Kriegsangst
Unbehagen wegen Ukraine-Krieg: Besorgte Bürger informieren sich über ihren Schutzraumplatz

Grosse Schutzräume, wie in den Zivilschutzanlagen Witen in Goldach und Steig in Rorschacherberg, wurden in der Region am See zwar aufgelöst, trotzdem gibt es heute mehr Plätze in Schutzräumen als Einwohnerinnen und Einwohner. In den Rathäusern mehren sich dennoch Anfragen besorgter Bürgerinnen und Bürger.

Rudolf Hirtl
Drucken
So wie hier beim Bachfeld-Schulhaus in Goldach sind in der ganzen Region Rorschach die Notfall-Treffpunkte für die Bevölkerung mit Tafeln markiert.

So wie hier beim Bachfeld-Schulhaus in Goldach sind in der ganzen Region Rorschach die Notfall-Treffpunkte für die Bevölkerung mit Tafeln markiert.

Bild: Rudolf Hirtl

Seit knapp vier Wochen steht beim Bachfeld-Schulhaus in Goldach eine in orange und blau gestaltete Tafel mit dem Schriftzug «Notfall Treffpunkt». Sie löst gelegentlich fragendes Stirnrunzeln bei Passanten aus. Die Sache ist laut Gemeindeschreiber Richard Falk rasch erklärt. «Es sind Anlaufstellen im Ereignisfall. Die Bevölkerung kann so schnell und einfach informiert werden.» Weitere Notfalltafeln stehen in Goldach beim Rathaus und beim Wartegg-Schulhaus. Sie ersetzen die weissen Plakate mit der blau/orangen Sirene, die auch heute noch im eigenen Keller oder Schutzräumen unter Mehrfamilienhäusern zu finden sind. Diese Plakate sind allerdings über 30 Jahre alt und inzwischen ungültig. Aufgehängt wurden sie während «Dreizack», den grossen Gesamtverteidigungsübungen von Militär und Zivilschutz in den Jahren 1986 und 1989.

Bürger wollen wissen, wo ihr Schutzraum ist

In Rorschach gibt es gemäss aktueller Stadtinfo-Ausgabe drei solcher Notfall-Treffpunkte – bei den Schulhäusern Mühletobel, Burghalden und Pestalozzi. Gemäss Thomas Federer vom Kantonalen Amt für Militär und Zivilschutz sind Notfalltreffpunkte in erster Linie Informationsstellen, je nach Ereignisfall auch Sammelstellen für Evakuierungen, Abgabestellen für Trinkwasser und Zuweisungsstellen für Schutzplätze.

Spätestens seit in Moskau mit taktischen Atomschlägen gedroht wird, sind auch Schutzräume in der Region Rorschach wieder ein Thema. «Wir hatten in den vergangenen Wochen immer wieder Anfragen von besorgten Bürgerinnen und Bürgern, wo denn im Ernstfall ihr Schutzplatz zu finden sei», sagt Richard Falk. Früher sei dies auf den besagten, nicht mehr gültigen Klebern gestanden. Heute würden Einwohnerinnen und Einwohner im Bedarfsfall in schriftlicher Form über die Zuweisung eines Schutzraumes informiert. Sollte die Kommunikation erschwert sein, kämen die erwähnten Notfall-Treffpunkte ins Spiel.

Mehr Schutzplätze als Einwohnerinnen und Einwohner

Grosse Unterkünfte wie die Zivilschutzanlage Witen sind in Goldach nicht mehr in Betrieb. Unter dem Schiessstand im Witenwald hätten mehrere hundert Personen Schutz gefunden. Auch die Zivilschutzanlage hinter dem Rathaus hat ausgedient. In der Anlage, die der RZSO seit deren Gründung im Jahr 2004 als Führungsstandort diente, hätten im Ernstfall 61 Schutzplätze zur Verfügung gestanden.

Der ehemalige Führungsstandort hinter dem Goldacher Rathaus.

Der ehemalige Führungsstandort hinter dem Goldacher Rathaus.

Bild: PD

Trotzdem müssen sich Goldacherinnen und Goldacher laut Richard Falk bezüglich Schutzräume keine Sorgen machen. Es ist nämlich sichergestellt, dass alle Einwohnerinnen und Einwohner einen Schutzplatz haben. «Es wird beispielsweise bei jedem Baugesuch geprüft, ob ein Schutzraum erstellt werden muss. In Goldach ist das aber nur noch in zwei Ausgleichsgebieten ob der Bahnlinie nötig», so der Gemeindeschreiber.

