KYBUNPARK
Heim-EM in der Gallusstadt: Warum sich St.Gallen als Austragungsort der Fussballeuropameisterschaft der Frauen 2025 bewirbt

Im April entscheidet die Uefa, ob die Schweiz die Fussballeuropameisterschaft der Frauen 2025 durchführen darf. Auch im Kybunpark sollen Spiele stattfinden.

Luca Ghiselli und Davide De Martis 1 Kommentar
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Wird der Kybunpark zum Austragungsort der Fussball-EM der Frauen 2025? Der Entscheid fällt in weniger als drei Monaten.

Wird der Kybunpark zum Austragungsort der Fussball-EM der Frauen 2025? Der Entscheid fällt in weniger als drei Monaten.

Bild: Urs Bucher

Die niederländische orange Welle, die durch Bern schwappt; die prall gefüllten Fanmeilen, die ausgelassene Stimmung, Baschis «Chum bring en hei», das durch die Lautsprecher dröhnt. Wer dabei war, hat die Euro 2008 nicht vergessen. Es war ein denkwürdiger Sommer, auch wenn die Nati von Trainer Köbi Kuhn bereits in der Vorrunde scheiterte.

17 Jahre später, im Jahr 2025, soll sich das Spektakel wiederholen. Seit Oktober ist bekannt, dass sich die Schweiz für die Austragung der Fussball-EM der Frauen bewirbt. Das Kandidatenfeld ist gross: Auch Frankreich, Polen sowie ein Bündnis aus vier nordischen Ländern (Schweden, Dänemark, Norwegen und Finnland) haben ihre Kandidatur eingereicht. Anfang April entscheidet das Uefa-Exekutivkomitee, wer den Zuschlag erhält.

2,8 Millionen Franken für die Kandidatur

Am Freitagmorgen hat die Stadt St.Gallen nun ihrerseits in einem Communiqué verlauten lassen, als Austragungsort beim Schweizer Fussballverband zu kandidieren. Der Stadtrat beantragt dem Stadtparlament dafür einen Kredit in der Höhe von 2,8 Millionen Franken. Voraussichtlich Ende Februar entscheidet die Legislative, ob der Kredit gutgeheissen wird. Darin enthalten sind beispielsweise die Kosten für das lokale Organisationskomitee, für das Verkehrskonzept, die Integration von ÖV-Billetten und das Bereitstellen von Extrabussen sowie Begleitanlässe und Rahmenaktivitäten.

Es sind laut Mitteilung diejenigen Kosten, welche die Stadt St.Gallen im äussersten Fall zu tragen hat. Gemäss Stadtrat kann davon ausgegangen werden, dass ein noch nicht bezifferbarer Anteil von anderen Akteuren übernommen werde, insbesondere von Bund und Kanton. Der Stadtrat habe dem Kanton ein Gesuch um Kostenbeteiligung unterbreitet. Neben der Gallusstadt bewerben sich auch Basel, Bern, Genf, Zürich, Sion, Lausanne, Luzern und Thun als Austragungsorte.

«Eine riesige Chance für die Stadt»

Stadtrat Mathias Gabathuler.

Stadtrat Mathias Gabathuler.

Bild: Benjamin Manser

Warum bewirbt sich die Stadt St.Gallen als EM-Standort? Schon seit längerem liebäugelt der Stadtrat damit, Sportanlässe in die Stadt zu holen. In der Vision 2030 heisst es dazu: «St.Gallen ist eine Stadt mit nationaler und internationaler Ausstrahlung für Kultur und Sport.»

In den Legislaturzielen 2021–2024 ist ebenfalls festgehalten, dass man bei der Akquise von Grossanlässen vorwärtsmachen möchte: «Die in der Stadt St.Gallen regelmässig stattfindenden Sportanlässe mit nationaler oder internationaler Ausstrahlung werden um eine bis zwei Veranstaltungen erhöht.»

Mathias Gabathuler, Stadtrat und städtischer «Sportminister», sagt auf Anfrage, es handle sich um eine «riesige Chance» für die Stadt St.Gallen. Grossanlässe wie eine Fussballeuropameisterschaft der Frauen seien publikumswirksame Leuchttürme. Ereignisse, die eine grosse Sogkraft mit sich bringen würden.

