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Kuriosum der St.Galler Stadtgeschichte: Velorennen im Krontal

Die Radrennbahn in St.Fiden ist nicht mehr als eine Fussnote der St.Galler Stadtgeschichte. Peter Uhler hat die Episode der kurzlebigen Sportanlage aufgearbeitet.
Reto Voneschen
Die neue St.Galler Radrennbahn kurz nach der Eröffnung 1905. Rechts an der Anlage führte damals die Rehetobelstrasse vorbei. (Bilder: Sammlung Peter Uhler)

Die neue St.Galler Radrennbahn kurz nach der Eröffnung 1905. Rechts an der Anlage führte damals die Rehetobelstrasse vorbei. (Bilder: Sammlung Peter Uhler)

Schon viele dürften sich gefragt haben, wie das Restaurant Rennbahn an der Rehetobelstrasse 15 eigentlich zu seinem Namen gekommen ist. Weit und breit ist hier, kurz nach der Verzweigung der Rorschacher- und der Rehetobelstrasse, nämlich nichts von so einer Sportanlage zu sehen.

Die Häuser Rehetobelstrasse 15 und 17. Sie wurden 1904 und 1905 gebaut. Äusserlich haben sie sich bis heute wenig verändert. Im linken Gebäude ist das Restaurant Rennbahn untergebracht.

Die Häuser Rehetobelstrasse 15 und 17. Sie wurden 1904 und 1905 gebaut. Äusserlich haben sie sich bis heute wenig verändert. Im linken Gebäude ist das Restaurant Rennbahn untergebracht.

Einer, den das Namensrätsel speziell umtrieb, hat jetzt eine Broschüre dazu verfasst. Peter Uhler wohnt an der Grütlistrasse und ist als Nachbar ein Stammgast der «Rennbahn». Bekannt ist er eigentlich für seine Jahreskalender mit historischen Bildern der Stadt St.Gallen.

In der Quartierbeiz sei unter den Gästen aber immer wieder rege diskutiert worden, woher deren Name wohl stammen könnte. Um diesen Debatten ein Ende zu bereiten, sei er der Frage nachgegangen, sagt Peter Uhler im Gespräch.

Finanziell war die Rennbahn kein gutes Geschäft

Das Resultat seiner «Forschungsarbeit» liegt jetzt als handliche A4-Broschüre vor. Darin hat Peter Uhler Material aus verschiedenen Quellen zusammengefasst, durch eigene Recherchen ergänzt und auch Fehler in älteren Texten korrigiert. Die Broschüre erzählt die Geschichte der kurzlebigen Radrennbahn St.Fiden-Krontal.

Ein Bild der Radrennbahn im Krontal, das während eines Velorennens entstand. Man beachte die vollen Tribünen.

Ein Bild der Radrennbahn im Krontal, das während eines Velorennens entstand. Man beachte die vollen Tribünen.

Sie existierte vom Juni 1905 bis zum Sommer 1908. Wenn man Zeitungsberichten jener Zeit glaubt, gab es offenbar zu wenig Veranstaltungen, zu wenig Publikum und zu viele Anlässe, die wegen des Wetters abgebrochen werden mussten. Die Anlage rentierte nicht und wechselte daher auch mehrmals in ihrer kurzen Geschichte den Eigentümer.

Die St.Galler Rennbahn auf dem heutigen Stadtplan eingezeichnet.

Die St.Galler Rennbahn auf dem heutigen Stadtplan eingezeichnet.

Als die Idee für die Radrennbahn entstand, erlebten St.Gallen und seine Vororte Tablat und Straubenzell wirtschaftlich gerade einen Höhenflug. Der Stickereiboom hatte Geld in die Stadt gebracht. Das Bürgertum fühlte sich grossstädtisch. Und Radrennen lagen im Trend, seit 1885 im deutschen Erfurt die erste Radrennbahn der Welt eingeweiht worden war. In der Schweiz gab’s an der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert vier Velorennbahnen: in Thun (eröffnet 1890), in Zürich (1905), in St.Gallen (1905) und in Lugano (1906).

Initiant der Rennbahn war ein Velohändler

Eine Ansichtskarte mit Seltenheitswert: Sie zeigt die Rennen zur offiziellen Eröffnung der neuen Rennbahn.

Eine Ansichtskarte mit Seltenheitswert: Sie zeigt die Rennen zur offiziellen Eröffnung der neuen Rennbahn.

Die Anlage an der Rehetobel­strasse 17 in St.Gallen war die Idee eines italienischstämmigen Velohändlers. Louis Andreazzi reichte das Baugesuch für eine Velorennbahn auf Gebiet der Gemeinde Tablat am 16. März 1905 ein. Sie sollte 250 Meter lang und sechs Meter breit aus Holz konstruiert werden. Zwei Wochen später, am 30. März 1905, erhielt Andreazzi die Baubewilligung. So schnell ging das damals.

Am 26. Mai ergänzte der Velohändler die Baupläne: Die Anlage sollte jetzt 300 Meter lang, der Rehetobelstrasse entlang mit einem dreieinhalb Meter hohen Zaun sowie mit Zuschauertribünen und Garderoben ergänzt werden. An Pfingsten 1905 fanden erste Rennen auf der nigelnagelneuen St.Galler Radrennbahn statt. Am 18. Juni war die offizielle Eröffnung mit weiteren Rennen.

In der Rennbahn wurde auch Fussball gespielt

In den folgenden Monaten und Jahren fanden regelmässig Radrennen statt, und zwar mit prominenten Teilnehmern. 1906/07 wurde in der Mitte der Radrennbahn auch Fussball gespielt. Finanziell war die Anlage aber ein Flop und rentierte kaum. Schon 1906 verkaufte Louis Andreazzi sie daher an zwei Zürcher.

1908 ging sie an einen Bauunternehmer aus Tablat über. Der liess die Holzbahn im Sommer 1908 abbrechen. Später wurde das Gelände überbaut. Der Verdacht liegt nahe, dass dieser Käufer nicht wirklich am Radrennsport, sondern eher am Holz der Rennbahn interessiert war.

Die Broschüre zur Rennbahn kann man kaufen

Die Broschüre «Geschichte der Radrennbahn St.Fiden-Krontal» ist für 14 Franken im Restaurant Rennbahn oder direkt bei Peter Uhler erhältlich.

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