Schutzräume müssen ständig betriebsbereit sein

Auch in Rorschach gibt es gemäss städtischen Infoblatt mehr Plätze in Schutzräumen als Einwohnerinnen und Einwohner. «Da sind zum einen offizielle Schutzräume wie die Garagen beim Stadthof oder beim Burghaldenschulhaus. Zum anderen sind es Schutzplätze in privaten Gebäuden», schreibt der Stadtrat. Und weiter: «Auf ungefähr 95 Prozent schätzt Thomas Federer den Anteil der privaten Schutzräume in Rorschach. Hier wie dort sind die Räume mit chemischen Toiletten, Notbetten und mit einem Lüftungssystem ausgerüstet. Schutzräume dürfen zwar privat genutzt werden, müssen aber ständig betriebsbereit und innert fünf Tagen bezugsbereit sein.»

Im Katastrophenfall

Sirenenalarm und App

Gewarnt wird die Bevölkerung im Katastrophenfall durch Sirenenalarm oder über die App «Alert Swiss». Auf «Alert Swiss» fliessen die relevanten Informationen rund um die Vorsorge und das Verhalten bei Katastrophen und Notlagen in der Schweiz zusammen. Weitere Informationen dazu gibt es auf www.alert.swiss.ch. Informiert wird im Notfall auch über Radio und Fernsehen SRF – oder bei den beschilderten Notfalltreffpunkten. (rtl)

In Rorschacherberg wurde die Zivilschutzanlage beim Schulhaus Steig in ein Feuerwehrdepot umgebaut. Dennoch stehen laut Gemeindepräsident Beat Hirs genügend Schutzplätze für die Bevölkerung zur Verfügung. Momentan überarbeite und überprüfe die Gemeinde das Schutzraumregister. «Wir wollen sicherstellen, dass alle Schutzplätze, die bei der Bauverwaltung registriert sind, tatsächlich existieren», sagt der Gemeindepräsident. Zu einem späteren Zeitpunkt wolle er auch das Tool testen, das die Zuteilung der Schutzplätze regelt. Dieses werde vom Bund zur Verfügung gestellt.

Aus den dicken Mauern der Zivilschutzanlage beim Schulhaus Steig in Rorschacherberg wurden 2018 Fenster und Türen herausgesägt. Heute ist dort ein Feuerwehrdepot.

Aus den dicken Mauern der Zivilschutzanlage beim Schulhaus Steig in Rorschacherberg wurden 2018 Fenster und Türen herausgesägt. Heute ist dort ein Feuerwehrdepot.

Bild: Rudolf Hirtl (Juli 2018)

Zusammen mit dem Bevölkerungsschutz soll ausserdem in einem Quartier der Gemeinde kontrolliert werden, ob die erfassten Zahlen mit der Realität übereinstimmen. Das aktuelle Weltgeschehen bringe es zudem mit sich, dass alle Gemeinden in nützlicher Frist kontrollieren müssten, ob die Schutzräume den gesetzlichen Vorschriften entsprechen, bezugsbereit sind und nicht etwa mit Material zugestellt sind.

Auch in Rorschacherberg hätten sich Einwohnerinnen und Einwohner im Gemeindehaus erkundigt, wo sie im Ernstfall hinmüssen. Der Ukraine-Krieg habe bei Menschen eine spürbare Verunsicherung ausgelöst. Die Tafeln für die Notfall-Treffpunkte sind in Rorschacherberg bei den Turnhallen Steig und Klostergut sowie bei der Mehrzweckhalle angebracht.

Über 100 Schutzplätze bei der Überbauung Arche

Die Tafeln für die Notfalltreffpunkte sind auch in der Gemeinde Thal mit den charakteristischen Dorfteilen Altenrhein, Staad mittlerweile aufgestellt worden, und zwar beim Oberstufenzentrum Thal, beim Werkhof in Staad und beim Schulhaus Altenrhein. Laut Gemeinderatsschreiber Christoph Giger stehen auch in Thal ausreichend Schutzräume für die Bevölkerung zur Verfügung. «Auf der Website der Gemeinde Thal kann die Notfall-Broschüre heruntergeladen werden. Dort sind alle notwendigen Informationen enthalten», erläutert der Schreiber.

Auch bei der Gemeinde Tübach haben sich besorgte Bürgerinnen und Bürger nach ihren Schutzplätzen erkundigt. «Vor allem zu Beginn des Konfliktes hatten wir diesbezüglich sehr viele Telefonate», sagt Gemeindepräsident Michael Götte. In Tübach stünden selbstverständlich für alle Einwohnerinnen und Einwohner genügend Schutzräume zur Verfügung. Der grösste in der Tiefgarage gegenüber dem Mehrzweckgebäude Arche, wo über 100 Schutzplätze in Betrieb genommen werden können. Infotafel und Notfalltreffpunkt befinden sich beim Parkplatz bei der Mehrzweckhalle.

Aktuelle Nachrichten