Gerade der Frauenfussball ist in den vergangenen Jahren stark in den Fokus gerückt. Nicht nur international, sondern auch auf regionaler Ebene, etwa mit den Frauenteams des FC St.Gallen, aber auch mit den immer zahlreicher werdenden Frauenmannschaften im Breitensport und Mädchenmannschaften bei den Juniorinnen. «So setzen wir einen Akzent für Gleichstellung.»

Entsprechend sei eine Kandidatur auf der Hand gelegen. Man habe diese in enger Absprache mit den anderen Städten eingereicht, die sich bereit erklärt hätten, Austragungsort zu sein. «Da geht es zum Beispiel um rechtliche Fragen und um Koordination.» Es gibt ein Organisationskomitee der Städte, das sich bis April nun weiter mit diesen Fragen auseinandersetzt. Sollte das Parlament die 2,8 Millionen Franken sprechen, könne man vorwärts planen.

Beim Kanton läuft ein Gesuch um Unterstützung, sollte die Uefa der Schweiz den Zuschlag geben, dürfte sich auch der Bund finanziell an der Durchführung beteiligen. Wie stehen die Chancen, dass die Schweiz tatsächlich die Fussballeuropameisterschaft der Frauen 2025 durchführen kann? Mathias Gabathuler sagt: «Wir sind gut im Rennen und wir sind zuversichtlich.»

Ein Fest für Gäste und Einheimische

Thomas Kirchhofer, Direktor St.Gallen-Bodensee-Tourismus.

Thomas Kirchhofer, Direktor St.Gallen-Bodensee-Tourismus.

Bild: Michel Canonica

Nicht nur sportlich erhoffen sich Stadt und Region vom Grossanlass einen Schub, auch touristisch ist die Austragung der Frauen-Fussball-EM attraktiv. Thomas Kirchhofer, Direktor von St.Gallen-Bodensee-Tourismus, sagt auf Anfrage: «Die Stadt St.Gallen könnte sich als kompetente Ausrichterin von nationalen und internationalen Grossevents profilieren.»

Die Kompetenz für die Durchführung einer solchen Veranstaltung sei vorhanden. Das wirke sich sehr stark auf das Bild aus, das Besucherinnen und Besucher von der Region haben. Kirchhofer sagt, es gehe nicht nur um die Bekanntheit: «Bekannt sein ist das eine, begehrlich und attraktiv zu sein das andere.» Dafür sei solch ein Event Gold wert.

Besonders bezüglich der Begegnungskultur sei es notwendig, sich Gedanken zu machen. Die Gäste müssen sich empfangen fühlen. «Das Ziel ist es, dass wir in puncto Gastfreundschaftlichkeit einen Sprung machen», sagt der Direktor von St.Gallen-Bodensee-Tourismus. Dazu müsse die lokale Bevölkerung sensibilisiert werden:

«Sowohl für die Gäste als auch für die Einheimischen muss eine passende Begegnungskultur geschaffen werden.»

Für die Einheimischen soll ein Volksfest inszeniert werden, für die Einreisenden ein Wertschätzungseffekt.

Allgemein sei die Austragung einer Europameisterschaft von ausserordentlicher Bedeutung. Auch von der Stimmung her, die damit automatisch in die Stadt getragen werde. «Die Stadt braucht solche imagebildende Leuchtturmprojekte», sagt Kirchhofer.

Frauenfussball als Werteträger

Der Frauenfussball nimmt in den letzten Jahren global sowie in der Region St.Gallen Fahrt auf und trägt zeitgeistige Werte mit sich. Er sei stark mit positiven Eigenschaften behaftet, sagt Kirchhofer. Das passe gut zur reichen Fussballtradition des FC St.Gallen mit einer beispiellosen Fankultur. Zu beachten sei auch, dass Gewaltausschreitungen rund um den Frauenfussball höchstens marginal seien.

Kirchhofer freut sich über die Bewerbung als Austragungsort der Fussballeuropameisterschaft der Frauen 2025. Dies auch mit den anderen möglichen Austragungsorten zusammen – als Schweiz: «Es ist beinahe schon ein wehmütiges Aufleben der Erinnerungen zur Europameisterschaft im Jahr 2008.»

1 Kommentar
Hanspeter Niederer

Nichts gegen Fussball, aber hier hat die Stadt St. Gallen CHF 2,8 Mio zur Verfügung und das letzte Kinderfest wurde wegen Einsparung von CHF 1 Mio abgesagt.