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Kuk fischt verlorene Dinge aus den Drei Weieren – auch Tresore

Ein Künstler taucht auf Drei Weieren nach vermissten Gegenständen. Und findet dabei gelegentlich auch Diebesgut.
Melissa Müller
Badegast Matthias Krucker alias Kuk mit Fundstücken aus dem Mannenweier. (Bild: Michel Canonica/9. August 2019)

Badegast Matthias Krucker alias Kuk mit Fundstücken aus dem Mannenweier.
(Bild: Michel Canonica/9. August 2019)

Wem etwas ins Wasser der Drei Weieren fällt, der ruft nach Kuk. Der
39-jährige Künstler und Stammgast am Mannenweier ist ein guter Taucher. Mit Schwimmflossen und Schnorchel ausgestattet, hat er schon 15 Natels, Sonnenbrillen, einen Gummihaifisch und ein Rollbrett aus dem trüben Wasser gefischt.

Am 30. Juni machte Kuk einen besonderen Fund. Eigentlich will er an jenem Tag bloss nach einer Uhr tauchen, die einem Badegast in den Mannenweier gefallen ist. Stattdessen stösst Kuk im Gewässer auf einen Metallbehälter. Es ist ein rostiger, kleiner Tresor, den er aus dem schlammigen Grund des Mannenweiers zieht. Kuk taucht auf und legt den Fund auf den Steg – zum Erstaunen seiner Freunde.

Kuk taucht nochmals ab. Er bleibt so lange unter Wasser, dass seine Freunde fürchten, es sei ihm etwas zugestossen. Aber Kuk taucht wieder auf, schnappt nach Luft, keucht vor Anstrengung. Zweimal hat er Wasser geschluckt. Dieses Mal wuchtet er einen über 15 Kilogramm schweren Safe hoch. Die Freunde öffnen den zweiten Tresor. Darin ist noch ein dritter Tresor. Er enthält einen Schweizer Pass, ein leeres Portemonnaie, ein Sparbuch, zwei Autoschlüssel, kaputte Natels und Uhren. «Das ist Raubgut», stellt der Finder fest und kontaktiert die Polizei.

Diese Tresore lagen auf dem Grund des Mannenweiers. (Bild: PD)

Diese Tresore lagen auf dem Grund des Mannenweiers. (Bild: PD)

Safe aus dem Schlafzimmer geraubt

Die Behörden befragen nicht nur Kuk, der mit bürgerlichem Namen Matthias Krucker heisst und in Schwellbrunn lebt. Sie kontaktieren auch Daniel Albrecht (Name geändert), den Besitzer des Passes, der sich im Tresor befand. Und nun schliesst sich der Kreis: Am 4. November 2014 wurde in Albrechts Parterrewohnung in Niederuzwil eingebrochen. Die Einbrecher raubten den Safe aus dem Schlafzimmer. Die Metallkiste enthielt Uhren, Schmuck, Bargeld, Pass, Portemonnaie und eine Münzsammlung im Wert von insgesamt 10 000 Franken. Das sei nun schon fünf Jahre her, sagt der Geschädigte auf Anfrage.

«Ich habe damit abgeschlossen.»

Albrecht sah sich Fotos der gefundenen Tresore an, die innen schwarz und verkohlt waren. «Vermutlich haben die Täter sie aufgesprengt.» Albrecht erinnert sich, wie er an jenem Abend vor fünf Jahren in der Dämmerung heimkam und hinter dem Haus zwei Männer in einem kleinen Bus wegfahren sah. Innert zwei Monaten sei es damals zu drei Einbrüchen an der gleichen Strasse gekommen.

Polizeihunde wittern Spuren am Bodensee

Die Polizei stellte aufgrund der Fingerabdrücke fest, dass die Berufskriminellen in der Schweiz schon gegen 30 Einbrüche verübt hatten und dann nach Ex-Jugoslawien geflohen waren. «Wir konnten sie leider nicht greifen», sagt Hanspeter Krüsi, Pressesprecher der Kantonspolizei. Es sei nicht aussergewöhnlich, dass Kleinkriminelle «Gewässer missbrauchen», um etwas verschwinden zu lassen. Bei Fahndungen ziehen die Polizeihunde, wenn sie eine Spur wittern, ihre Herrchen des Öfteren zum Bodenseeufer hin. «Rund um den Rorschacher Hafen haben wir im Wasser schon Geldkassetten, Tresore, Autos, Velos und Einkaufswagen gefunden», sagt Krüsi. 13 Kantonspolizisten seien als Polizeitaucher aktiv.

«Auch Waffen haben wir im See schon gefunden.»

Viele Täter gingen davon aus, man könne an Gegenständen, die im Wasser gefunden werden, keine Spuren mehr erkennen. «Das täuscht aber, die Technik hat enorme Fortschritte gemacht», sagt Krüsi. «Bei einer Waffe versuchen wir beispielsweise jeweils herauszufinden, bei welchem Delikt sie eingesetzt wurde.»

«Die Drei Weieren sind eine Müllhalde»

Kuk will auf den Drei Weieren weiterhin nach vermissten Gegenständen suchen. Schon als Kind habe er im Meer allerlei Dinge gefunden. Kürzlich sei er fünf Meter tief in den Mannenweier getaucht, um für eine Frau einen Schlüsselbund herauf zu holen. Oft findet er nur Abfall. «Diese Weieren sind eine Müllhalde.» Einmal entdeckte der Künstler eine Skisocke. «Das ist ein Schatz», rief er seinen Freunden zu, die ihn auslachten. Tatsächlich war die Socke aber mit Modeschmuck vollgestopft.

Ehrensache, dass Kuk Wertsachen zurückgibt. Ausser der Schnapsflaschen, die bei nächtlichen Trinkgelagen in den Teich rollen. «Die trinken wir selber.»

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