Geriatrische Klinik St.Gallen wird eröffnet: Doch statt einen Tag der offenen Tür gibt es einen Kurzfilm

Die Geriatrische Klinik wurde für 50 Millionen Franken saniert. Die ersten Patienten sind bereits eingezogen.

Sandro Büchler
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Im Schnitt werden Patienten 18 Tagen lang in der Geriatrischen Klinik behandelt.

Im Schnitt werden Patienten 18 Tagen lang in der Geriatrischen Klinik behandelt.

Bild: Benjamin Manser

Es sei ein «riesiges Bauprojekt». Die Vollendung hätte er der Bevölkerung gerne gezeigt, sagt Arno Noger, Präsident der Ortsbürgergemeinde St.Gallen. Die Geriatrische Klinik ist in den vergangenen zweieinhalb Jahren umfassend saniert und vergrössert worden. Ähnlich einer Zwiebel wurde der Bau von 1980 zur Rorschacher Strasse hin mit einer zusätzlichen «Raumschicht» erweitert. Entstanden ist eine moderne Klinik, die spezialisiert ist auf die akute Behandlung und Pflege von älteren Menschen.

50 Millionen Franken hat die Totalsanierung gekostet. Davon hat der Kanton St.Gallen 25 Millionen beigesteuert, weitere 15 Millionen in Form eines Darlehens. Zehn Millionen Franken stemmt die Klinik.

Spitäler weltweit im besonderen Fokus

Arno Noger, Präsident der Ortsbürgergemeinde St.Gallen und Verwaltungsratspräsident der Geriatrischen Klinik

Arno Noger, Präsident der Ortsbürgergemeinde St.Gallen und Verwaltungsratspräsident der Geriatrischen Klinik

Bild: Regina Kühne (13. April 2019)

Eigentlich war ein Tag der offenen Tür geplant. Die neue Klinik sollte mit dem Durchschneiden eines roten Bandes symbolisch eingeweiht werden. Doch die vom Bundesrat angeordneten Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus verhindern das. Noger spricht von einem Wermutstropfen. Neugierige St.Gallerinnen und St.Galler dürfen das Gebäude nicht besichtigen. Aktuell ist nicht einmal Angehörigen der Patienten, die im Provisorium nebenan untergebracht sind, der Besuch erlaubt.

Nur Journalisten und Fotografen bekommen – ausgerüstet mit einer Schutzmaske – Einblick ins Gebäudeinnere. «Um trotzdem zeigen zu können, was hier entstanden ist, produzieren wir in Kürze ein Video», sagt Noger, Verwaltungsratspräsident der Geriatrischen Klinik. Der Abschluss des Bauprojekts falle in eine ganz besondere Phase. Einerseits weil Spitäler in der ganzen Welt durch Covid-19 im Fokus stehen. Andererseits stehe der Kanton in einer wichtigen Phase der Spitalplanung.

Robert Etter, Direktor der Geriatrischen Klinik St.Gallen und des Kompetenzzentrums Gesundheit und Alter

Robert Etter, Direktor der Geriatrischen Klinik St.Gallen und des Kompetenzzentrums Gesundheit und Alter

Bild: Urs Bucher (18. Dezember 2019)

Er sei stolz auf die «Perlenkette» des Kompetenzzentrums Gesundheit und Alter, sagt Noger. Damit meint der Bürgerratspräsident die drei Gebäude entlang der Rorschacher Strasse: Die Altersresidenz Singenberg, den Alterswohnsitz Bürgerspital und eben die Geriatrische Klinik. «Alles auf einem Platz, das ist aussergewöhnlich», sagt Robert Etter, Direktor der Geriatrie und des Kompetenzzentrums. Das Konzept stösst auf Interesse: Ärzte aus Südkorea, Österreich und China waren im vergangene Jahr hier, um es sich anzuschauen.

Möbel stecken in Italien fest

Letzte Arbeiten sind im Gang: Zwei Arbeiter befestigen ein Deckenelement im Eingangsbereich. Einige Beschriftungen fehlen noch. Vor dem neuen Empfang steht ein Staubsauger. Auch 8000 Tulpen sind bestellt. Aktuell müsse man in der Cafeteria aber noch mit den alten Möbeln auskommen. «Die neuen sind in Italien blockiert», sagt Etter.

Blick in ein Zimmer der sanierten geriatrischen Klinik St.Gallen
37 Bilder
Blick von aussen
Hier gut erkennbar ist der neu hinzugefügte Gebäudeteil auf der linken Seite.
Es gilt ein striktes Besuchsverbot - ausser für Journalisten und Fotografen.
Arno Noger blickt zum gegenüberliegenden Kantonsspital.
Arno Noger: «Die Cafeteria mit der wahrscheinlich besten Aussicht der Stadt.»
Das Provisorium rechts und das renovierte Hauptgebäude links. Die beiden Gebäude sind mit einem Gang verbunden.
Robert Etter auf der Dachterrasse der Geriatrischen Klinik.
Letzte Arbeiten werden gemacht.
Ein Raum mit Sportgeräten, die «Turnhalle».
Das Schwimmbad samt Patientenhebelift. Aktuell ist das Bad aber wegen Corona geschlossen.
Der Röntgenraum.
Das mit Diesel betriebene Notstromaggregat im Keller der Geriatrischen Klinik.
Der Verbindungstunnel unterhalb der Rorschacher Strasse verbindet die Geriatrische Klinik mit dem Kantonsspital.
Blick in ein Patientzimmer.
Das Pyjama liegt bereit.
Bilder aus St.Gallen sind aufgehängt.
Die ersten Patientinnen und Patienten sind bereits eingezogen.
Die Fenster lassen sich öffnen, verfügen aber über Lamellen. Diese sind eine Absturzsicherung einerseits, dämpfen andererseits aber auch den Lärm von aussen (im Bild sind die Lamellen auf der linken Seite zu erkennen).
Noch ist die Informationstafel leer.
Im Coiffeursalon. Dieser darf aktuell nicht betrieben werden.
Die neue Zahnarztpraxis.
Auch über einen Aufbahrungsraum verfügt die Geriatrische Klinik.
Aussenfassade mit der grossen Fensterfront.

