Kritik an Kappelhof-Kehrtwende: Die Wittenbacher SP ist sauer auf Gemeinde- und Verwaltungsrat

Der SP kann nicht nachvollziehen, dass beim Alterszentrum Kappelhof in Wittenbach auf einen Neubau verzichtet werden soll.

Michel Burtscher
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Das Alterszentrum Kappelhof in Wittenbach soll nicht um ein viertes Haus erweitert werden.

Das Alterszentrum Kappelhof in Wittenbach soll nicht um ein viertes Haus erweitert werden.

Bild: Benjamin Manser (18. Februar 2017)

Ursula Surber wählt deutliche Worte, wenn sie über den Entscheid des Verwaltungsrats des Wittenbacher Alterszentrums Kappelhof spricht, auf den Bau eines vierten Hauses für eine Demenzabteilung zu verzichten. «Damit wird ein demokratischer Entscheid über den Haufen geworfen», sagt die Präsidentin der SP Wittenbach-Häggenschwil-Muolen. Was sie damit meint: Als die Stimmberechtigten im Jahr 2017 der Überführung des Alterszentrums in eine gemeinnützige Aktiengesellschaft zustimmten, habe es in der Botschaft explizit geheissen, dass es im «Interesse des Gemeinderates» liege, «den Bau des Hauses 4 so rasch als möglich zu realisieren».

Doch nun, nur drei Jahre später, sieht alles wieder anders aus. Die Kehrtwende beim Projekt, über das seit einem Jahrzehnt diskutiert wird, kam im Dezember: Die Gemeinde teilte mit, dass der Verwaltungsrat des Kappelhofs entschieden habe, die Erweiterung um ein neues Haus 4 «nicht wie angedacht umzusetzen» («Tagblatt» vom 13. Dezember). Stattdessen soll die Demenzabteilung durch einen Um- und Ausbau der Häuser 1 bis 3 realisiert werden.

SP reagiert mit Offenem Brief

Als Grund für den Meinungswandel führte Gemeindepräsident Oliver Gröble, der gleichzeitig als Verwaltungsratspräsident des Alterszentrums amtet, ein externes Gutachten zur Wirtschaftlichkeit an. Dieses kam zum Schluss, dass das Haus4 eigenständig betrachtet zwar «grundsätzlich mit einem kostendeckenden Betrieb realisierbar» wäre, zusammen mit den drei anderen Häusern jedoch zu einem negativen Betriebsergebnis des Kappelhofs führen würde. Dieses Argument stösst Ursula Surber sauer auf. Sie sagt:

«Man kann doch Fragen um die Betreuung im Alter nicht mit betriebswirtschaftlicher Logik beantworten.»

Immerhin handle es sich hierbei um eine öffentliche Aufgabe. «Im Sozialhilfegesetz ist klar geregelt, dass eine Gemeinde genügend Pflegeplätze zur Verfügung stellen muss», so Surber. Die SP hat ihrem Unmut mit einem Offenen Brief im aktuellen «Gemeindepuls» Luft gemacht. Man sei «von dieser totalen Kehrtwende äusserst überrascht und schockiert», schreibt die Partei dort. Und auch mit der Kommunikation ist die SP nicht zufrieden, wie Ursula Surber sagt: «Der Entscheid wurde im stillen Kämmerlein gefällt – ohne Einbezug weiterer Interessengruppen wie der Alterskommission.»

Die Partei fordert den Gemeinderat in ihrem Offenen Brief darum auf, den Entscheid des Verwaltungsrates zu sistieren, zu überdenken und ein zweites unabhängiges Gutachten in Betracht zu ziehen. Der Gemeinderat stehe in der Pflicht, betont Surber, weil die Gemeinde Alleinaktionärin der Alterszentrum Kappelhof AG sei. Und weil er vor der Abstimmung 2017 beteuert habe, dass sich die Gemeinde nicht von ihrem Heim verabschiede, sondern weiterhin in einer verbindlichen Verantwortung stehe.

Verwaltungsrat lädt SP zum Gespräch ein

Ursula Surber sagt, aus der Wittenbacher Bevölkerung habe sie viel Zuspruch für den Offenen Brief erhalten. Auch der Verwaltungsrat des Kappelhofs hat reagiert und die SP zu einem Gespräch eingeladen. Wann dieses stattfindet, ist aber noch unklar. Die SP-Präsidentin betont denn auch, dass man sich weitere Schritte – ob rechtlich oder politisch – vorbehalte, falls das Gespräch nicht das gewünschte Resultat bringe.