Zu hohe Mieten sind ein Problem

Zur Sprache kamen am Montagabend in den vier «Nischenlädeli» natürlich auch die Ladenmieten. Vor 13 Jahren, als sie angefangen habe, sei es schwierig gewesen, ein Ladenlokal mit einem Mietzins zu finden, der sich mit einer Buchhandlung erwirtschaften lasse, sagte dazu Leonie Schwendimann von der Buchhandlung zur Rose. Sie sei mit Mieten für kleine, nicht wirklich gut gelegene Ladenlokale zwischen 3500 und 8000 Franken pro Monat konfrontiert gewesen. Sie habe dann das Glück gehabt, bei einem privaten und sehr fairen Hauseigentümer unterzukommen – in einem guten Ladenlokal zu einem erschwinglichen Preis. Anders wäre es ihr nie möglich gewesen, mit ihrer Buchhandlung auf einen grünen Zweig zu kommen.

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