Blick in ein Zimmer der sanierten geriatrischen Klinik St.Gallen

Bilder: Benjamin Manser

Die neuen Patientenzimmer sind grosszügig und geräumig. Im Anbau auf der Nordseite sind die Zimmer nicht allzu tief, dafür umso breiter. Das ergibt eine lange Fensterfront mit Blick zum Kantonsspital. Hinter jedem Bett ragt ein langer, schwenkbarer Arm mit einem Bildschirm aus der Wand.

Nach der Sanierung stehen der Geriatrischen Klinik nun 122 Betten zur Verfügung: 78 Betten in Dreibettzimmern, 16 Betten in Doppelzimmern und 28 Betten in Einzelzimmern. Oft werde er gefragt, wieso man noch auf Dreibettzimmer gesetzt und nicht auf den Bau von Einzelzimmern fokussiert habe, sagt Klinikdirektor Etter.

«Entgegen der landläufigen Meinung fühlen sich ältere Menschen wohler, wenn noch jemand da ist, ein Geräusch von nebenan kommt.»

Gesellschaft sei wichtig. Denn Patientinnen und Patienten verbringen im Schnitt 18 Tage in der Geriatrischen Klinik, während im Kantonsspital die Verweildauer mit sechs bis sieben Tagen wesentlich kürzer ausfällt.

Da der Tag der offenen Tür ins Wasser fällt, wurden die Zügeltermine vorgezogen. Das sechste Stockwerk ist bereits belegt. In den kommenden zwei Wochen zügeln auch die restlichen Patienten vom Provisorium ins sanierte Gebäude. In den Zimmern ist alles vorbereitet, auf jeder Bettdecke liegt bereits ein Pyjama bereit:

Bild: Benjamin Manser

Auch ein Raum mit Sportgeräten, den Etter als «Turnhalle», ist im Untergeschoss der Geratrischen Klinik unterbracht. Dazu ein Schwimmbad, das aber aktuell wegen Covid-19 ebenfalls geschlossen bleiben muss. Auch hat die Geriatrie einen eigenen Röntgenraum, der verbunden ist mit dem Kantonsspital. Ohnehin ist die Zusammenarbeit der beiden Spitäler eng. Zudem verbindet sie ein Tunnel unter der Rorschacher Strasse.

Blick in den Verbindungstunnel zwischen der Geriatrischen Klinik und dem Kantonsspital.

Blick in den Verbindungstunnel zwischen der Geriatrischen Klinik und dem Kantonsspital.

Bild: Benjamin Manser

Neben neuen Zimmern und einem zusätzlichen Waren- und Bettenlift, findet sich eine weitere Neuerung im Keller – Etters «jüngstes Baby»: Ein Diesel-Notstromaggregat. Dessen Anschaffung habe man während der Bauzeit beschlossen.

Zudem verfügt die Klinik bereits über einen Coiffeur, eine Podologie und neu auch eine Zahnarztpraxis. Alterszahnpflege sei sehr gefragt, sagt Etter. Denn mit betagten Personen müsse man anders umgehen.

«Demente Menschen etwa sagen nichts, wenn ihnen ein Zahn schmerzt. Sie hören einfach auf zu essen.»
Die neue Zahnarztpraxis ist nicht nur für Patientinnen und Patienten der Geriatrischen Klinik, sondern auch denjenigen der Altersresidenz Singenberg und des Alterswohnsitz Bürgerspital.

Die neue Zahnarztpraxis ist nicht nur für Patientinnen und Patienten der Geriatrischen Klinik, sondern auch denjenigen der Altersresidenz Singenberg und des Alterswohnsitz Bürgerspital.

Bild: Benjamin Manser

Aktuell wird ein Coronapatient gepflegt

Nochmals kommt Robert Etter auf Covid-19 zu sprechen. Aktuell wird ein infizierter Patient in der Geriatrie behandelt, der vom Kantonsspital überwiesen wurde. «Er ist isoliert in einem Zimmer.» Falls nötig könne man weitere Massnahmen ergreifen. «Ein ganzer Flügel kann notfalls zur Quarantänezone werden.» Dabei profitiere man von Erfahrungen mit der Schweinegrippe oder Noroviren. «Wir passen unseren Pandemieplan jedes Jahr an.» Man handle sehr rigid, beim kleinsten Verdachtsfall, sagt Etter. Die aktuell straffen Regeln seien eine Herausforderung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

«Ihr Einsatz, ihre Disziplin, aber auch ihre Ruhe sind jetzt besonders gefragt.»

Sind bis zum 18. April alle Patienten wieder ins Hauptgebäude gezügelt, steht das Provisorium – ein vollwertiges Spital – leer. Ob der Rückbau verschoben wird und das Gebäude mit 100 Betten für Covid-19-Infizierte genutzt wird, entscheidet der regionale Führungsstab.