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Mitten in der Stadt scharf geschossen: Kugelfang beim Pistolenstand in Rorschacherberg ist mit Blei und Antimon belastet

Vor langer Zeit, im Jahr 1897 liess der Revolver- und Pistolenclub Rorschach den Pistolenstand im Ebnet errichten. Geschossen wird dort seit Jahrzehnten nicht mehr. 2014 wurde der Pistolenstand vom Kanton als belasteter Standort mit Sanierungsbedarf vermerkt, nun wird er saniert. Grundstück und Anlage gehören der Stadt Rorschach.

Rudolf Hirtl
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Der stillgelegte Pistolenstand Ebnet in Rorschacherberg gehört der Stadt Rorschach und muss saniert werden.

Der stillgelegte Pistolenstand Ebnet in Rorschacherberg gehört der Stadt Rorschach und muss saniert werden.

Bild: Rudolf Hirtl

Seit 1972 wird in der Region Rorschach in der Schiessanlage Witen in Goldach geschossen. Noch viel früher gab es auch in der Stadt Rorschach einen Schiessstand. In den 1860er-Jahren trainierte die Feldschützengesellschaft im Hengart, nahe der heutigen Bahnlinie. Dort gab es aber bald Raumkonflikte, da zwei geplante Strassen, die Feldmühlestrasse und die Signalstrasse, das Zielgelände durchqueren sollten. Das passte dem Stadtrat ganz und gar nicht. Doch mit den Feldschützen liess sich erst 1872 einen Konsens finden, sie durften im Kreuzacker eine neue Schiessanlage bauen.

Kugel in der Decke des Restaurants

Die Stadt wuchs aber schnell, sodass sich die Wohnviertel bald zu nahe am Zielhang der 400-Meter-Scheiben befanden. Einmal schlug eine Kugel gar in der Decke der Gaststube Fernsicht ein. Rorschach liess daher zusammen mit der Gemeinde Rorschacherberg 1909 einen 300-Meter-Stand auf dem Sulzberg bauen. Schon früher, 1897, liess der Revolver- und Pistolenclub Rorschach den Pistolenstand im Ebnet errichten.

Im Wald müsste nicht saniert werden

Der Pistolenstand wurde bis 1956 genutzt, die Anlage am Sulzberg musste 1972 der eröffneten Autobahnverbindung Rheineck-St.Gallen weichen. Als Ersatz wurde im selben Jahr die Schiessanlage Witen eröffnet.

Der seit Jahrzehnten stillgelegte Pistolenstand Ebnet wurde 2014 als belasteter Standort mit Sanierungsbedarf in den Kataster dieser Standorte aufgenommen. Die Stadt Rorschach hat als Besitzerin des Grundstücks mit der Gemeinde Rorschacherberg und einem Ingenieurbüro für die Anlage ein Sanierungsprojekt ausarbeiten lassen und will die Sanierung laut Mitteilung nun angehen.

Übrigens: Würde die Stadt Rorschach Bäume und Sträucher stehen lassen, die mittlerweile den Kugelfang bewachsen haben, so wäre gemäss den Bundesvorschriften keine Sanierung vorgeschrieben. Das Amt für Umwelt schreibt dazu: «Bei Anlagen, die sich vollständig im Wald befinden und bei denen keine Gewässer betroffen sind, besteht in der Regel kein Sanierungsbedarf.»

Bund beteiligt sich an den Sanierungskosten

Der Kugelfang, unter den Bäumen und Sträuchern, ist mit Blei belastet.

Der Kugelfang, unter den Bäumen und Sträuchern, ist mit Blei belastet.

Bild: Rudolf Hirtl

Die Kosten für die Sanierung betragen 125'950 Franken. Der Bund beteiligt sich finanziell an der Untersuchung, Überwachung und Sanierung von belasteten Standorten. Zur Finanzierung dieser Kosten hat er den Vasa-Altlasten-Fonds geschaffen. Dieser schiesst 50'380 Franken bei. Für Rorschach verbleiben so Kosten von 76'000 Franken, wobei dieser Kredit von der Bürgerschaft bereits gesprochen wurde.

Die stärksten Belastungsbereiche bei Schiessanlagen sind laut Ronnie Ambauen, Leiter Bau und Stadtentwicklung Rorschach, im Kugelfang zu finden. Das Erdreich ist dort mit Blei und Antimon belastet.

Boden wird gewaschen

So sieht das Projekt denn auch eine Bodenwäsche für 160 Tonnen Erdreich vor, 105 Tonnen müssen in eine Spezialdeponie gebracht werden. Die Sanierungsarbeiten werden von einem Labor begleitet, wofür 15000 Franken vorgesehen sind. Der Pistolenstand liegt gemäss Zonenplan im übrigen Gemeindegebiet und wird derzeit landwirtschaftlich genutzt. Laut Rorschacherbergs Gemeindepräsident Beat Hirs ist in den nächsten 25 Jahren auch keine Umzonung in bebaubares Land vorgesehen.

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