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Kündigungswelle an Rheinecker Schule: Krisenintervention wird beigezogen

Eltern der Oberstufe Rheineck sind unzufrieden mit der Art der Schulführung und haben sich beim Kanton beschwert. Auch die Informationspolitik prangern sie an, die insbesondere nach Polizeieinsätzen an der Schule fehlte.
Gert Bruderer
In den Ferien waren Handwerker im Schulhaus. Ginge es nach den unzufriedenen Eltern, gäbe es noch mehr in Ordnung zu bringen. (Bild: Gert Bruderer)

In den Ferien waren Handwerker im Schulhaus. Ginge es nach den unzufriedenen Eltern, gäbe es noch mehr in Ordnung zu bringen. (Bild: Gert Bruderer)

Mehrere ehemalige Lehrerinnen und Lehrer der Oberstufe Rheineck sollen die Ansicht der unzufriedenen Eltern teilen. Zwar äussert sich von ihnen niemand, doch eine Kündigungswelle im letzten Schuljahr lässt sich als Indiz für Unstimmigkeiten werten. Gegenüber den Eltern sollen scheidende Lehrer gesagt haben, die Kündigung habe nichts mit den Jugendlichen oder dem Team zu tun. Acht Lehrpersonen hätten die Oberstufe verlassen, zwei von ihnen schon im Februar, klagen jene Eltern, die nun dem Amt für Volksschule geschrieben haben. Ihr Fazit:

«Ein Klima von Unsicherheit und Resignation blockiert das Team.»

Kritik wird vor allem an Schulleiter Gregor Loser geübt, der erst vor einem Jahr die Stelle angetreten hat. Doch auch dem Schulrat wird eine unbefriedigende Arbeit bescheinigt. Dass ein Mitglied der Schulkommission das Verhalten unzufriedener Eltern als «kindisch» bezeichnet und gefordert haben soll, den Ball flach zu halten, stösst den Betroffenen besonders sauer auf. Schulkommissionspräsident Oscar Kaufmann nimmt «zu einzelnen Sitzungsvoten, die auch in der Hitze des Diskussionsgefechts fallen können, keine Stellung». Anliegen von Eltern würden aber «sehr ernst genommen».

«Probleme werden unter den Teppich gekehrt»

Die Kinder der unzufriedenen Eltern stammen aus zwei Klassen. Es sind zum einen Schüler der ab diesem August gemischten zweiten Klasse Sek/Real sowie Jugendliche der künftigen dritten Sekundarschulklasse. Eltern dieser dritten Klasse haben sich mit 17 Unterschriften an den Kanton gewandt. Eltern der anderen Klasse beabsichtigten ebenfalls, eine Beschwerde einzureichen. Was sie erreichen möchten? – «Eine Qualitätsverbesserung.» Beanstandet wird vor allem, dass «spärlich und lückenhaft informiert» und «Probleme unter den Teppich gekehrt» würden. Vorkommnisse würden schöngeredet und bagatellisiert, geschätzte Lehrpersonen verunglimpft, ihre Nachfolger unverhältnismässig gelobt. Statt den Wegzug einer weiteren Lehrerin bekannt zu geben, sei diese auf der neuen Lehrerliste einfach nicht mehr aufgeführt.

Probleme an der Oberstufe lassen sich weitere finden: Zum Beispiel bekommen die künftigen Drittsekschüler, seit sie in der Oberstufe sind, die fünfte Lehrperson in Mathe: Nachdem die erste Lehrerin schwanger geworden war, kam eine Vertretung für sechs Monate, danach ein Lehrer, der inzwischen kündigte. Der nächste Mathelehrer kündigte ebenfalls, sodass die kommende Bezugsperson die fünfte ist. Auch die Ergebnisse von Rheinecks Jugendlichen bei der Kanti-Aufnahmeprüfung sind für die Oberstufe kein Ruhmesblatt: Nur zwei von sechs Prüflingen haben bestanden.

