Für das Klima duschen Gossauer Schüler weniger lang

Die Oberstüfler aus dem Gossauer Buechenwald haben zusammen mit der Lehrerschaft ihren Ausstoss an Kohlendioxid um 12 Tonnen reduziert. Dafür gibt es einen Förderbeitrag von der Energieagentur.

Herbert Bosshart
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Eine Schülerin bringt ihr Klimaversprechen an einer Wand im Oberstufenzentrum Buechenwald an. (Bild: PD/Schule Gossau)

Eine Schülerin bringt ihr Klimaversprechen an einer Wand im Oberstufenzentrum Buechenwald an. (Bild: PD/Schule Gossau)

Seit dem Bezug des Neubaus im Jahr 2010 steht im Oberstufenzentrum Buechenwald jedes Schuljahr unter einem besonderen Motto. «Es ist als Anregung gedacht», erklärt Thomas Eberle, seit Anbeginn Schulleiter des OZ Buechenwald. «Die Lehrpersonen können sich daran orientieren und es individuell in ihren Unterricht einbauen. Ein Mottoplakat in jedem Schulzimmer erinnert täglich daran.»

Das Motto für das Schuljahr 2016/2017 entstand jedoch in umgekehrter Richtung. Nachdem ein Versuch zum Treibhauseffekt im naturwissenschaftlichen Unterricht auf grosses Schülerinteresse gestossen war und zahlreiche Fragen aufgeworfen hatte, regten zwei Lehrerinnen an, daraus ein Motto zu kreieren. So entstand das Jahresmotto «Luft zum Atmen» und daraus wiederum das Ganzjahresprojekt «Luft zum Atmen – eine Schule reduziert ihren CO2-Ausstoss» für das gesamte OZ Buechenwald. «Es hat mich wahnsinnig gefreut, dass der Anstoss für das Projekt aus der Lehrermitte kam», sagt Eberle. Die beiden Lehrerinnen hätten nicht nur das Thema eingebracht, sondern das ganze Projekt mit Inhalt gefüllt, den Prozess definiert und durchgezogen.

Hände kalt waschen und Handy ausstecken

Die Grundidee des Projektes lautete, dass alle 220 Schülerinnen und Schüler sowie die 30 Lehrpersonen und Hauswarte Möglichkeiten kennenlernten, den eigenen CO2-Ausstoss zu reduzieren. Die Basis für das individuelle «Sparprogramm» bildete das persönliche Klimaversprechen, das alle Schülerinnen und Schüler sowie alle Mitglieder des Lehrkörpers im August 2016 formulierten. Die über 250 Klimaversprechen wurden im Schulhaus ausgehängt. «Nur kurz duschen statt baden», hiess es da etwa, «die Hände nur noch kalt waschen» oder «das Handyladekabel nach dem Laden ausstecken». Die Einhaltung der Versprechen wurde alle zwei Wochen überprüft.

Von den Initiantinnen erhielten die Lehrerinnen und Lehrer der elf Buechenwald-Klassen als Hilfe eine umfangreiche Liste mit Filmen, Literaturhinweisen, Laborversuchen und Webseiten, mit denen sie das Jahresmotto auch innerhalb des Regelunterrichts thematisieren konnten.

Einen wichtigen Bestandteil des Jahresprojektes bildeten aber vor allem die über das Schuljahr verteilten Aktivitäten und Aktionstage. Dazu gehörten unter anderem der Besuch von Louis Palmer, dem ersten Menschen, der mit Solarenergie um die Welt gefahren ist, die Sonderausstellung «CO2» in der Gossauer Stadtbibliothek im Januar 2017, der Fotowettbewerb und die Schlussreise zur Umweltarena in Spreitenbach.

Den Ausstoss von fünf Autos kompensiert

Rund ein Jahr nach dem Ende des CO2-Projektjahres liegt nur der Schlussbericht des Projektteams vor. Er zeigt den Erfolg des kollektiven Versuchs, die individuelle Produktion von CO2 möglichst einzuschränken. Während des Projektjahrs wurden gemäss Schulleiter Thomas Eberle zwölf Tonnen Kohlendioxid eingespart. Das entspricht dem jährlichen Ausstoss von fünf mittelgrossen Personenwagen.

Mehr als die Hälfte hat ihr Verhalten geändert

Ein Jahr nach Abschluss des CO2-Jahres hat das Projektteam dessen Wirksamkeit mittels einer Umfrage ermittelt. Die beteiligten Schülerinnen und Schüler, welche noch im Oberstufenzentrum Buechenwald zur Schule gehen, wurden dazu befragt, wie stark sie sich ans Projekt erinnern und inwiefern sie sich noch an ihr Klimaversprechen halten. Von den 137 Antwortenden erinnern sich 58 Prozent noch gut ans Projekt und stellen auch einen anhaltenden Einfluss auf ihre Verhalten fest. 36 Prozent spüren «noch etwas», während für 21 Prozent das Thema vergessen gegangen ist. Das sind für Thomas Eberle erstaunliche Resultate. «Es ist doch schön, dass so viel hängengeblieben ist.» Ein Urteil, dem sich die St. Galler Energieagentur anschliesst. Sie hat für das Buechenwald-Projekt einen Förderbeitrag in der Höhe von 5000 Franken gesprochen.