Kunst
St.Galler Künstlerin erhält 100'000 Franken Zuschlag für ein Kunstwerk im Wohn- und Pflegezentrum Mörschwil

Ein mittlerweile verstorbener Mörschwiler hat der Gemeinde vor sieben Jahren 100'000 Franken hinterlassen. Sein Wunsch: Ein Kunstwerk im Wohn- und Pflegezentrum Mörschwil. Den Zuschlag erhält Tamara Janes, eine St.Galler Künstlerin, die in Bern lebt.

Krisztina Scherrer
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Künstlerin Tamara Janes hat mit ihrem Projekt «Sungaze» den Wettbewerb gewonnen.

Künstlerin Tamara Janes hat mit ihrem Projekt «Sungaze» den Wettbewerb gewonnen.

Bild: Krisztina Scherrer

49 Quadratmeter gross wird das Kunstwerk von Tamara Janes. Die gebürtige St.Galler Künstlerin hat einen von der Gemeinde Mörschwil lancierten Wettbewerb gewonnen. Sie darf zwei Wände im Wohn- und Pflegezentrum (WPZ) Mörschwil gestalten. Ein mittlerweile verstorbener Bürger hat der Gemeinde 100'000 Franken vermacht. Sein Wunsch: ein Kunstwerk.

Von Photoshop auf Kacheln

«Sungaze» heisst Janes' Projekt. «Ich beziehe mich dabei auf die Technik des Sonnenbetrachtens», sagt die Künstlerin, die nebenbei ein Fotostudio besitzt. Diese Technik werde in Indien praktiziert. Wer die Sonne betrachtet, erhalte Energie zurück. «Die Räumlichkeiten im Wohn- und Pflegezentrum brauchen ein Kunstwerk, das guttut und etwas zurückgibt.» Inspiriert habe sie auch der Ausblick auf den Bodensee, der vom Wohn- und Pflegezentrum gut zu sehen ist.

Ihr Kunstwerk, ein «Poor Image» im Sinne von Hito Steyerl, hat Tamara Janes mit Hilfe des Computerprogramms Photoshop erstellt. «Ich habe im Internet nach Bildern von Sonnenuntergängen und -aufgängen gesucht und mich für die spannendsten entschieden», sagt Janes. Das ausgewählte Bild wurde im Photoshop zu einem schlecht aufgelösten Bild weiterverarbeitet. Das eigentliche Kunstwerk ist ein Sonnenuntergang aus verschiedenen farbigen Kacheln. Jede einzelne Kachel ist zehn mal zehn Zentimeter gross und stellt einen Pixel dar.

Jury entscheidet sich für «wohltuendes» Kunstprojekt

Im Oktober 2022 muss das Kunstwerk fertig sein. «Im Juli suchen die Keramikerin und ich die Farben der Kacheln aus. Dafür muss ich noch die Farbpixel zählen, das dauert bestimmt Stunden», sagt die Künstlerin. Ende September kommt Janes nach Mörschwil und legt den Plattenlegern die Keramikplatten vor, sodass diese richtig an die Wand geklebt werden. «Da bin ich während des ganzen Prozesses vor Ort.»

Gemeindepräsidentin Martina Wäger und fünf weitere Personen sassen in der Jury, die das Siegerprojekt kürte. «Wir haben vier Künstlerinnen und Künstler zum Wettbewerb eingeladen», sagt Wäger. «Die Kombination von digitaler Fotografie mit der herkömmlichen, robusten Technik wie den Kacheln, hat uns überzeugt. Ein Sonnenuntergang wirkt wohltuend und vertreibt negative Gedanken. Deshalb haben wir uns für dieses Projekt entschieden.»

Nach Abzug der bisherigen Kosten – alle vier Künstler bekamen für ihre Vorschläge ein Honorar und auch die externe Jury erhielt eine Entschädigung – bleiben Janes 75’000 Franken zur Realisation ihres Projekts. «Ich habe noch nie so ein riesiges Kunstwerk gemacht. Es ist einfach grossartig und schön, dass sich die Jury für mich entschieden hat», sagt Tamara Janes.

Das Siegerprojekt wird bis am Freitag, 1. Juli, im Gemeindehaus Mörschwil ausgestellt.

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