«Qualifikation ist wichtiger als Schnellbleiche»

Dass Gregor Loser über keine Schulleiterausbildung verfügt, verstärkt die Kritik an ihm. Er selbst hält fest, die Schulkommission habe seine fachliche Qualifikation und seine Berufs- und Führungserfahrung für wertvoller gehalten als eine Schulleiter-Schnellbleiche für Nicht-Fachpersonen. Gemäss Schulkommissionspräsident Oscar Kaufmann sei Gregor Loser «bestens qualifiziert». Sein anfängliches 35-Prozent-Pensum wurde auf 45 Prozent erhöht.

Als unbefriedigend werten Eltern weiter, dass sie mit ihrem Begehren, das Schulqualitätskonzept einzusehen, keinen Erfolg gehabt hätten. Ein lokales Qualitätskonzept zu haben, ist für jede Schule Pflicht. Nach Auskunft von Oscar Kaufmann wird das Qualitätskonzept derzeit gemäss den kantonalen Vorgaben neu erarbeitet.

Keine näheren Angaben wegen Persönlichkeitsschutz

Loser und Kaufmann waren zunächst nicht bereit, sich zur Beschwerde durch Eltern gegenüber dieser Zeitung zu äussern, liessen sich aber umstimmen und beantworteten Fragen schriftlich. Trifft es zu, dass Rheinecks Oberstufe im letzten Schuljahr acht Lehrkräfte verlor, nachdem sieben von ihnen gekündigt hatten? Kaufmann schreibt: Nein. Auf Ende des ersten Semesters hätten zwei Lehrpersonen die Schule verlassen. Vier Lehrpersonen hätten das Arbeitsverhältnis aufgelöst, darunter seien auch natürliche Abgänge. Ein befristeter Arbeitsvertrag sei auf eigenen Wunsch aus familiären Gründen nicht verlängert worden.

Laut Kaufmann wurde über die Abgänge informiert, wegen des Amtsgeheimnisses und aus Persönlichkeitsschutz durften aber keine weiteren Umstände bekannt gegeben werden.

Krisenintervention war einbezogen

In ihrer Beschwerde ans Amt für Volksschule listen die Eltern auf, was alles der Schulleiter ihres Erachtens besser hätte machen sollen. Erwähnt wird ein damals publik gewordener Polizeieinsatz an der Schule, wobei es um gestohlene Mobiltelefone ging. Die Eltern bemängeln, dass trotz «diverser Polizeieinsätze» sie nicht informiert worden seien. Laut Schulleiter handle es sich bei der polizeilichen Arbeit nicht um Schulisches und beruft sich weiter auf Datenschutz und Persönlichkeitsrechte.

Die Eltern beanstanden zu­-dem, bestehende Regeln wie die Helmpflicht würden nicht durchgesetzt und «problematisches Verhalten» einzelner, auffälliger Jugendlicher habe «keine oder nur eine zögerliche Reaktion» zur Folge. Auch der plötzliche Verzicht auf die (inzwischen wieder benützte) Pausenglocke ist erwähnt.

Nach dem Elternabend war das Gefühl gut, passiert ist aber nichts

Weil Unstimmigkeiten an Rhein­ecks Oberstufe schon länger bestehen, hatten Eltern auf eine Aussprache gedrängt. Dass der am 21. Mai durchgeführte Elternabend erst auf Druck zu Stande kam, begründet Gregor Loser damit, dass kein Grund für einen Sonder-Elternabend bestanden ha­be. Dem «Wunsch einer kleinen Elterngruppe» sei dann aber vom «aus Kulanz stattgegeben» worden.

Oscar Kaufmann nahm an der Veranstaltung ebenso teil wie eine Vertretung der Krisenintervention. In einem Brief vom 14. Juni an Oscar Kaufmann halten Eltern fest, der Anlass sei «sehr konstruktiv» gewesen. Die Eltern hatten am Ende ein «positives Gefühl» und «spürten das Wohlwollen des Schulkommissionspräsidenten». Passiert sei aber nichts. «Für uns Eltern ist das inakzeptabel.»

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