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Kurz vor dem grossen Wahlsonntag: Die Mörschwiler wählen am fleissigsten

Die meisten Gemeinden in der Region St.Gallen rechnen diesen Sonntag mit einer ähnlich hohen Wahlbeteiligung wie 2015.
Perrine Woodtli
Die meisten Wähler stimmen per Post ab. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Die meisten Wähler stimmen per Post ab. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Der Schweiz steht mit dem nächsten Sonntag ein grosser Wahltag bevor. Die Bürgerinnen und Bürger wählen den National- und den Ständerat. Eine Umfrage der «Schweiz am Wochenende» bei grossen Städten und Gemeinden zeigt eine Zunahme der Stimmbeteiligung bei der Stimmabgabe per Post gegenüber dem Jahr 2015.

Gemäss diesen Ergebnissen dürfte die Grenze von 50 Prozent zum ersten Mal seit 1975 wieder geknackt werden. Bei den letzten Erneuerungswahlen gaben 48,5 Prozent ihre Stimme ab. Doch wie gross ist das Interesse an den eidgenössischen Wahlen in der Region St.Gallen?

In Berg sind bis Mittwochabend 216 Abstimmungscouverts eingegangen, was einer Wahlbeteiligung von 36,06 Prozent entspricht. Man gehe davon aus, dass die Beteiligung am Wahlsonntag rund 53 bis 58 Prozent betrage, sagt Gemeinderatsschreiberin Jasmin Oberlin. Die Beteiligung wäre damit niedriger als bei den letzten Erneuerungswahlen vor vier Jahren. 2015 lag sie bei 61,06 Prozent.

In Mörschwil lag die Wahlbeteiligung am Mittwochabend bei rund 39 Prozent. Laut Gemeinderatsschreiber Bruno Stieger rechnet man mit einer Stimmbeteiligung zwischen 50 und 60 Prozent. «Erfahrungsgemäss kommen in den letzten Tagen viele briefliche Stimmen.»

Auch das Wetter spielt eine Rolle

Wie viele Couverts bislang in Gaiserwald eingegangen sind, kann Gemeinderatsschreiber Andreas Kappler nicht sagen. Man gehe aber davon aus, dass die Stimmbeteiligung im Bereich der letzten Wahlen liege. «Allenfalls ein wenig höher, glaubt man den verschiedenen Experten aus den Medien», sagt Kappler. 2015 lag die Stimmbeteiligung in Gaiserwald bei den Nationalratswahlen bei 50 Prozent und bei den Ständeratswahlen bei 53 Prozent.

In Häggenschwil wird die Urne erst am Sonntag geöffnet, weshalb man nicht sagen könne, wie viele Bürger bereits abgestimmt haben, heisst es bei der Gemeinde. Vor vier Jahren lag die Wahlbeteiligung beim Nationalrat bei 55,22 Prozent und beim Ständerat bei 57,18 Prozent.

In Andwil lag die Stimmbeteiligung damals bei 53,77 Prozent. Am Mittwochabend betrug sie 30 Prozent. Laut Andwils Gemeinderatsschreiber Peter Thuma rechnet man mit einer Beteiligung von 50 Prozent.

In St.Gallen haben bis Mittwochabend 15043 Städterinnen und Städter ihren Wahlzettel zurückgeschickt. Das entspricht einer Stimmbeteiligung von 33,9 Prozent. Man gehe bei der Nationalratswahl von einer Beteiligung zwischen 43 und 46 Prozent aus, sagt Stephan Wenger, Leiter der städtischen Bevölkerungsdienste.

«Die Wahlbeteiligung beim Ständerat dürfte leicht höher liegen.»

Sind die Prognosen richtig, würde sich am Sonntag ein ähnliches Bild wie 2015 zeigen: Damals betrug die Stimmbeteiligung in der Stadt bei den Nationalratswahlen 46 Prozent, bei den Ständeratswahlen 49,8.

In allen Gemeinden stimmen die meisten Bürgerinnen und Bürger brieflich ab. Nur noch wenige gehen am Wahlsonntag an die Urne. In der Stadt St.Gallen sind es laut Stephan Wenger jeweils 200 bis 500 Personen. «Das ist abhängig vom Wetter und von der Attraktivität der Vorlagen. Für diesen Sonntag gehe ich von einer guten Frequenz aus.»

Im deutlich kleineren Muolen seien es nicht einmal mehr eine Handvoll Stimmberechtigte, die ihre Stimme an der Urne abgeben, sagt Gemeindepräsident Bernhard Keller.

Wittenbacher sind am stimmfaulsten

In Muolen haben laut Keller bis Mittwochabend 29,4 Prozent aller Stimmberechtigten brieflich abgestimmt. Trotz der erst 254 Abstimmungscouverts geht er von einer Wahlbeteiligung von etwas über 50 Prozent aus – ähnlich wie 2015.

«Es gibt jeweils einen Schub am Anfang, dann tröpfelt es einige Zeit und dann kommt der ‹Schlussschub›.»

Wie in Muolen wagt man auch in den meisten anderen Gemeinden die Prognose, dass sich die Wahlbeteiligung für die eidgenössischen Wahlen ungefähr im Rahmen des Jahres 2015 bewegen wird (siehe Grafik). Nur Berg, Eggersriet und Wittenbach rechnen angesichts der bisherigen Eingänge mit einer tieferen Beteiligung.

Am stimmfaulsten waren bislang die Wittenbacher. In der Gemeinde betrug die Stimmbeteiligung am Mittwochabend 27,33 Prozent. «Auch wenn es nicht die meisten Couverts sind, die in den letzten Tagen eintrudeln, werden es sicherlich noch einige sein», sagt die Kommunikationsbeauftragte Isabel Niedermann.

Man gehe am Sonntag von einer Wahlbeteiligung von 33 Prozent aus. «Wir würden uns auch über eine höhere Beteiligung freuen.» 2015 war die Beteiligung deutlich höher.

Ganz allgemein weist Wittenbach im Schnitt eine Wahlbeteiligung von rund 35 Prozent auf – und ist damit das Schlusslicht. Viele der umliegenden Gemeinden hatten in den vergangenen Jahren eine durchschnittliche Stimmbeteiligung zwischen 42 und 45 Prozent. In der Stadt St.Gallen bewegte sich die Beteiligung jeweils zwischen 46 und 49 Prozent.

Die fleissigsten Wähler sind die Mörschwiler. Dort liegt die Stimmbeteiligung laut Ratsschreiber Bruno Stieger jeweils zwischen 53 und 57 Prozent. Gleich dahinter kommt Berg mit 49,25 Prozent.

In Waldkirch haben bis Mittwoch 895 Personen oder 37 Prozent der Stimmberechtigten abgestimmt. «Aufgrund der Erfahrungen gehen wir von einer Stimmbeteiligung von 50 bis 53 Prozent aus», sagt Gemeindepräsident Aurelio Zaccari.

In Gossau gingen 3499 Abstimmungscouverts ein, was einer Stimmbeteiligung von 31,34 Prozent entspricht. Vor vier Jahren waren es zum selben Stichtag rund 36 Prozent. Bei gleichem Wahlverhalten wie 2015 dürfte die Beteiligung erneut bei ungefähr 47 Prozent liegen, sagt Patrik Strässle, Leiter Stadtkanzlei.

Wie hoch die Stimmbeteiligung in Eggersriet werde, sei schwierig abzuschätzen, sagt Gemeinderatsschreiber Andreas Giger. Man gehe von 45 bis 50 Prozent aus. Am Mittwoch betrug sie 30,5 Prozent.

Wahlbeteiligung hängt von Brisanz der Vorlage ab

In den Gemeinden ist man sich einig, dass die Stimmbeteiligung abhängig vom Thema und der Aktualität ist. Während mehrere angeben, dass vor allem kantonale und kommunale Vorlagen die Bürgerinnen und Bürger an die Urne locken, seien es in Gaiserwald die nationalen. «Die Wahlbeteiligung liegt meistens beim Bund am höchsten. Kanton und Gemeinde liegen bei uns tendenziell etwa zwei bis vier Prozent Prozentpunkte tiefer», sagt Gemeinderatsschreiber Andreas Kappler.

Auch Muolens Gemeindepräsident Bernhard Keller sagt: «Tendenziell locken spannende nationale Vorlagen eine grössere Anzahl Stimmberechtigte an die Urne.» Die Wahlbeteiligung hänge aber auch vor allem von der Brisanz der Vorlage ab.

Mehr Einfamilienhäuser, mehr Wähler

Dass in Mörschwil die fleissigsten Wählerinnen und Wähler leben, erstaunt den St.Galler Politikwissenschafter Silvano Moeckli nicht. Um das Wahlverhalten einer Gemeinde zu verstehen, müsse man sich die Sozialstruktur anschauen. «Pointiert formuliert: Je mehr Einfamilienhäuser, desto höher die Wahlbeteiligung.» Wohneigentum hänge mit einem höheren Einkommen und höheren Bildungsgrad zusammen, was bei der Wahlbeteiligung eine Rolle spiele. «In Mörschwil sind alle diese Merkmale gegeben.»

Ein weiterer Aspekt ist laut Moeckli, dass die Wahlbeteiligung im Alter zwischen 60 und 75 Jahren am höchsten ist. Eine Gemeinde mit mehr älteren Einwohnern weise folglich eine höhere Wahlbeteiligung auf. Auch dies dürfte auf Mörschwil zutreffen. Wittenbach indessen habe eine andere Bevölkerungsstruktur und wohl auch jährlich viele Weg- und Neuzuzüger zu verzeichnen, was eine gute Integration erschwere. Wie viele Bürger wählen, hänge auch vom Dorfleben ab und wie stark das Wählen dazugehöre, sagt Moeckli. In ländlicheren Gemeinden werde dies mehr gelebt als in einer Stadt.

Der Wahlexperte rechnet diesen Sonntag mit einer leicht höheren Wahlbeteiligung als bei den letzten eidgenössischen Wahlen 2015. Damals betrug die Beteiligung 48,5 Prozent. «Es sind nicht genau die gleichen Leute, die dieses Jahr wählen, und sie wählen auch nicht unbedingt in der gleichen Gemeinde wie 2015», so Moeckli. Viele Jungwähler, die durch die Klimadebatte politisiert wurden, würden diesen Sonntag ihre Stimme abgeben.

Doch obwohl überall die Rede von einer höheren Wahlbeteiligung ist, rechnen die meisten Gemeinden in der Region mit einem ähnlichen Wert wie vor vier Jahren. Man müsse beachten, dass es sich um gesamtschweizerische Prognosen handle, sagt Moeckli. Dies müsse nicht auf jeden Kanton zutreffen. «In einigen Kantonen wird es bei der Ständeratswahl sehr eng. Das mobilisiert die Wähler. Im Kanton St.Gallen aber ist die Ausgangslage nicht gleich spannend. Die beiden Bisherigen dürften wiedergewählt werden.» (woo)

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